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Ja oder nein?

Manchmal gibt es Situationen im Alltag die echt besser laufen könnten. Mein Knackpunkt, von dem ich spreche, hat mich schon lange auf dem Spaziergang mit Naya eingeschränkt. 

Doch erst zur Erklärung.

Mache ich mit dem Hund hier in der Umgebung eine Runde, so gibt es einen Weg, der vom Quartier aus an einem Haus mit Garten vorbeiführt. Schon immer wohnen dort Hunde. Früher war es ein Labrador und ein kleiner Terrier. Wie süss - wirst du vielleicht sagen. Ja wären sie bestimmt auch gewesen, wenn du nicht an ihrem Grundstück vorbeigehen müsstest und wenn doch, sie wenigstens friedlich wären. 

Doch diese beiden waren regelmässig auf Krawall gebürstet. Perfider Weise kam der kleinere der beiden zwischen der Hecke raus und versuchte unsere Hunde in die Beine zu zwicken, drängelte bis zum Abwinken und der grössere kläffte aggressiv hinter der Hecke. Es war ein Spiessrutenlauf von einigen Metern. Kein Mensch hat sich darum gekümmert. Wir sahen auch nie jemanden. Es war das Haus der Vierbeiner ohne Menschen.

Aramis mein damaliger Rüde - ein friedliches Gemüt - begann schon Bald viele Meter vor dem Grundstück Stress Anzeichen abzusetzen. Schatzes Hund, Harun, stellte sich und wäre bereit gewesen sich dies nicht gefallen zu lassen. Du kannst dir vielleicht vorstellen wie anstrengend das war, die Ruhe zu bewahren und das Ganze im Zaum zu halten. Irgendwann hatte Schatz die Faxen dicke, denn die Abkürzung über die Wiesen war bei schlechtem Wetter oder längerer Regenzeit schlicht eine Schlammige, schmutzige Geschichte. Für den Herrn, wie für seine Begleiter.

Tag X war gekommen, als wir abermals am Zaun kläffend verfolgt wurden und hinter uns der kleine Piranha, seines Zeichens Terrier uns verfolgte. Plötzlich sah ich, wie Schatzes Hand zum Karabiner der Leine ging und er ruhig sagte: "Harun, geh mal Hallo sagen."  

Klack - Leine Los - Harun wie eine Rakete ab, der Terrier hinterher und beide ab durch die Büsche, in den fremden Garten. Mir rutschte beinahe das Herz in die Hose. Obwohl ich wusste, dass Harun absolut kein Beisser war...doch das nicht sehen können was da passiert...keine Kontrolle als Hundeverantwortlicher - Oh mein Gott! – ich hätte das nie gemacht.

Wir hörten es knurren, umherspringen, bellen, heftiges Schnaufen und dann war Ruhe. Schatz rief: "Harun kehren" – Zack, zwängte sich der Langhaar Rüde durch die Hecke, machte ein zufriedenes Gesicht, hechelte jedoch heftig. Schatz drückte mir die Leine des wieder gesicherten Rüden in die Hand. Stand dann auf eine kleine Gartenmauer und guckte ins Innere. "Nichts passiert!" Rief er "die zwei Grossmäuler stehen völlig konsterniert hinter der Hecke und verstehen die Welt nicht mehr"

Ab da konnten wir unbehelligt vorbei - wenn sie uns sahen, verschwanden sie. Hatten wohl keine Lust mehr auf Fellige Besucher. hahaha

Einige Jahre vergingen. Plötzlich war nur noch der eine - dann auch der andere weg. ich nehme an sie springen nun am Zaun des Hundehimmel entlang. 

Doch manchmal gibt es Nachfolger - auch wenn deren Amtsantritt ein paar Jahre dauern. In diesem Falle handelt es sich um ein weibliches Wesen, seines Zeichens deutscher Schäfer. Und als hätten die andern Hunde ihr die Aufgabe weiterverliehen, bellt dieser auf die übelste Weise aggressiv am Zaun. Mehr noch haben die Besitzer die grüne Hecke entfernt. Mehrere Personen haben mir sogar erzählt, dass jene Hündin auch schon beim Gartentor rausgekommen sei und zugebissen hätte. Ob es stimmt, weiss ich nicht, doch das ist auch egal, denn allein das Erzählte macht nicht gerade Mut darauf zu warten, ob es so sein wird...

