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Samen

 

"Ich weiss nicht warum, doch bei mir wachsen die Samen, die ich von dir erhalten habe, einfach nicht." so meine Aussage vor ein paar Wochen. Wieder einmal stand ich genau dann im Garten einer guten Bekannten und wir fachsimpelten über die heimischen Pflanzen. "Mein Gartenboden ist halt wirklich nicht ideal für alles." ergänzte ich und hoffte das meine Aussage, die ich soeben geäussert hatte, nicht falsch rüberkam. Schnell schob ich deswegen noch den Satz hinterher: "es ist mit manchen Pflanzen so...natürlich nicht nur bei deinen." 

Auch wenn es sich dabei um eine beschwichtigende Aussage handelte, so war es keine Notlüge. Sowas mache ich seit unendlich vielen Jahren nicht mehr. Ich stehe für Klarheit und es ist mir sehr wichtig. 

"Ich gebe dir trotzdem etwas Silberblatt Samen mit. Schau mal - vielleicht wird es was..." sagte meine Bekannte daraufhin mit ihrem liebevollen Lächeln und überreichte mir ein Tütchen mit der dazugehörenden Beschriftung. Ob das was wird? Da gärtnert man über 40 Jahre und hat solche Knackpunkte. Unglaublich.

Das dachte als ich nach Hause spazierte. In einer Tasche hatte ich nebst dem erwähnten Samen, noch einen Blutampfer Setzling und eine kleine Königskerze... zudem das Versprechen, dass ich im Herbst noch Farn und Elfenkraut abholen könne. Weil ihre Pflanzen sich so ausgebreitete hätten, dass sie unbedingt ausgegraben und geteilt, also reduziert werden müssen.

Das war im Frühjahr im letzten Jahr.

 

Im Herbst machte ich mich mit Schatz, einer Sackkarre und einem Behältnis auf dem Weg zu jener Bekannten. Es sind nur einige Häuser weiter. Doch der Farn und das Elfenkraut musste ja schliesslich irgendwie transportiert werden. Der Himmel war bedeckt und es regnete leicht. Schatz entfernte mit Spaten und viel Kraft die Pflanzen, welche wir nach Hause nehmen durften.

Unterdessen hatten wir den Sommer ohne Silberblatt und ohne Mohn von einer anderen Bekannten, welche mir Samen geschenkt hatte, verbracht.

Ein guter Sommer...denn im Frühjahr hatte es so anhaltend geregnet, dass alles prächtig gedieh. Nur eben die geschenkten Samen nicht. Dafür entwickelte die Blutampfer, welche man auch essen kann und die anderen Pflanzen, welche ich als Setzlinge erhalten hatte, zu meinem Erstaunen prächtig. Nun kamen noch in meine Waldecke- oder dem eher Schattigen Teil des Gartens die neuen Pflanzen welche eine ordentliche Grösse hatten hinzu. Ich freute mich riesig.

Das Silberblatt strich ich in Gedanken und genauso den Mohn, den ich seit vielen Jahren anzusiedeln versuche und er sich jedoch schon als Jung Pflänzchen ins Walhalla verabschiedet. "Ja nun - ich kann nicht mehr als es zu versuchen. Doch nun lass ich es..." Erklärte ich einer weiteren Nachbarin. Jene von der ich die grossen Mohnkapseln erhalten hatte und ich genau diese zu Hause vorsichtig geschüttelt und damit den Samen aufgefangen habe. Das Jahr darauf überreichte sie mir schon den fertigen Samen im Tütchen.

Doch auch dieser... ach Gott! Er machte sich nicht einmal die Mühe auch nur ansatzweise zu spriessen. Rebellion in meinem Gartenbeet? Hatte sich die Mohnfraktion gegen mich entschieden.

Die Nachbarin meinte: "Das ist komisch...bei mir wachsen die wie Unkraut." Es kann sich keiner erklären, warum das so ist. Alle Voraussetzungen stimmen...Doch es sei mir einfach nicht gegönnt. 

 

Nun sass ich die Tage im Garten bei einer Tasse Tee...Pause im erneuten Frühlings Ambiente nach Hausarbeit und Hundespaziergang war angesagt...da sah ich am Fusse der Weinrebe etwas in einem wunderschönen Lila blühen. "Hä? was ist denn das" sagte ich zu mir selbst (ja - nun ist es auch bei mir soweit - hahaha). Naya schaute auf und suchte mit dem Blick den Garten ab. "Wohl eine Katze im Garten? Doch wo?"

Ich stand auf und Naya hinterher... um sich kurz darauf wieder auf ihren Platz zu legen. "Ach - keine Mieze...nur eine Blume - nicht interessant" schien ich an ihrem Blick lesen zu können. 

Doch ich – ich war mehr als entzückt. Eine kräftige Pflanze mit vielen wunderschönen Blüten strahlte mich an. "Ich weiss nicht was es ist...?" erklärte ich tags darauf Schatz, dem ich genau diese zeigte. Und dann entdeckte ich auch noch 3 kleinere gleiche Pflänzchen in einem Topf, aus dem ich die Erde angereichert mit einer guten Gartenerde und etwas Kompost benutzen wollte, jedoch vergessen hatte. "Hier bei der Rebe hatte ich allerdings im letzten Jahr Ringelblumen drin...das sind definitiv keine..." lachte ich. "Ich habe keine Ahnung was es ist." sagte ich und zog die Schultern hoch. "Egal - sieht hübsch aus." pflichtete mir Schatz bei.

Heute Morgen beim Frühstück, kam mir plötzlich in den Sinn, dass ich auf meinem alten Handy eine App hatte, mit der man Pflanzen bestimmen konnte. Mal schauen... mmmhhhh! mit Erfolg fand ich diese im Appstore (Flora incognita – heisst sie) und konnte sie auch auf mein neueres Laden. Gratis und als Gast musste ich mich auch nicht mit Name und Pipapo registrieren. Schon lange nicht mehr benutzt klickte ich dort auf Foto, Rubrik Wildblume und knipste diese wunderschönes Gewächs, um dann wenige Sekunden später lesen zu können...13. April 2022 – 07:26H EINJÄHRIGES SILBERBLATT!

Tataaaaaaa! So super! Doch wie kam dieses aus der hintersten Ecke im Garten ausgesät wohl dort hin?

Vielleicht der Wind der Wind das Himmlische Kind…hahaha

"ist doch eigentlich egal" sagte ich mir. Naya hob kurz den Kopf, um ihn mit einem lauten Ausschnaufen wieder niederzulegen. Und ich - ich erfreute mich noch mehr und beschloss kurzerhand...die vielen verschiedenen Sorten an Mohnblumensamen, die ich mir in einer Gärtnerei bestellt habe, um sie zu verschenken, werden definitiv in meinem Garten ausgesät.

 

Man soll die Hoffnung nicht aufgeben...das hat mir diese Episode ganz deutlich gezeigt. Und wird nun nicht nur in Punkto Garten doch in besonderem, mein Motto sein. 

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