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Chalet Rustique

Wir sassen im Garten bei einer Tasse Tee. Schatz: "Lass uns verreisen" Ich war etwas baff, denn mit solch einer Aussage hätte ich nie gerechnet. Unser Kalender zeigte an, dass wir schon Bald 3 Wochen Ferien geniessen können. Doch auf Grund der Corona Lage hätte ich nie an einen Urlaub gedacht. In meinem Sinn wären wir wie schon das letzte Mal, zu Hause geblieben. 

Schatz: "Ich muss mal etwas raus. Arbeit - zu Hause - Arbeit - zu Hause...und mal ehrlich, wenn wir hierbleiben, dann arbeiten wir wieder im Garten, renovieren irgendwas oder machen die üblichen Spaziergänge mit dem Hund. Alles so wie immer..."

Ich musste schmunzeln, denn genauso ging es uns in der letzten Zeit in den Ferien. 

Wir hatten schon länger keinen auswärtigen Urlaub mehr geniessen können.

Doch im Moment brauchte ich noch etwas Zeit mich mit dieser Idee von Schatz anzufreunden. Er redete weiter, von einem 1-wöchigen Urlaub in der Schweiz, dass wir uns mit Lebensmitteln eindecken, damit wir nicht ständig einkaufen gehen müssen. Vor allem sollte es weit ab vom Schuss liegen. Eine Alphütte soll es sein. 

 

Oh mein Gott - meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. "Es ist Herbst - wenn wir Pech haben, liegt bei DEINER Alphütte schon Schnee" Schatz hörte sehr wohl meinen leicht gereizten Ton und meine Äusserung "ich habe Drinnen noch was zu tun" unterstrich das Ganze. 

Seit mehreren Jahren taucht immer wieder der Wunsch nach einem Urlaub in einer Alphütte auf. Bei IHM Notabene. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er ohne W-Lan oder TV, oder zumindest einem Radio eine Woche seine positive Laune behält. Und wenn wir dann das Pech hätten und es würde eine Woche lang Regnen oder gar Schneien, ohne Ablenkung...zu zweit in einer Hütte mit nassem Hund...

Ach! meine Gedanken kreisten. Auch wenn wir uns in extremen Situationen auch gut verstehen, wollte ich einfach im Urlaub nichts herausfordern. Und wenn es mir plötzlich nicht gut geht... und und und... ich merkte ich werden älter. Ich brauche mehr Sicherheiten. (und ich stehe dazu)

 

Nach etwa 15 Minuten ging ich wieder nach Draussen. Schatz räumte gerade die Sitzkissen und den Zigarren Aschenbecher weg. Beim vorbei gehen drückte er mir sein Handy in die Hand und sagte: "Schau dir das mal an"

Zu sehen bekam ich ein dunkelbraunes Holz Haus mit roten Fensterläden...die übrigen Bilder tippte ich nur kurz an und der Text "Chalet Rustique und mit einer weitere Bezeichnung, die ich nicht kannte. Ok - es geht ins Welschland und der Preis wäre ok. Sogar mit Rabatt, weil es eine Erstbelegung sei. 

"Wenn du davon überzeugt bist, dann buche - ich komme mit, wenn es mir jedoch nicht gefallen sollte, fahre ich nach Hause." sagte ich sehr überzeugend zu Schatz. "Ok - gebucht" erwiderte er strahlend.

 

Abends im Wohnzimmer - Ich: "Könntest du mir bitte den Link zu dem Chalet geben? Ich möchte mir das nochmal ganz genau anschauen". Unterdessen hatte sich der Besitzer auf Französisch herzlich für die Buchung bedankt.

Ich wollte unbedingt wissen was das zweite Wort auf Deutsch bedeutet. Ich rief laut "HIRTENLEBEN" heisst das. Schatz strahlte, das ist doch gut! Ok - wenn er meint.

Ich blätterte auf dem Display die Fotos hin und her. "Hey - Ich sehe auf den Bildern nirgends eine Ansicht eines Klo`s" Die Anbieter fotografieren doch sonst immer alles..."Warum ist hier kein Klo zu sehen" ich sah, wie Schatz mit den Schultern zuckte. Ich rief abermals ich in die Küche "Hei - und auch keine Dusche?" Ich war wirklich irritiert. Ich erlebte in der Kindheit schon mal Urlaub, bei dem wir uns am Kuhbrunnen mit eiskaltem Wasser waschen, keinen Strom zur Verfügung stand, sondern mit Holz, Petrollampen und Kerzen der Alltag bewältigt werden musste. Für die Notdurft stand ein kleines Häuschen mit Herzchen in die Türe geschnitzt. Das Hüttchen ausgestattet mit einem Brett mit Loch, wo man in eine stinkende Tiefe blickte. Wir haben 14 Tage überlebt, doch musste ich das nun wirklich als *alte Frau* nochmal haben? (jetzt muss ich lachen)