Auch wenn ich mit Naya viel trainiere...ich mir Lernspiele überlege und vieles wunderprächtig funktioniert, sie möchte mit anderen Hunde nichts zu tun haben. Das haben wir schon ganz Bald gemerkt. Doch als Urururur Enkelin von Harun (dieser Zufall stellte sich einige Wochen nach ihrer Adoption heraus) lässt sie sich auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Oder anders gesagt, sie lässt sich keine Pöbeleien gefallen. Kläfft zurück und dies nicht unbedingt auf Distanz. Zumindest wenn es nach ihr ginge.

Für mich ein Grund mit ihr diesen Weg immer nur so weit abzuspazieren bis in die Nähe dieses Zauns, um dann über die Wiesen zu gehen oder umzukehren. "Wie doof" sagte ich zu Schatz. "Nun habe ich wieder dasselbe Thema wie damals - es sch..... mich an"

Auch bei ihm war wieder genau dieses Haus ein Thema, nur konnte er Naya immer kraftvoll bei sich behalten. Er macht`s mit Mukis und ich muss mir etwas überlegen, wie ich es bewältigen will. Schliesslich ist Naya eine grosse Hündin und ihre 36 Kilo Dampf machen es auch nicht gerade leichter.

Schatz ging hin und wieder ebenfalls eine Abkürzung über den Acker. Natürlich nur bei schönem Wetter – notabene - Und nun - hey Leute! Wir haben Winter. Ich will nicht Schuhe schruppen, von Erdschollen befreien und Hunde Füsse, die aussehen wie in Schmutzstiefel stehend, reinigen. Zudem will ich mir von diesem Hund nicht sagen lassen, dass ich dort nicht vorbei gehen darf. Mich von ihm angegangen - schliesslich ist das ein öffentlicher Weg. Ich trainierte mit Naya, dass sie auf ein Schnalzgeräusch mich angucken und Fuss gehen soll. Ob es im Stresssituationen dann wirklich funktionieren würde, wusste ich nicht.  

Und dann - ja dann nahm ich mir fest vor dort vorbei gehen zu wollen, egal was passieren würde.

Als Naya checkte, wo wir hin marschieren, sah sie mich an "Ist das echt dein Ernst?" Ich wollte unbedingt ruhig bleiben und den Stier (das Problem) bei den Hörnern packen. Naya vermitteln - ich bin ruhig, also hast du nichts zu befürchten. Sicheren Schrittes ging ich weiter. Sie begann am Boden zu schnüffeln. Das war für mich das Zeichen, dass sie einige Meter vor dem besagten Haus schon mit der Beschwichtigung anfing. "Komm" sagte ich ihr nochmalig bestimmt "Ich wollte nicht das sie jetzt solche Zeichen absetzen muss" "Fuss" mein nächstes Kommando - was sie auch befolgte. Den leichten Anstieg hinauf an einer Hecke vorbei und da sah ich Fräulein Schäfer auf dem Rasen mitten im Garten liegen und sofort in einem ungeheuren Tempo auf uns zu rennen. Dann vernahm ich das Aggressive Gebell an meiner rechten Seite - Naya war links von mir, dreht den Kopf nach hinten und machte kurz Wau Wau - dann zupfte ich an der Leine und sagte: "Nein!" Ganz bestimmt. Ich wollte das nicht. Machte das trainierte Schnalzgeräusch und sie - meine Naya, blickte mich an und ging wie ein Lamm brav, ohne den Blick von mir abzuwenden neben mir bis zum Ende des Zauns mit. Unterwegs dorthin fiel mir auf, dass der Schäfer seit dem deszitierten "Nein" ebenfalls das Kläffen gelassen hat. Was für ein Wunder…

Das hatte es noch nie gegeben. Ich hatte die Schäferin noch nie Schnauze haltend erlebt. Meine Freude über unseren Erfolg war so riesig, dass ich etwas entfernt auf der Strasse hüpfte und rief: "Brav Meiti - du meine beste Naya" und sie sprang fröhlich neben mit her mit und schaute mich an, als würde sie lächeln. 

Ach, war das ein schöner Spaziergang - die Sonne schien wie zur Belohnung gerade so lange bis wir zu Hause ankamen und dann regnete es plötzlich wie aus Kübeln in Strömen.

 

Und nun - nun gehen wir öfters dort vorbei. Festigen das Ganze trainierte und lassen uns durch nichts mehr abhalten. Wo kämen wir denn da hin..., wenn wir uns durch solche Dinge einschränken liessen. Also packen wir es weiterhin an. 

 

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