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Sekunden

Ich hatte mit Schatz nach meinem Zahnkontrolltermin in einem kleinen Strassenkaffee abgemacht. So machen wir es öfters und normalerweise trinke ich dann nichts, sondern wir gehen dann gemeinsam weiter. So nicht gestern. Vielleicht hat mich die Aufregung vor dem Zahnarzt und das gute Ergebnis: "es gibt nichts zu tun...alles in Ordnung." durstig gemacht. Ich rief Schatz rasch zu: "Bestelle mir doch bitte rasch etwas, ich muss noch nach nebenan." Ich zeigte dabei mit dem Finger zur Drogerie. Wenige Minuten später sass ich neben ihm und schlürfte das kühle Getränk. Ich erzählte ihm was die Zahnärztin gesagt hatte und fragte anschliessend: "Und was machen wir heute noch schönes." Er zuckte mit den Schultern: "Keine Ahnung, hast du einen Vorschlag."

Ich bin nie verlegen…Ich keine Idee…das gibt es nicht, so auch gestern: "Wir könnten zu unserer Gärtnerin fahren und gucken, ob sie Pflanzen in Gelb und Orange für unsere neue Beet Gestaltung im Angebot haben." Auf der Fahrt dorthin, die über Land führt, sahen wir, dass alle Autos vor uns ein anderes überholten. Die Warnblinkanlage war an und es tuckerte langsam vor sich her. Das Kennzeichen verriet, dass der oder die Lenkerin aus der Innerschweiz sein musste. Nun fuhren wir ebenso langsam hinter diesem Auto her, denn an das Überholen auf der Kurvigen Strecke war nicht zu denken. Der Lenker des grauen Autos stellte den Blinker und bog rechts auf einen Stellplatz am Waldrand. Als wir langsam vorbeifuhren, blickte ich nach rechts und sagte fast im selben Moment als Schatz erklärte: "der hat einen Platten" - (ich) "es ist eine Frau." "Willst du helfen" fragte er mich - es ist immer dasselbe und eben nicht das erste Mal, dass er diese Frage an mich stellt, dies, obwohl er schon längst gebremst hat und in diesem Fall zeitgleich mit meiner Antwort "Ja" den Rückwärtsgang einlegt. Hahaha - Ich stieg aus und sah die Frau, deren Gesicht kurz zuvor durch die Scheibe eher wie das eines hilflosen Rehs gewirkt hat, neben ihrem Auto stehen. "Na - Frau aus der Innerschweiz, brauchen sie Hilfe" rief ich ihr beim Gehen zu. Im Nachhinein muss ich sagen, was für eine doofe Frage, ich wusste es ja schon. "Ich glaub es nicht." wiederholte sie immer wieder. Schatz fragte nach einer knappen Begrüssung: "Na und jetzt?"  "Ich muss den Pannendienst anrufen." Entgegnete sie.

"Öffnen sie doch mal den Kofferraum." die Frau ging etwas mechanisch wirkend und tat was gewünscht. Die Dinge aus dem Kofferraum wurden nach draussen gelegt und gemeinsam versuchten die Beiden das Reserverad unter der Abdeckung hervorzuholen. Doch da war keine Einbuchtung mit einem Reserverad. Schatz kniete sich hin und guckte unters Auto. "geben sie mir mal das Werkzeug bitte." forderte er. "Sie wollen das wirklich tun?" fragte die Frau hilflos und es schien als sei es ihr peinlich, dass Schatz nun auf den Knien im Naturboden, das Ersatzrad unter dem Auto, mittels lösen einer Schraube aus einem Haltegitter befreien muss. "So" sagte er... und dann erklärte er mir und der Frau, während eines von ihm getätigten Radwechsels Schritt für Schritt was er nun gerade tat. 

Zuvor hatte ich von der Frau das Pannendreieck verlangt und stelle es an die Notwendige Stelle, denn ohne brausten die Autos mit ca. 80 Km/h an uns vorbei. Ohne wäre es zu gefährlich gewesen.

"Dieser Radwechseln ist ein bisschen wie vor der Hochzeit vor 30 Jahren, da wusste man auch wie es gehen sollte und später wusste man gar nichts mehr." hahaha Was für ein Vergleich dieser netten Dame in den Sinn kam - Lustig! Ich musste lachen. "sind sie vielleicht Automechaniker" fragte die Frau neugierig. Wir verneinten im Duett – hahaha ohne weitere Angaben zu machen. Nach einiger Zeit war alles wieder verstaut, das neue Rad montiert und Schatz reinigte sich die Hände mit einem Lappen und Desinfektionsgel. Er erklärte ihr noch, dass sie im nächsten Ort an einer Tankstelle dem Pneu Luft zuführen müsse und dann ohne Sorge normal weiterfahren könne, da dies kein Provisorisches Rad sei. "Wie kann ich euch das Vergüten - ich bin euch ja so dankbar..." sagte die Frau sichtlich erleichtert. "Alles ist gut." sagten wir fast einstimmig. Ihr war es nicht recht. "Darf ich euch etwas zuschicken? Geben sie mir ihre Adresse." Bat sie uns. "Nein - alles ist gut - wir haben gerne geholfen - Adieu und gute Heimfahrt." Als wir uns verabschiedeten sah ich wie sie auf unser Autokennzeichen schielte... Das erzählte ich Schatz. "Es wird ihr nichts bringen." Wir schmunzelten beide als hätten wir was ausgeheckt.

Und dann fuhren wir gut gelaunt in Richtung Gärtnerei. "Ach - was hat uns das nun gekostet. 15 Minuten" sinnierte Schatz "Bis der Pannendienst gekommen wäre und was es die Frau gekostet hätte." erklärte er weiter "Das hast du richtig gut gemacht Schatz." ich streichelte seinen Arm "Wir haben das richtig gut gemacht." hahaha Ich hatte ja gar nicht getan "Du meinst, dass ich heute noch was getrunken habe und in der Drogerie war..." ich schmunzelte. Es ist doch tatsächlich so - das Sekunden entscheiden was wir erleben und bei uns sind es halt immer wieder Hilfsmomente, die wir gerne tun. 

 

Übrigens – während ich orange lilafarbene und gelbe Pflanzen aussuchte, verliebte sich Schatz kurzerhand ihn einen Schneeball. Dieser wurde heute Morgen in unserem Garten eingepflanzt. hahaha

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