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Klischee

"Ach, weisst du was? Ich glaube, man könnte einen Frosch trainieren, wenn man den richtigen Knopf findet." Einmal mehr hörte jemand der mir gegenüberstand diesen Satz. Die Worte, die ich immer hervorhole, wenn wie nun, kurz zuvor die Meinung kundgetan wurde: "Also Katzen sind sowas von stur und beibringen kann man ihnen sowieso nichts." Unser Gespräch drehte sich wie unschwer zu erkennen ist, um eine mögliche Adoption eines Stubentigers. (nicht von uns)

Ja - genau! Mit dieser Einstellung von Stur und unbelehrbar wird man auch keinen Erfolg erringen - Man gibt im Vornherein schon gar keine Chance dazu. Nach meiner Äusserung: "Man tut Katzen so unrecht" wurde von der Gegenseite versucht das Thema zu wechseln. Erfolglos - hahaha

Ich kann dir gar nicht sagen wie ungerecht ich es finde, dass man die Intelligenz der Tiere und ihren Willen zu lernen, so herabbuchstabiert. Mit einem Satz einfach gekappt. 

Und obwohl ich wusste, dass meine daraufhin folgenden Schilderungen über Loulou, die ich dann trotzdem noch zum Besten gab, auf keinen fruchtbaren Boden fielen, war es mir wichtig meinem Gegenüber vielleicht doch einen anderen Zugang zum Thema zu geben. Leider erfolglos.

 

Ich hatte leider keine Beweise mehr, denn Loulou und alle andern Katzen, die einst meinen / unseren Weg begleiteten, sind seit langem im Andersland. Schon bei Minouche, ein kleines ca. 7 Wochen junges Katzenmädchen, dass ich im Alter von 8 Jahren in einem Schuhkarton geschenkt bekommen habe, fand ich ganz schnell heraus wie viel so ein Geschöpf lernen kann. Minouche - Die junge Wildkatze, die in den Rebbergen zur Welt gekommen war und ich schon ganz bald meine beste Freundin nannte. Ich liebte sie heiss und innig und ich hielt daran fest, dass es auf Gegenseitigkeit beruhte. Sie war das was mich nach der Schule nach Hause trieb. Sie mein Schatten.

Natürlich hatte sie niemals das Repertoire einer Loulou, die 32 Jahre später hier in diesem Haus wohnte. Doch die Anfänge einer langen Studie im Zusammenleben mit Katzen begann bei dieser kleinen Wildmieze. UNVERGESSLICH!

 

Loulou - die beim Gehen an eine kleine französische Balletteuse erinnerte, beherrschte alle Kommandos, die wir für unsere Hunde benutzen konnten. Sie fragte mich beim Aufstehen: "Und was machen wir heute?" und beim zu Bett gehen: "Was machen wir morgen." Für mich war sie das Lerngierigste Wesen aller Zeiten. Ich sagte allen, sie sei wie ein belgischer Schäferhund...hahaha.

Von *Platz* über *Sitz* bis *gib Laut* - von *liegen* über *spring* bis *bring* um hier nur einige «Ansagen», die von ihr ohne Murren oder Verweigerung ausgeführt wurden, preis zu geben. auch "Rolle" oder *kriech* und *drehen* konnte sie perfekt. Wir machten Hütchenspiele und Bällchen fangen…

Bis auf einmal - als eine Dame für ein Buch, bei dem es um genau dieses Thema gehen sollte, Bilder von Loulou in Aktion schiessen wollte. Ich erkannte meine Kleine Tigerin nicht mehr. Als wären das ganze Training und der Erfolg ein Geheimnis zwischen uns. Sie sass da und blickte uns an, als wäre alles vergessen. Ihr Gesichtchen schien so leer, dass ich meine eigene Katze kaum mehr erkannte. "Heute will ich nur schön sein und dümmlich gucken." hahaha

Die Dame trank eine 2. Tasse Kaffee, ich versuchte es nochmalig, nun etwas nervös --- wer kann es verdenken… doch Loulou…. Hahaha ich erklärte…nun dauert es vielleicht nicht mehr lange und sie streckt und die Zunge raus. Hahaha

Erfolglos verabschiedete ich die lachende Frau kurze Zeit später an der Tür ohne auch nur ein Bild auf ihrer Kamera von unserem Star, der für Fremde keiner sein wollte. "ja - ja, Katzen halt" sagte die Frau als sie die Autotür öffnete, um einzusteigen. Da winkte es wieder ganz leicht, dieses verflixte Klischee und in mir stieg merklich etwas säuerliches hoch. Bis…

Kaum war sie weg und ich schloss die Eingangstüre, war Loulou wieder voll die Alte und im "Was machen wir jetzt?" Modus. "Du bist mir noch eine" sagte ich zu ihr und streichelte sie, dass mit einem tiefen Schnurrton quittiert wurde. Mehr noch, irgendwie hatte ich das Gefühl einen kleinen Schalk in ihrem getigerten Gesichtchen zu erkennen. (schmunzel) Es sei ihr gegönnt...

 

Und wenn du nun denkst es sei eine Hexerei, einem Tierwesen etwas beizubringen, insbesondere einer Katze...

Dann sage ich, lösche erst aus deinem Gedanken, die Barrikade diese Vorurteils, denn es ist ein schlechter Lehrmeister und dann läuft alles über das, wie wir selbst am liebsten lernen.

Loben wenn etwas getan wird, dass gefällt - auch wenn es reinzufällig passiert und garniert mit viel Vertrauen. Unerwünschtes wird ignoriert und gewolltes bestätigt. So einfach und bei Katzen noch einfacher, weil sie mit Streicheln belohnt werden können. Es braucht also nicht zwangsläufig Leckerchen. Die kann man sich für die etwas kniffligeren Aufgaben aufbewahren. Die Highclass Trainings, sozusagen. Und - der Erfolg steckt im täglichen freudigen Tun, sowie in Wiederholungen und der Abwechslung. Zeitintensiv? Ach - ein bisschen weniger TV gucken...etwas weniger stricken oder am Handy sitzen, dann passt das schon. Schliesslich haben es alle tierischen Begleiter verdient, dass sie nicht Accessoire oder Tröster sein sollen, sondern beachtete und geförderte Wesen. 

 

So funktioniert das Lernen...so wie wir auch gerne in der Schule gelernt hätten. 

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