Ich schaute mir die Bilder nun ganz genau an und las den Text noch genauer. "Schaa aaaatz - ich glaube es hat Plumpsklo - hahaha" Ich musste wirklich herzhaft lachen. Schatz mag keine WC`s in dieser Form - hahaha! "Und waschen müssen wir uns wahrscheinlich Hirtenmässig am Wildbach, der beim Haus vorbeifliesst." Die Gedanken daran liessen bunte Bilder erscheinen, die mich zum Lachen brachten.  "Ach nein, Entwarnung" rief ich Schatz weiter zu, der in der Küche am Hantieren war. "In der sogenannten Küche - also dort wo du das Haus betrittst, ist ein Spülbecken zu sehen. Dafür steht dort als Sitzgelegenheit eine massive Holzbank und eine Festbankgarnitur" Schatz kam ins Wohnzimmer: "Das reicht doch für eine Küche" ich nickte "es ist die einzige Sitzgelegenheit in diesem Haus - zumindest den Bildern zu Folge." In jedem Schlafraum entdeckte ich nur Einzelbetten. "Ok - wir sind ja Meister in Betten rücken" lachte ich "weisst du noch auf der Alp vor vielen Jahren, da hatten wir die Stockbetten auch ausgehebelt und ein Doppelbett gemacht." Ja wir hatten schon mal Ferien auf der Alp vor unzählig vielen Jahren. Schön war`s, so schön, dass wir 3-mal in Folge buchten. Doch wir waren auch viel jünger.

 

Hier nun – auf diesen Fotos, sah das dunkle Chalet inmitten von hohen Tannen auch sehr hübsch aus… Wenn da nicht ein Schutthaufen vor und neben dem Sitzplatz vor dem Haus zu sehen gewesen wäre. Ich glaube der Titel des Inserates hatte Schatz für den Rest blind gemacht. Egal!

Am nächsten Tag erhielten wir vom Chalet Rustique Besitzer die Aufforderung das Datum anzugeben, wann wir genau anreisen. Am Tag 4 erhielten wir dieselbe Aufforderung nochmalig, obwohl wir dies nun schon 2-mal gemachte hatten. Das erste Mal bei der Anmeldung, mit Zahlung.

Dann drudelte an Tag 7 nach der Anmeldung eine Nachricht in unseren Mailkasten, wo zu lesen stand: «Wir freuen uns sie als Erstbezüger in unserem bescheidenen Haus begrüssen zu können. Leider ist das Chalet nicht in allen Belangen auf dem neuesten Stand. Deswegen unterbreiten wir unseren Gästen den Vorschlag, sollten sie Freude daran haben handwerklich tätig sein zu wollen, so wären wir nicht abgeneigt ihnen pro Arbeitshalbtag als Abgeltung eine Übernachtung gut zu schreiben. Sollten sie diese Angebot eingehen, so müssen sie uns erst ein Foto vom jetzigen Zustand per Mail zusenden, die evt. Materialkosten, dazu einen Plan der Renovationsidee und am Ende ein Foto des Fertiggestellten.»

 

Ich rief Schatz verzweifelt an der Arbeitsstelle an. Erklärte was ich in Französisch gelesen. "Hast du es richtig verstanden?" versuchte er die Situation zu fassen. "Na klar - ich habe sogar den Übersetzer benutzt, also so täuschen kann sich dieses Programm nicht." Ich flehte Schatz an: "Versuche es zu stornieren, es macht mir nun so ein schlechtes Gefühl und willst du in den Ferien an einem fremden Ort für jemand fremden arbeiten?" Er willigte ein, denn wie er erklärte, kam das auch bei ihm nun sehr kurios rüber. "Was würden wir dort antreffen?" ich war total aus dem Häuschen. 

Kurze Zeit später erklärte mir Schatz bei einem Rückruf, dass eine Stornierung unmöglich sei. Wir würden den vollen Betrag verlieren und um nichts mehr davon zurückzubekommen, war das nicht gerade wenig. Heimlich verfluchte ich die Chalet Idee...war kurzzeitig mit der Welt im Krieg und vor allem mit dem Chalet Besitzer. (Gedanklich) Das war doch rein taktisch nach der Bezahlung angelegt, die Karten des Zustandes des Hauses in einem Mail darzulegen. Eine Falle, um Geld zu verdienen. Das unterstellte ich ihm. Na, warte wenn ich den sehe…

Im Laufe der nächsten paar wenigen Wochen erzählte ich (natürlich) allen Freundinnen und noch ein paar andern, von unserer Buchung. Auch meinen Entschluss stand nun fester als Beton, mit Schatz dorthin fahren zu wollen. Schliesslich hätten wir bezahlt und wir hatten schon so viel Schlimmes zusammen gemeistert, da würde ein Chalet und vor allem sein Besitzer uns nicht resignieren sehen.

Als mir eines Morgens meine liebe Freundin auf dem Hundespaziergang begegnete und sie fragte: "Wann fahrt ihr jetzt?" und ich ihr erzählte, dass auf dem einen Foto ein Kicker Kasten zu sehen sei, der auf einem weissen Teppich stand und das so gar nicht in das Bild der sonstigen Räumlichkeiten passte. Denn nirgends sonst ein Teppich in dem Haus läge... meinte sie "Dort drunter ist vielleicht ein Loch, ein maroder Boden, der so versteckt wurde." Lachte ich erst in einem Verzweiflungsgedanken, antwortete dann «Wer weiss...?" und dann merkte ich, dass ich nun aufhören musste den Teufel an die Wand zu malen, denn es machte mich und mein Umfeld mit Fantasien konfus. "Wir werden sehen - auf jeden Fall fahren wir und wenn es ganz schlimm ist, kommen wir wieder nach Hause. Und buchen es unter ERFAHRUNG ab. Ich werde dir berichten was unter dem Teppich ist." so verabschiedeten wir uns lachend. 

 

Und dann kam Tag X - die Abfahrt... 

 

Übrigens – Einen Tag vor der Reise wollte sich der Besitzer nochmalig vergewissern, ob wir nun kämen. Mein Bauchgefühl machte, das nicht besser … Fortsetzung folgt … 

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