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Passend gemacht

Das Leben ist voller Möglichkeiten, man muss sie nur greifen. Wir machen mit der heutigen Erzählung einen Schritt zurück zu unserem Silvesterabend. Schatz kam erst kurz vor 20:00h von der Arbeit nach Hause. Viel zu tun hätten sie gehabt. So wirkte er auch, mehr noch... Das Wissen, dass er am nächsten Morgen um 5:15h wieder aufstehen musste, um eine halbe Stunde später mit dem Auto loszufahren, dies, um pünktlich nach Arbeitsplan im Geschäft anzukommen, liess mich schon beinahe gähnen. "Gott sei Dank gibt es Menschen, die über die Feiertage arbeiten" das höre ich immer wieder im Umfeld, doch wenn man selbst Betroffene eines Menschen ist, der genau solch einer Arbeit nachgeht, na...dann gibt es schon Momente, in denen man sich manche Dinge gut reden muss.

Ich schob also die marinierten Hähnchenschenkel inmitten von Ofengemüse und Rosmarin Kartoffeln liegend nach seiner Ankunft in den Ofen. Dieses Menu bereite ich immer wieder mal zu, es ist lecker, man hat nicht viel Arbeit und nach ca. 40 Minuten kann serviert werden. Eine kalte sahnige Kräuter Soße, die ich sonst nie mache, soll das ganze nun doch etwas feierlicher wirken lassen. Zeit genug sich an den Tisch zu setzten und unsere üblichen Wünsche an das 2022 auf kleine Zettelchen zu schreiben. Das machen wir seit Jahren so... Kaum waren wir fertig und hatten uns noch ein wenig über Schatzes Arbeit ausgetauscht, klingelte der Ofen - Fertig!

Im TV lief die gewohnte Silvesterparty mit viel Musik. "Vielleicht fordere ich dich später noch zu einem Tänzchen auf." sagte ich in ein Biskuit beißend und lächelnd zu Schatz. Er saß in sich gesunken im Sofa. "Oh je - so müde?" er schaute nur ohne etwas zu sagen. "Wir müssen ja nicht bis 12 durchhalten, schließlich kommt das neue Jahr auch so."   Er nickte und brummelte: "Ach - geht schon." Einige Zeit später sah ich wie ihm die Augen immer wieder zu fielen. Kein Wunder... "Was hältst du davon, wenn wir wie geplant nun Draussen unseren kleinen Ofen anmachen und unser jährliches Ritual durchführen." Er rappelte sich etwas hoch: "Ist schon bald Zwölf?" Nein - natürlich war es das nicht. Es war etwas nach 22.00h "Schatz - das spielt doch keine Rolle...Oder meinst du das neue Jahr nimmt es uns übel." lächelte ich.

"Okey - ich fache das Feuer an und du könntest die Aperol bereit machen, wenn du magst. Die Zettelchen dürfen wir nicht vergessen." 

Gesagt - getan... nach einiger Zeit, als das Feuerchen brannte standen wir in dicken Jacken und einem Aperol Glas in Hand Draußen vor dem Ofen. "Das mit diesem Getränk ist doch eine gute Idee" sagte ich strahlend zu Schatz "Er nickte und sah nun etwas frischer aus als noch vor kurzem. Lag wohl an der Kälte.

Die Zettelchen wurden dem Feuer übergeben und flackerten kurz auf, um sich in Asche umzuwandeln. Der Rauch zog durch den hohen Kamin in die Dunkelheit. "Hey - ich habe eine Idee" sagte ich zu Schatz, nahm mein Handy aus der Jackentasche öffnete die Zeitangabe. "Da gibt es doch die Möglichkeit..." brummelte ich vor mich her.  

Es gibt tatsächlich die Möglichkeit Städte auf der Welt einzugeben, um zu sehen, wie spät es dort ist. Was für ein Glück, es feiern nicht alle zur selben Zeit den Jahreswechsel, bei manchen war er schon vorbei als wir da Draußen standen. Anderen steht er erst Stunden später bevor. Ich musste doch nur die passende Stadt finden.

Ich tippte und tippte... "Was machst du" fragte Schatz immer noch mein Aperol Glas haltend. "ich suche nach der passenden Region, die nun schon bald Neujahr feiert.  Da musst du mehr in Richtung... "Bingo" rief ich. In 2 Minuten feiert Tel Aviv und wir. Und als der Glockenschlag unserer Kirchturmuhr im Ort 23:00 fertig geschlagen hatte erschien 00:00 neben dem Schriftzug Tel Aviv auf meinem Display. Wir schauten uns an, stießen mit dem Orangefarbenen Drink an, gaben uns einen Kuss, wünschten und gegenseitig ein gutes, gesundes und harmonisches 2022 und blickten glücklich zu Naya. Es war die Lösung der Lösungen gewesen.

Um 24:00h unserer Zeit, ging ich Schlaftrunken zum Fenster im Flur...Schatz und Hund schliefen tief und fest. Ich wurde nach kurzem Schlaf wach, weil irgendwo ein starker Knall losgegangen war. Erst wusste ich gar nicht was passiert. Dann am Fenster, als ich sah, wie der Nachbar seinen obligaten Zuckerstock abbrennen ließ und damit alles hell erleuchtete, wurde mir klar... nun war das neue Jahr auch bei uns angekommen.

 

Ich schleppte mich ins warme Bett zurück und kurze Zeit später war ich wieder in den tiefsten Träumen. In denen es für einige Zeit knallte, zischte und pfiff.  Was für einem schönen Jahreswechsel und welch gute Erfindung, dass die Welt nicht überall gleich tickt, obwohl es um dasselbe geht. (schmunzel) DANKE - TEL AVIV. 

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