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Verwickelt

Nach dem ich im Sommer Schachtelweise Dinge an eine Tierschutz Organisation, welche damit an Flohmärkten auftritt, abgegeben habe, musste die Wolle und Reste davon daran glauben.

Eine Freundin erzählte, dass sie Kontakt zum Kindergarten hätte und die gerne Wollspenden entgegennehmen. Natürlich nur nach Absprache. Ich sortierte aus und packte also alles zusammen und grad als ich so dabei war, überlegte ich: "Mmmmhhhh! Wann beginnt heut zutage am Morgen die Kindergartenstunde? Ich hatte keine Ahnung.

"Bei uns war es damals vor unendlich vielen Jahren, von 9 - 11h. "

 Rasch eine Whatsapp an eine andere Freundin, jene die fast alles weiss: "Hey - kannst du mir sagen…" die Antwort kam prompt. Von 8-9 können die Kleinen eintrudeln. Es ist unglaublich schrie es in meinen Gedanken... Gleitende Arbeitszeit beginnt schon mit so kurzen Beinen. hahaha

Wie sollten sie denn lernen sich an eine bestimmte Zeit zu halten? 

Das ist doch eine berechtigte Frage... oder nicht? Ohne dass ich in den Pool vom unangenehmen Mitmenschen und Kritiker der Kindergarten Philosophie gesteckt werden möchte. 

Egal - ich machte mich kurzerhand mit einer prallgefüllten grossen Tasche schweren Herzens auf den Weg. Es war rutschig, der Schnee der letzten Nacht angefroren, weil es gegen Morgen leicht zu regnen begonnen hatte. Ich musste beim Gehen aufpassen. "Wenn ich falle, dann auf mein dickes Wollpaket." Dachte ich schmunzelnd.

 

Ja, ja... meine Wolle. Für mein Leben gern habe ich gestrickt und gehäkelt. Nun ist es vorbei. Meine rechte Schulter reagiert selbst bei einer kurzen Arbeit von 10 Minuten mit Schmerzen, die sich dann nicht so Bald wieder verabschieden. Der Arm ist schuld daran. Was solls es war nicht zu ändern.

Nein - ich verdrückte trotz des schweren Gedankens des Wolligen Abschiedes kein Tränchen. "Es wird sich was anderes finden und wenn die kleinen Menschen im Kindergarten das Material gebrauchen können, dann ist alles gut." 

 

Angekommen - kaum war ich eingetreten konnte ich nur grad noch eine Frau erkennen, die auf mich zukam und einige kleine Kinder, die beim Spielen einzeln an Tischchen sassen, dann schob sich der gewohnte feuchte Schleier über meine Brille. "Guten Tag - ich sehe sie leider kaum...ob mit oder ohne Brille, doch ich bringe ihnen Wolle zum Basteln." Die Frau reagierte, auch mit obligater Maske vor dem Gesicht (Pandemie Regel) ohne mir ihren Namen zu nennen, nahm sie die Tasche entgegen "Oh - wir bekommen Wolle" sprach sie in diesem Singsang einer echten Kindergärtnerin, "das ist ja toll."

Ich erklärte ihr, dass im Vorfeld alles Telefonisch besprochen worden ist. "Das ist wirklich super" sagte sie nach einem Blick in die Tasche. 

Unterdessen kamen weitere Kinder, manche mit ihren Müttern. Meine Brille zeigte nun nicht mehr alles in einem beschlagenen Romantik Modus.

"Ja wissen sie - wir lassen die Kinder Wollknäuel wickeln, um die Motorik zu fördern. oder wir…" Sie erklärte mir weitere Dinge, die sie mit meiner Wolle tun würden. Ich machte ein verständnisvolles Gesicht, auch wenn der Abschied dieser Tasche nun endgültig war.

"Das ist toll" sagte ich, ohne dabei das Geschehen hinter ihr zu beobachten. Es war zu interessant. Bei 1 oder 2 Kindern sass Mama mit dabei. Ich kombinierte, dass diese Mütter nicht sofort wieder gingen, denn sie hatten die Jacken und Mäntel ausgezogen. 

"Das geht mich nichts an" sagte ich mir.

Auf dem Nachhauseweg kamen mir noch vereinzelnd Kindergärtner entgegen. Von der Turmuhr hatte es jedoch schon 9 geschlagen..."Eine sehr gleitende Präsents Zeit" hahaha

Ja, ja... auch das ist nicht mehr, wie es mal war. Obwohl ich mir als Jung geschworen hatte, dass ich im Alter diesen Satz nie sagen werde. In meinem Kopf schwirrt er schon immer wieder mal umher. So auch an diesem Morgen.

"Bei uns, damals..." auch das wollte ich niemals sagen...Schwamm drüber, ich kann nicht anders als zu vergleichen.

Bei uns damals gab es eine fixe Zeit. Genaue Angabe wann wir vor dem Kindergarten anzutreffen sein sollten. Niemand traute sich zu spät zu kommen. Wir mussten uns in 2er Reihen aufstellen, dann wurde durchgezählt. Drinnen - die Schuhe aus und die Finken an. Keine Mama war anwesend. Nicht mal für die, welche schreckliche Sehnsucht nach zu Hause hatten und weinten. "Es hört dann schon auf - es muss das Lernen" wurde fein pädagogisch erklärt.

Gemeinschaftlich wurde gespielt, gesungen und getanzt - Geschichten zugehört und Frage Spielchen und andere Geistige Tätigkeiten gemacht. Auf Bretter gehämmert, gebaut, an einer Sprossenwand geklettert und gehangen. Mit andern Kindern und Puppen Familie gespielt. Oder draussen auf dem Platz herumgetobt.

Um 11 war nach dem Aufräumen Schluss - Finken aus, Schuhe und Jacke an und mit der Ermahnung auf dem Nachhauseweg nicht zu trödeln nach draussen geschickt. Denn um 14h - 16h ging dasselbe Programm von vorne los.

An diesem Morgen, in diesen 5-7 Minuten als Erwachsene im Kindergarten habe ich so einiges gesehen, dass mich ins Vergleichen gebracht hatte.  Irgendwie war damals alles anders...Ob besser oder schlechter das sei, dahin gestellt. Doch vielleicht erklärt es mir so einiges das ich im Alltag mit Kindern erlebe. 

Am Ende steht für mich - Meine Wolle wird sinnvoll genutzt. Adieu...liebe Knäuel... ein neues Kapitel wird aufgeschlagen.  

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