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Weihnachtsmenu

Vielleicht geht es dir auch so?

Umso näher die Feiertage, desto mehr kommen Erinnerungen aus der Kindheit hoch.

So zumindest bei mir. Vor allem wenn es um den Heiligen Abend geht.

Ich liebte die Vorfreude auf das Christkind und das Traditionelle, dass von meinen Eltern, seit ich denken konnte ins Leben gerufen worden war. Dabei spreche ich nicht von den Geschenken. Diese fielen bei uns nicht so üppig aus. 

Die Grosseltern in der Ferne, mit der Verwandtschaft keinen Kontakt, keine Freunde und dazu ein sehr geringes Haushaltsbudget liessen die Füsse der Christbaumhalterung sehr gut erkennen. Macht nichts - für mich war Weihnachten, das Klingeln des Engels, den man immer verpasste und Würstchen mit Kartoffelsalat. Heissgeliebt...und ohne sie wäre es kein Feiertag gewesen. Obwohl... doch dazu später.

 

Vor einigen Wochen inspiriert von genau diesem einfachen Weihnachtsmenu wollte ich von meinen Freunden aus den soz. Netzwerken folgendes wissen:

"Darf ich dich fragen...

"Was hat es in deiner Kindheit zu Weihnachten für ein Menu gegeben."

Es folgten nach wenigen Minuten schon die ersten Wortmeldungen.

Freund W. einst in der Schweiz zu Hause nun in Spanien:

- "Kartoffelstock mit Rosenkohl und Ragout. Als Dessert selbstgemachten Apfelmus. Mag ich heute noch nur ohne Kohl." 

Freundin M.:

- "Selbst geschabte Knöpfli. Eine Schüssel ohne, eine mit Schabziger. Dazu Braten. Opa hat für Oma extra einen Tritt gebaut, damit sie über die hohe Pfanne, mittels eines Holzbretts und Teigschaber die Knöpfli machen konnte.

Freundin J.: 

- "Bei uns gab es immer Kartoffelstock und Wienerli" (Würstchen wie bei uns)

Freundin K.: postete:

- "Schweinsfilet im Speckmantel mit Cognac Rahmsauce, Gemüse und Reis."

Freundin A.:

- "Pavo en asado und vorher einen Tisch voller Tapas. (Spanisch auch lecker)

Freundin R.:

- Gefüllte Kalbsbrust. War immer Mega nur die Nerven meiner Mutter nicht.

Dann antwortete auch meine Nichte:

Der Klassiker - Fondue Chinoise mit selbst gemachten Saucen.

und zu Guter Letzt noch Freundin A.:

- "Söibrägel" ich sendete ihr einige Fragezeichen und erhielt die Erklärung:

"Eine Art Gulasch mit altem Brot, Schweinefleisch, Zwiebeln, dazu gekochte Lederapfelschnitze.

 

Nun bekomme ich doch tatsächlich Appetit auf...ach, einmal alles Bitte. lach!

Ich fand es toll so viele Wortmeldungen zu erhalten. Bei einer Anzahl von 20 Freunden, für mich eine zufriedenstellende Auswahl.

 

Doch zurück in die Tage meiner Kinderheit – oder nun eher Teenageralter…

Bei uns veränderte sich mit dem Tag als mein Bruder in einem renommierten Restaurant die Ausbildung zum Koch antrat auch unser Weihnachten. Er voll im Fieber der Kochkreativität und des Ausprobierens wollte das Festtagsmenu zubereiten. so angemeldet wurde es auch durchgeführt. Ich erinnere mich, dass Würsten und Kartoffelsalat, Crevetten mit Tartar Sauce, einem Braten mit Pommes Duchesse und Mischgemüse weichen mussten. Auch wenn das ein bekanntes Menu vieler Restaurant und Weihnachts- & Hochzeitsessen war, mit der Dekoration übertraf er sich allemal. Doch das Dessert toppte alles. Über eine Woche stand er jeden Abend in Mamas kleiner Küche und brachte jedes Mal eine neue Schicht eines englischen Kuchens an. Stell dir vor – 7 Tage lang. Das Ding war unglaublich schwer und gehaltvoll. Auch mit Alkohol. Er war voll in seinem Element und ich liebte ihn einmal mehr...,weil ich das sowieso tat, er jedoch nun auch noch solche Leckereien herstellen konnte. 

 

Nochmals zurück zu den Wortmeldungen. Du erinnerst dich gelesen zu haben..."War immer Mega, nur die Nerven meiner Mutter nicht."

Dazu konnte ich vermerken: " Dann hätten man sie mit meinem Vater zusammentun sollen. Da hätte der Weihnachtsbaum gebrannt." 

hahaha

Was ich nun hier mit einem Lachen schreiben kann, wäre filmreif gewesen. Vielleicht unter dem Titel "Szenen einer Familie" 

Vater schob den Weihnachtsblues und hatte keinen Nerv, Mama bis vor knapp auswärts am Arbeiten, kleine 10 Jahre jüngere Schwester am Drängeln: "Wann kann ich mein Geschenk auspacken?" Mein Bruder im Stress, weil er einmal mehr nicht als Versager dastehen wollte. Uns allen etwas das er zu einem günstigeren Preis mit seinem bescheidenen Lohn in der Ausbildungsküche erstehen konnte, kredenzen. Und ich - ich verhielt mich einfach ruhig und deckte den Tisch. Denn jedes Wort hätte der Zünder zum Knall sein können. So viel zur Besinnlichen Zeit – hahaha

 

Die Texte unserer einzelnen Familien Mitglieder sitzen noch heute in meinem Kopf. Wie ich im Gespräch mit Freunden erfahren konnte, ging oder geht es in vielen Familien so ab, wie es bei uns war. Damals dachte ich, wir seien die einzigen. 

Und weisst du über was ich am meisten froh war...

Nein - Papa hat sich nicht geändert, meine Schwester viele Jahre auch nicht hahaha... macht nichts...sie sind, oder waren, wie sie sind...

Ich war so dankbar, dass mein Bruder bei all dem Stress nie seine Aussage wahr gemacht hat. Zumindest nicht so lange bis er selbst eine Familie hatte...

In jedem Jahr prophezeite er: "Das war das letzte Mal, nächstes Jahr kann ein anderer Trottel am Herd stehen."

Doch im nächsten Jahr war er der erste der sich mit einer Menu Idee meldete und sie auch allein durchführen wollte. Ich bin so dankbar was ich durch ihn alles an leckeren Lebensmitteln und Zubereitungsarten kennenlernen durfte. Froh für ihn, dass es immer auch so gelungen ist, was er sich vorgenommen hatte. Damit denke ich auch gerne zurück.

Und trotz all dem...

In diesem Jahr wird es bei uns... Freunde, Schatz und mir (alle Covid getestet)

Nein - keine Würstchen und Kartoffelsalat serviert... obwohl? ... Nein - eine Kürbissuppe mit selbstgemachtem Bauernbrot im Römertopf soll es werden.

 

Die Ruhe liegt in der Einfachheit und über die alten Geschichten kann ich nur lachen... Auf das sie nie mehr wiederkehren und trotzdem ihre Berechtigung haben. hahaha 

 

 

 

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