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La Luna

Schon als kleines Mädchen war ich nach dem Märchen vom *Mann im Mond" fasziniert. Fortan glaubte ich, dass ich nie allein sein werde. Denn Gott und der Mann im Mond, dem bestimmt langweilig sei, so allein da oben und dann immer Montag, auf mich aufpassen würden. Dann hörte ich mit etwa 3 Jahren das Lied von Gus Backus *Der Mann im Mond* in unserem alten Radio im Wohnzimmer. Hüpfte freudig dazu und klatsche im Takt dazu. Ich konnte bald den ganzen Text auswendig. Zum Leidwesen meiner Mama, der bestimmt vor lauter Wiederholungen meiner Sangeskünste die Ohren schmerzten.

Als junge Frau wurde ich auf meinem Heimweg, nachts nach dem Tanzvergnügen, beim Warten auf das letzte Tram von ihm oft beschienen. Ich liebte das Licht und liebe es immer noch...dann, wenn es klar, doch noch mehr, wenn die Wolken ihn mystisch umspielen. So als wären sie eine Partnerschaft miteinander eingegangen. Stieg ich bei meinem Wohnort aus, war er wieder da... Irgendwie hatte ich nie Angst - obwohl die Strecke von der Tramhaltestelle Menschenleer, zuerst an einem Hochhaus, Wohnblocks mit dunklen Eingängen und dann durch ein Industriegebiet vorbeiführte. An einer alten Ziegelei mit einer Meterlangen Mauer und Einfahrtstoren und einer Kaffeerösterei vorbei. In meiner kleinen Dachwohnung zog ich meine Stöckelschuhe aus und setzte mich meist mit einem Glas Wasser in die winzige Küche und blickte durch das Dachfenster in den dunklen Himmel. Während ich meine Füsse massierte liess ich den Abend im Geiste revuepassieren und blickte, wenn er da war, zum Mond.

Später - ich war schon seit 4 Jahren mit Schatz verheiratet, hörte ich das Lied von Hoija de la Luna. Eine Spanische Sage bekam das Kleid in Form eines Liedes geschenkt und dieses trat eine Reise in viele Länder an. Bald fand ich heraus, dass es die Gruppe Mecano zum Besten gab und seither ist das meine Lieblingsband aus Spanien. Irgendwann erklärte mir eine spanische Arbeitskollegin den Text. Die vertonte Sage handelt davon, dass eine Zigeunerin Luna (die weibliche Form des Mondes) eine ganze Nacht lang anflehte ihr einen Mann zu schenken. Schliesslich wurde ihr Wunsch erfüllt und sie sollte einen dunkelhäutigen Zigeuner zum Mann bekommen. Luna verlangte jedoch eine Gegenleistung in dem sie das erstgeborene verlangte. Das Kind kam zur Welt und war nicht dunkelhäutig, sondern seine Haut war hell wie das Fell eines Hermelins. Dazu die Augen grau. Eben ein Kind des Mondes. Der Mann glaubte an Zauberei oder Ehebruch und erstach seine Frau. Das Kind brachte er auf einen Berg und liess es dort liegen. Das Kind blieb dort und lebte weiter. In den Vollmondnächten ging es ihm gut, wenn es weinte, nahm Luna ab, um dem Kind eine Wiege zu sein. Im Refrain des Liedes wird Luna angeklagt: "Luna, du willst Mutter sein aber findest keine Liebe, die dich zur Frau macht. Sag mir, silberner Mond, was willst du mit einem Kind aus Haut und Knochen?" ich weise es nicht von der Hand, dass die Geschichte makaber ist… doch zeigt der tiefere Sinn der Geschichte wohl, zu was Menschen im Stande sind um nicht allein sein zu bleiben. Was generell Menschen eingehen, um zu dem zu kommen, was sie erreichen wollen.

Ich mag es, dass in anderen Ländern der Mond in weiblicher Form angesprochen wird. Frankreich - la lune, Italien & Spanien Luna. Und so macht das einstig gehörte Märchen vom *Mann im Mond * die Geschichte etwas runder, denn am Ende hat in meiner Version Frau Mond einen etwas eigensinnigen und starrköpfigen Mann. Ok - ob es das Beste ist - doch zumindest ist sie nicht allein. hahaha

 

Auch ich nicht, wenn ich seit vielen Jahren immer wieder nachts aufwache und von der Schlaflosigkeit in den Klauen gehalten werde. Da gucke ich zum Fenster hinaus, wie früher nach dem Tanzabend und suche den Mond. Verfolge die Dramatik der Himmelszenerie oder zähle Sterne. Stelle mir vor welchen Stern ich Schatz schenken würde und er (Der Mond oder la Luna) guckt auf mich runter, als wolle er/sie sagen: "Bald ist Morgen und dann lege ich mich schlafen." und du bist erlöst vom Gedanken die Nacht, um die Ohren schlagen zu müssen. Heute Morgen nach einer durchschlafenen Nacht, als ich die Läden öffnete lachte er mir zum Abschied zu...dies, bevor er hinter dem Berg verschwand. So als wolle er sagen, morgen selber Ort, selbe Stelle nur etwas schlanker. (er/ sie - leider nicht ich - hahaha). Ich holte rasch das Handy und knipste eine Mondfrau, mit ihrem Mondmann umhüllt kamerascheu in einem Kleid aus Wolken. So als hätten sie sich für einen Tanzball fein gemacht. hahaha

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