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Chalet Rustique 2

Der Reisetag brach an. Anders als wenn wir in die Bretagne fahren, mussten wir diesmal nicht so früh losfahren. Keine 11 Stunden - sondern nur 2,5 Stunden lagen vor uns. Mit einem Zwischenhalt, den Schatz andeutete, vielleicht 3 Stunden. Die Stimmung war anders als sonst, die Ungewissheit was uns erwarten würde, knabberte heimlich an der Urlaubsfreude. 

"Bin gespannt was uns erwartet" sagte ich zu Schatz als ich in das bepackte Auto stieg. Dann stieg meine Sorge hoch, ob wir mit den Decken, Bettanzügen, Frotteewäsche, Kleider für eine Woche von Schnee bis Sommer, Hundefutter, Wasserflaschen und mehrere Taschen mit Lebensmitteln, das was uns Erwartete bewältigen können. "Sonst fahren wir halt mit dem ganzen Krempel wieder nach Hause." brummelte ich vor mich her, während das Autoradio dudelte.

Schatz legte seine Hand auf mein Bein: "Ach, Schätzeli - wir werden einen Hammer Urlaub erleben. Weil ich uns das so sehr wünsche und wir das verdient haben." Ich sah ihn etwas zweifelnd an. Wo war meine Positiver Abendteuer Geist geblieben? Lasse ich mir von einigen Fotos und den Interpretationen derer, meinen Urlaub vermiesen. Nein! "Du hast recht- Schatz...das wünsche ich uns auch" Und so fuhren wir der welschen Schweiz entgegen.

 

Im Freiburgischen mussten wir Mädels dann das, was Mädels (Ich und Naya) auf Reisen anscheinend mehr müssen als Jungs. Ein Zwischenhalt an einer schönen Raststätte gegenüber eines See wurde angesteuert. Naya machte ihre Pipirunde und bekam ihr Futter. Anschliessend an den Besuch der notwenigen Örtlichkeit genehmigten Schatz und ich uns einen Apfel, ein Brötchen und Käse dazu. Sie Stimmung wurde immer ausgelassener. Vielleicht lag es an dem Bergsteiger Mittagessen, das nun insgeheim wirklich etwas Ferienfeeling aufkommen liess. Vielleicht war es auch die aufkommende Distanz zu der gewohnten vier Wänden. Wer weiss.

 

Etwas über eine Stunde später kurvten wir unter strahlend blauen Himmel eine Serpentine hoch. Um uns herum saftige Wiesen mit Alpenblumen, Wälder mit hohen Tannen und hin und wieder ein kleines Dorf oder Chalet in der typischen Holzbauweise der Region. Die Namen der kleinen Siedlungen und die Strassenschilder wurden Französisch geschrieben. So, gab auch das Radio in dieser Sprache mit Chansons sein Bestes. Ein Grund, obwohl ich diese Sprache nicht wirklich perfekt spreche, mein Herz aufgehen zu lassen. "Wir sind mindestens 1 Stunde zu früh..." informierte ich Schatz. "Wir schauen, vielleicht ist schon jemand da...sonst machen wir mit Naya einen Spaziergang." antwortet er. "C`est pas problèm" lachte er.

 

"So wie es auf dem Navi aussieht sind wir in wenigen Kurven am Ziel." Auch ich sah das bekannte Fähnlein auf dem Display und spürte wie mein Herz etwas schneller schlug. "E Voila" sagte Schatz "das muss es sein." Wir fuhren auf ein Chalet in Dunkelbraun mit roten Fensterläden zu. Es lag etwas zurückgesetzt in einer Kurve. Davor - dort wo auf dem Foto ein Schutthaufen lag, stand ein Auto auf einem Parkplatz. "Das sieht ja ganz anders aus, als auf dem Foto...Hübsch" Meine Stimme klang erstaunt und freudig zugleich. "Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?" Schatz nickte und brachte unser Auto neben dem anderen zu stehen.

Wenig später kam uns ein Mann entgegen. Ich rief ihm zu: "Bonjour Monsieur - Es tut uns leid, wir sind zu früh." Er schien mich nicht zu verstehen. In den nächsten Minuten entstand eine Unterhaltung aus einem Mischmasch aus Deutsch, Schweizerdeutsch und Französisch. Was soll ich sagen, wir verstanden uns bestens. hihihi

Er erklärte er sei noch nicht ganz fertig. Er müsse noch die Putzutensilien versorgen und im Reduit was richten. Doch vorerst wolle er uns das Haus zeigen. Es stellte sich heraus, dass er genau so nervös war, wie wir, weil wir seine ersten Gäste seien. Dass er das Chalet vor einem Monat in einem eher...sagen wir mal ... in die Jahre gekommenen Zustand gekauft hätte und nun während Corona die Zeit genutzt hätte so oft als möglich Gästetauglich herzurichten.

