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Kinder, Kinder

Vor kurzem las ich folgendes:

"Millionen Kinder wollen die Welt sauber machen.

Millionen Eltern würden sich freuen,

wenn sie mit ihren Zimmern anfangen würden."

 

Da kommt mir die eigene Kindheit in den Sinn. Damals, als Mama sich Wettrennen im Aufräumen einfallen liess. Das gefiel mir - obwohl ich sonst eher nicht gerne an Spielen teilnahm.

Das Treffen im Flur galt als Startpunkt. "Mal sehen wer am schnellsten ist" sagte sie. Auch sie war aktiv mit von der Partie, denn während wir jedes das Kinderzimmer in Ordnung bringen sollten, machte sie das Elternschlafzimmer klar. Fair wie sie war, hat sie sich allerdings nie als Gewinnerin hingestellt. Das fällt mir jedoch erst jetzt auf. Hahaha Nach einem Pfeifton ging es los. Bald schon rief mein Bruder: "Fertiiiiiig!" er stand im Flur und erwartete uns. Sein Kopf rot wie eine Tomate und völlig ausser Atem. "oh nein" sagte ich enttäuscht als ich durch seinen Ausruf auch im Flur erschien. Es ärgerte mich, denn ich konnte schlecht verlieren. Doch meistens riss ich mich zusammen, denn der *Gegner* sollte es mir nicht anmerken. Den doppelten Triumph wollte ich ihm keinesfalls gönnen. 

"Warte - Warte" sagte Mama als sie aus dem Schlafzimmer kam. "Erst die Kontrolle bestätigt, ob er wirklich gewonnen hat." 

Mit Schritten als sei sie ein Storch - so kam es mir zumindest vor, ging sie in das Zimmer und begutachtete jede Ecke. "Jaaaaaa - Jaaaaaa das sieht wirklich gut aus." meinte sie. Der Blick meines Bruders war kaum zum Aushalten. Er sah sich schon als Gewinner der Gewinner. Plötzlich machte Mama eine leichte Kniebeugung und zupfte am Bettüberwurf. Zog ihn damit hoch und beugte sich dann blitzschnell nach unten. "Aaaah Haaaa!" Damit bis du aus dem Rennen. 

Mein Bruder schrie: "Das ist ungerecht - ich habe gewonnen, das Zimmer ist aufgeräumt" dann holte er tief Luft und schrie weiter "Von unter dem Bett hast du nichts gesagt." 

Ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen, postwendend bekam ich von ihm einen bösen Blick zugeworfen. "Und jetzt" fragte ich wie eine Oberschlaumeierin. 

"Nun beginnen wir von neuem" beschwichtigte Mama die Situation "schliesslich muss er alles unter dem Bett hervorräumen und du bist ja anscheinend noch nicht fertig. Also Achtung fertig los!"  Und bevor irgendwer einen Pieps loslassen konnte Pfiff sie wieder zum Start. Es dauerte ein wenig...

ich hörte zwischendrin, wie mein Bruder ächzte. Hahaha, es schien nicht so leicht zu sein den ganzen Kram unter dem Bett hervorzuholen. Da stand ja meinem Sieg nichts mehr im Weg. "Feeeeertiiiiiig" rief ich in den Flur. Unter Protest erschien mein Bruder. Sein Kopf leuchtete unterdessen wie eine rote Ampel. Ok - meiner wahrscheinlich auch. War nicht einfach, so unter Tempo und im Gewinnfieber aufzuräumen. Mama ging wieder in dem vorher erwähnten Storchenschritt in mein Zimmer. "mmmhhh - mmmmhhh..." machte sie und das klang sehr wohlwollend. Und dann - neeeeeeeeiiiiiiiin...schrie es in mir...praktisch im Zeitlupentempo öffnete sie den Schrank. Und als wäre es in einem Slapstick, purzelte das eine oder andere, das was ich vorher so eilig reingeschmissen hatte, heraus. "hi hi hi" Mein Bruder hüpfte wie ein Ball umher. "Verloren - verloren" 

"Also in dem Fall würde ich sagen" erklärte meine Mama in einem Oberlehrerinnen Ton "Ich würde sagen - mmmmhhh - für heute und das erste Mal, hat niemand gewonnen. Wir nehmen es als einen Probelauf."  Ab da wurden noch strengere Spielregeln besprochen, welche in den folgenden Durchläufen eingehalten werden mussten. Gut so - nur so kann es echte Gewinner, faire Gewinner geben. Ach - ganz vergessen…zu gewinnen gab es meist ein Lutscher. Der Trostpreis für den Verlierer war ein kleines Bonbon. Das gefiel uns so.

Und dann war da noch die Frage: "Mama, warum hast du gewusst wo wir unsere Sachen versteckt hatten?" 

 

Dann blitzten ihre braunen Augen und sie sagte: "Ich war auch mal Kind"

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