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Spiegelbild

Ich habe mal ein Baby, das ganz frisch das Gehen entdeckt hat, vor einem Spiegel beobachtet. Nach einer kurzen Weile der eigenen Begutachtung, begann es munter drauf los zubabbeln. So als hätte es schon unzähliges in seinem Leben erlebt. Oder imitiert es unter Umständen vielleicht Mama am Telefon? Es wurde in seinem Monolog mit dem Spiegelbild immer heftiger. Zum Ende hin, klopfte es mit seinen Patschhändchen sogar dagegen.

Hast Du schon einmal ein Kind im Kindergarten Alter vor dem Spiegel beobachtet. Ich zumindest habe keines gesehen, dass nicht unzählige Grimassen zum Besten zog. Oft auch über sich selbst lachen musste. Herrlich - so ein heimlicher Beobachter dieser und anderer Kindlicher Aktivitäten zu sein.

Ein plötzlicher Wandel vollzieht sich bei einem Jugendlichen vor dem Spiegel. Da geht es plötzlich darum sich über Pickel zu ärgern, behauptet nicht schön und optimal zu sein. Spricht vom Wunsch einer kleineren Nase, längeren Haaren oder grösseren Augen....Ein schmaleres Gesicht, schöner geschwungenen Lippen oder üppigeren Wimpern. Was soll`s es… es ist hoffentlich eine Phase.

Bei Erwachsenen verhält es sich oft auch so...das ist dann, wenn die Phase länger dauert. hahaha

In seltenen Fällen, kann auch berichtet werden: "umso älter umso eher arrangiert man sich hoffentlich mit seinem Aussehen".

Doch eher steht heute der Trend:" Onkel Doc wird es schon richten. Für viel Moneten wird was nicht passt, passend gemacht - zum geglaubten Optimum versteht sich. Leider meist unter Realitätsverlust. Ob es glücklicher macht? Das sei dahingestellt und ob man mit straffem Gesicht und dicken Lippen noch lachen kann…hahaha

 

Etwas Älter - Bei manchen bekommen die ersten Falten mehr Gewicht als alles andere im Gesicht oder am Körper.

Irgendwie komisch. Fotos von alten Frauen mit weissem Haar werden als wunderschön eingestuft. Als starke Frauen mit viel Kraft und Durchsetzungsvermögen, welche zu sich steht. Doch nur bei anderen, nie bei sich selbst. Da steht ganz schnell auf einem andern Blatt und die Katastrophe vor der Tür. In der Hand eine Tube Farbe und H2O2 mit Pinsel um an mischen. Das Alt in das sogenannte Jugendliche umzuwandeln.

Der Widerspruch nimmt kein Ende…Ein alter Indianer wird für sein zerfurchtes Gesicht, von Wind und Wetter gegerbt, als interessant angesehen. "Schau - was für eine Lebenserfahrung aus seinem Gesicht spricht. Doch wäre genau dieses das eigene Antlitz ... Oh weh! Da muss Botox oder Lifting her, doch vor allem eine gute Kosmetikern.

 

So behaupte ich hier und heute, dass jeder irgendwann mit seinem Spiegelbild auf Kriegsfuss steht oder stand. Beim einen kürzer, beim anderen länger und bei einigen Lebenslang.  

Warum können wir uns nicht annehmen, wie wir sind?  Warum will der Mensch sich immer anders haben als er geboren? Warum versteht er es nicht zu schätzen, dass jeder eine Einzelanfertigung ist und wertvoll.

Weshalb ich im heutigen Blogeintrag auf diese Frage kam, diese Gedanken gesponnen habe? Vorweg entdeckte ich das Gedicht von -Friedrich Hebel- 

"Wenn ein Mensch in den Spiegel sieht,

glättet er jedes Mal sein Gesicht und such ihm den freundlichsten Ausdruck zu geben.

Möchte er sich doch erinnern, dass alle Menschen, denen er auf der Strasse begegnet,

in Bezug auf ihn Spiegel sind."

 

 

Nehmen wir uns so an wie wir sind, denn es ist meiner Meinung nach nicht allein die Hülle, sondern vielmehr der Inhalt, der zählt, das Handeln und auch die Augen, die sprechen. Strahlend vor selbst Wert sollten sie sein. Nämlich dann, weil man mit sich zufrieden ist. 

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