Er stotterte in seiner Erzählung und nestelte nervös mit dem Schlüssel herum. Genau in solchen Momenten steigt in mir die Beschützerin hoch und ich möchte dem Gegenüber das Gefühl von *ALLES IST GUT* geben. Und so kam es auch. "Wir sind nicht kompliziert und es wird uns bestimmt gefallen." sprudelte es aus mir heraus.

Im Nachhinein denke ich, es war schon sehr gewagt. Standen wir immer noch draussen und ich hatte ja das eventuelle Loch unter dem Kicker Kasten, die Einzelbetten, die umgebaut werden mussten und das Plumpsklo noch nicht gesehen... hahaha

"Können wir uns umsehen?" fragte ich etwas reserviert. Dies, nachdem wir nun immer noch Draussen standen und nach einer längeren Pause im Redefluss nichts mehr ging. "Entschuldigung - Natürlich" entgegnete der Mann. "Kommen sie - doch wie gesagt, es gibt noch einige Dinge zu tun." Bei diesem Satz setzte wir uns in Bewegung und mein Bauch macht ganz komische, bekannte Negativgefühle. 

Er öffnete die Türe...und wir standen in einer Küche. Die von den Bildern bekannte Festbankgarnitur war unübersehbar. Mein Blick fiel linksseitig auf einen Felsen, der aus der Wand in den Raum ragte. "Guck mal" sagte ich zu Schatz. Der Mann bewegte sich sofort zu einer Tür, öffnete diese und erklärte "Genau wegen diesem Felsen müssen sie immer diesen Entfeuchter laufen lassen und ganz wichtig den Behälter immer wieder entleeren." Wir nickten. Mein Bauchgefühl meldete sich wieder misstrauisch. Feucht! nicht gut! 

Dann guckte ich nochmalig nach Links. Sofort machte der Mann wieder einige Schritte in die Küche und erklärte erneut. "Dieses Chemine dürfen sie keinesfalls betätigen. Also nicht befeuern. Das Abzug ist defekt." 

Was wird da sonst noch kommen...? so meine für mich gestellte Frage.

"Dafür hat es eine Heizung hier und auch in den oberen Räumen. Doch, bevor wir nach Oben gehen, zeige ich ihnen noch die Dusche und ein Reduit mit Waschmaschine und Trockner. Ausserdem alles was man an Putzmittel, WC-Papier, Handtücher usw. sonst noch so braucht. 

Er zeigte uns diese beiden kleinen Räume voller Stolz. "Sie sind noch nicht lange fertig gestellt worden." Das sah man auch. Gefliest in Fels farbenen Kacheln sah es wirklich hübsch aus. 

Hinter mir ging eine Art moderne Hühnerleiter nach Oben. "Achtung auf ihren Kopf und dass sie nicht fallen. Für den Ausstieg können sie sich hier halten."

Oh mein Gott, dachte ich, Naya können wir doch nicht ständig über dieses steile Ding nach Oben führen. Der Mann schien meine Gedanken lesen zu können. "Also wenn sie den Ausstieg mittels Bodenplatte verschliessen, können sie über diesen Balkon mit dem Hund rein, oder über den Balkon im Schlafzimmer." Ich freute mich über diese Lösung. Mehr noch, als ich die weiteren Räumlichkeiten sah. Es gab 2 Nischen mit je einem Einzelbett (wie auf dem Foto) und ein grosses freundliches Schlafzimmer mit einem Doppelbett aus einem schwedischen Möbelhaus. Sowie der besagte Kicker Kasten der uns vom schmunzelnden Vermieter gezeigt wurde. Darunter der weisse Teppich, ohne Loch im Boden. sondern als Antirutsch Unterlage während des Spiels. hahaha

Rings um den Schlafraum führte ein Balkon, ganz im Stil des Chalet. Dort hatte es Klappstühle, wo man sich unter dem tiefherabfallenden Dach verweilen konnte. Auch bei Regen. Pssst! Und wenn Schatz seine Zigarren Pause einmal pro Tag unter dem Geräusch des Wildbaches und den Blick in den Tannenwald abhielt.

"Wie süss - sogar rote Geranien, in der Farbe der Fensterläden" sagte ich zu Schatz und ich begann mich langsam heimisch zu fühlen. 

"Ach - bevor ich es vergesse. Im Schlafzimmer..." der Mann führte uns wieder hinein. "Hier der wurde ganz neu angeschafft" Er streichelte einen hohen Pellet Ofen als sei es ein geliebtes Tier. Daraufhin zeigte er uns nervös auf einer Fernbedienung herumdrückend, wie er funktioniert und wo er befüllt werden musste. Erwähnte jedoch, dass er noch gar nie befeuert wurde, wir seien die ersten.

Besagte Feuerstelle konnten wir allerdings nur Tagsüber kurzzeitig nutzen. Er war mit seiner Leistung viel zu gross für den Raum und machte zu viel Lärm. Macht nichts Decken und die Heizkörper erledigten ihren Dienst.

"Ah ja" sagte er "und hier ist noch ein..." er schien sich entschuldigend anzuhören "hier ist das WC" er öffnete eine Türe und ein in vollständig roten Wänden winziger Raum erschloss sich uns. die Armaturen alt...doch zu benutzen war es allemal. "auch das wird noch verändert" sagte er die Schultern hochziehend.

