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Wie gedacht?

In einer mit meinem Namen beschrifteten Schachtel, welche in einem Schrank steht, der selten bis gar nie geöffnet wird, fand ich ein auf Kopierpapier bedrucktes Foto meiner damaligen Schulklasse. Es wurde mir vor Jahren mit einer Einladung zur Klassenzusammenkunft zugeschickt. Das, sowie mein Taufbüchlein, eine Karte zu dieser, ein Impfbüchlein ohne Impfvermerk, ein Zeugnis aus meiner Schulzeit, sowie eines meiner Lehrabschlussprüfung, dazu alte schon längst abgelaufene Pässe und Ausweise brachten mich dazu mich hinzusetzen und alles in Ruhe anzugucken. Eigentlich hätte ich nur die Kopie des Familienbüchlein für einen Amtlichen Schriftverkehr gebraucht. Doch diese Dinge aus der Vergangenheit zogen mich in den Bann.

"Schau dir das mal an" ich streckte Schatz einen Pass hin "Weisst du noch?" Er nickte "Woher hast du das?" so seine Frage. "Hier aus dieser Schachtel" antwortete ich "Ich habe dir vor Jahren auch so eine gemacht." kurze Zeit später kramte Schatz in einem Behältnis mit seinem Namen drauf und betrachtete auch seine alte Passfotos und Zeugnisse.

 

Meine Gedanken schweiften in die Vergangenheit. "Es ist doch unglaublich, wenn man das so sieht" sagte ich zu Schatz "hätten wir uns damals gedacht wie unser Leben verläuft?" Schatz war vertieft in seine Papiere, Dokumente und einen Schriftverkehr, von dem er nicht mehr wusste, wann der stattgefunden hatte.

"Schau - da haben wir uns noch gar nicht gekannt und trotzdem lebtest du gar nicht so weit von mir entfernt." ich hielt ihm ein Foto entgegen und musste schmunzeln. Ein einziges Dorf lag zwischen uns, etwas später, nach Schatzes Umzug in der Jugendzeit sogar keines mehr. Dafür immer eine etwas längere Strecke zu Fuss oder ein grosser Umweg per Tram. Heute ist dort alles wunderbar mit einer Buslinie vernetzt. Ich war in meiner Kindheit nie dorthin unterwegs gewesen. Meine Eltern und wir Kinder waren eher Stadtorientiert und die lag in einer anderen Richtung.

Während Schatz einen einzigen Umzug ins Nachbar Dorf erlebte, war ich ein bisschen übertrieben ausgedrückt in der halben Schweiz wohnhaft gewesen. Die Umzüge mit Eltern - und oft abgegeben in der Verwandtschaft und einmal auch bei Fremden, liess mich eine kleine Vagabundin sein. Hahaha

 

Die Fotokopie der Schulklasse mit etwa 12, liess mich lachen. "Schau mal, wie ich ausgesehen habe." Unglaublich alle Namen der damaligen 24 Schüler waren mir immer noch geläufig. Obwohl ich nur 3 Jahre mit einem Teil von ihnen in derselben Klasse verlebte. Ich ging gerne in die Schule, war wissbegierig und alles war besser als zu Hause zu sein. 

Wissbegierig - gerne Lernen - Schule mögen und dann noch nicht lange dabei...dann auch noch pubertär... Oh mein Gott!

Alles Dinge die nicht wirklich gut ankommen bei den Mitschülern. Eine Streberin und dann noch fremd. Doch auch wenn hin und wieder auf dem Schulweg ein paar Tränen über die Wangen liefen und ich beschloss andern Tags nicht mehr in die Schule zu wollen, schlug mich wacker. Und natürlich marschierte ich mit einigen Strategien im Kopf weiterhin dorthin. So hatte ich die Idee mich mit anderen gemobbten zusammen zu tun und gründete den Verein nach dem Motto "Wir halten zusammen und lassen uns nichts mehr gefallen." Er hiess nicht wirklich so, doch das Ziel war genau das. Es funktionierte nach einiger Gegenwehr auch prächtig. 

 

Eines war damals sicher - ich werde später nie heiraten (denn männliche Wesen sind doof) Ich möchte niemals eigene Kinder (Logische Schlussfolgerung nach der Aussage Männer sind doof) Ich werde so bald als möglich Geld verdienen um zu Hause ausziehen (mit was wusste ich nicht und ausziehen wohin - egal...es wird sich schon was finden) und vor allem von den Fesseln meines Elternhauses gelöst werde ich nur noch tun was mir gefällt.

Und dann sah ich an einem Vormittag in der Stadt, unterwegs mit Mama und Oma auf der Einkaufsmeile, eine Frau aus einem weissen Sport Coupé aussteigen. Sie trug einen schwarzen Mantel mit Pelzkragen (war leider damals noch) trug halblanges schwarzes Haar und Lippenstift. Eine schicke Tasche und ihre Ausstrahlung war unter der Kategorie *bestimmt und vornehm* anzusiedeln. Auf schwarzen hohen Stöckelschuhen tippelte sie in eine Parfümerie. Aus dieser strömte ein Duft – mmmmhhhh – für mich der weiten grossen Welt, die ich nur aus Illustrierten oder dem TV kannte.

"Mama - schau so möchte ich werden." Ich werde diesen Moment nie vergessen, obwohl er über 50 Jahre her ist. Auch Mamas und Omas Mienen dazu…sie lächelten irgendwie tröstend, ohne Worte sagten sie mir…das wirst du nie erreichen. Und Mama erklärte «Geld macht nicht glücklicher»

 

Und heute - bin ich seit bald 40 Jahren verheiratet, weil doch nicht alle Männer doof sind – hahaha und ich Schatz über alles Liebe. 

Fahre nicht mehr Auto, weil ich nie gerne gefahren bin... (also kein Sportauto hahaha) Anstatt Pelz, liebe ich Hunde und Katzen. Ich komme in Freizeitklamotten daher und die Stöckelschuhe wurden durch Outdoortreter ausgewechselt. Besuche keine Parfümerie, eher den Biohofladen und tue immer noch was mir gefällt. Denn zufrieden sein ist alles... Egal wie`s kommt mach das Beste draus und mach dich glücklich, so mein Motto. 

 

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