 

Alsbald verabschiedete sich der Mann. Jedoch nicht ohne einen Handynummer Austausch, für den Fall der Fälle. Er fragte auch wirklich im Laufe der Woche nach, ob alles in Ordnung sei. 

Was soll ich sagen...

Es wurden wunderschöne Ferien. Wir erholten uns in dieser einen Woche so gut als wären wir 3 davon im Urlaub gewesen. Machten Wanderungen, besuchten eine Brocante (Brockenstube) in der nächsten Stadt, um fehlendes für die Küche zu kaufen. Kochten auf einem Herd, bei dem wir jeweils eine zweite gegenüber liegende Wärmeplatte anmachen mussten, damit auch etwas Heisses auf den Tisch kam. Backten selbstgemachtes im Ofen. Sortierten das Geschirr im Schrank, dass aus den 60igern schien und danach schrie gewaschen zu werden. Sassen abends mit Kissen und Bettdecke im Rücken, auf dem Bett, weil tatsächlich kein Sofa oder Sessel vorhanden war...und... schauten jeweils einen Film pro Mal über W-Lan. Eines das sich immer wieder verabschiedete, um dann plötzlich wieder zu funktionieren. hahaha

Verbrachten jedoch viel Zeit im Wald und dem Wildbach hinter dem Haus, beim Spielen mit dem Hund, auf Spaziergängen z.B. in der Nähe an einem See, wo wir nach dem Rundgang uns ein Getränk im Garten eines Restaurant genehmigten. Einmal machten wir einem Ausflug mit dem Auto auf einen Pass zu Italien und kauften anschliessend Bergkäse und Würste in einem kleinen Hofladen. Das Wetter war uns hold. 1 Regentag...ansonsten Sonne die am Nachmittag zwischen den hohen Tannen auf den hinteren alten Holzbalkon schien. Dort wo wir lasen, oder eine Art Tagebuch das mit Klebestift …einer alten Illustrierten und geschriebenem kreierten wurde. Es gab dort Tee und Biskuits mit guten Gesprächen.

Abends, nach Einbruch der Dunkelheit, dann wenn Naya unter dem Kicker Kasten in ihrer Hundehöhle schlief (hahaha) hörten wir einen Siebenschläfer, der sich zwischen dem Gebälk einen Winterort zu suchen schien. Tagsüber konnten wir Eichhörnchen beobachten, wie sie von Ast zu Ast sprangen. Alles mit den Geräuschen die Berge, Hohe Tannen, Bergbach und Kuhweiden so hergeben. 

Am Ende liessen wir die gekauften Küchenutensilien als Danke ans Haus dort, erklärten jedoch dem Besitzer, dass ein Sofa wirklich fehlen würde. Und er erzählte, er hätte mit seiner Frau schon darüber geredet... es würde auch seiner Meinung nach fehlen und bei unserem nächsten Besuch würde eines im Schlafzimmer stehen. So auch eine neue Küche, er hätte schon beim Kauf des Hauses gesehen, dass es an der Zeit sei die Alte zu ersetzen.

 

Vor ein paar Tagen schaute ich im Internet nach der Adresse des Chalet mit den roten Fensterläden. Vielleicht hätten wir wieder einmal buchen wollen. Auf den Bildern winkte der Kicker Kasten. Er stand nun in der einen Nische wo einst ein Einzelbett gestanden. Natürlich auf dem weissen Teppich. hahaha Im Schlafzimmer hatte es nun zwei kleinere Sofas mit Clubtisch und einen kleinen Schrank für die Kleider. Eine total neue Küche, doch der Herd derselbe. Hahaha

Das WC nicht mehr in Rot, sondern mit Holz ausgekleidet, mit neuem Lavabo und Toilette. Auf dem Balkon bequeme Stühle. Anstelle der Festbankgarnitur steht nun ein neuer Tisch in wunderschöner Holzoptik und neue stylische Stühle in der Küche. Auf der Holzbank liegen hübsche Kissen. Ein wenig Deko hier und da... es erstrahlt alles noch viel heimeliger und gemütlicher. 

Und dann - dann...sah ich den Preis... 

Was soll`s, unser Urlaub war so schön..., dass wir dafür Dankbar sind und ein Nichtwiedersehen nicht schmerzlich ist. Denn manchmal sind gewisse Dinge nur für einmal im Leben reserviert. Können so im Herzen für immer bewahrt werden und brauchen kein Da Capo. 

Einfach nur, weil man es nicht könnte... doch man die Notwendigkeit unter diesen Umständen nicht mehr sieht. 

 

Stürzen wir uns bei der nächsten Buchung an einem andern Ort in ein neues Abendteuer. (Ohne Stornierung???) hahaha

 

Normalerweise schreibe ich am Wochenende keinen Eintrag...doch, ich fand die Fortsetzung nun angebracht.

Wünsche dir einen schönen Samstag und Sonntag. 

 

 

 

 

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