· 

Vive la...

Habe ich dir schon einmal die Geschichte dieses Schildes erzählt?

Nein?

Sie begann im Jahr 2017. Ich sass an einem Adventssonntag vor dem Fernseher. Dort schaute ich mir einen Bericht über Paris und seine Deutschen Zuwanderer an. Es war interessant aus was für Beweggründen Menschen irgendwo stranden und dort ihr Glück suchen.

So auch Stephan - er war vor einigen Jahren in diese wunderbare Stadt, wie er sie nannte gekommen und erzählte weiter: "So grossartig die Stadt auch ist und so gerne ich dort auch wohne, es ist nicht so einfach wie ich es einst gedacht."

Die Wohnungen klein und teuer, die Lebenskosten hoch, die Behördengänge mühsam und der Arbeitsmarkt gibt kaum was her. So hätte er beschlossen sein Hobby zum Beruf zu machen und habe einen kleinen Stand auf einem Trödelmarkt gemietet. Das Kamerateam machte einen Schwenker und man bekam kleine aneinander gereihte Hütten zu sehen. Nachts seien sie mit Rollläden und durch einen mehr oder minder aktiven Schutzdienst geschützt.

Schwenker zurück, Stephan war wieder im Bild. die Miete der Hütte sei nicht grad günstig, deswegen würden sich manche auch ein kleines Häuschen zu zweit oder dritt teilen.

Er sei stolzer allein Besitzer, dafür müsse er jedoch auch noch andere Stellen annehmen. Was er sonst noch macht ist mir entfallen. Doch sicher weiss ich, dass er an vielen Tagen der Woche ab 11:00h dort anzutreffen sei. Seine Spezialitäten seien skurrile, antike und Retroartikel.

Ich verfolgte Stephan und die Kameraeinstellungen ganz genau, denn bei einem Bild hatte ich im Hintergrund ein französisches Schild gesehen, wie sie an den Rathäusern (Mairie) vorzufinden sind. Meist mit Fahnen beflaggt. 

Oooohhhh! Das würde mit gefallen, das würde sich auch wirklich gut bei uns an einer Wand machen. Unterdessen verabschiedete sich das TV-Team von Stephan, wünschten ihm viel Glück und machten sich auf zum nächsten Schicksal in Paris. 

Stephan ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Oder sollte ich sagen das Schild. lach... Ich erkundigte mich nach den Flohmärkten „Marché aux Puces“ dieser Stadt. Natürlich über Internet. Dieser war relativ anhand von Fotos rasch gefunden. Im Internet fand ich auch die Sendung zum nochmaligen Anschauen. Was für ein Glück, denn so konnte ich Stephans Nachname nochmalig eingeblendet, auf meinem Zettel notieren.

Diesen Namen im Internet eingegeben, führte mich zu einer Adresse mit e-mail. 

Rasch setzte ich ein Schreiben auf "Das muss klappen" davon war ich überzeugt. An den Preis, den Stephan fordern würde dachte ich vorerst gar nicht. Es dauerte keine Stunde und eine Antwort landete in meinem Mailkasten.

Ok – das hat man nun davon - der Preis haute mich fast um. Und du kennst ja die Begründungen der Händler. Einzigartig - nie gesehen - ganz speziell und so grandios. Mmmmhhh ich versuchte einen etwas tieferen Preis auszuhandeln. Er machte Anstalten in 5 Euro Schritten. Zu Guter Letzt war die Zahl immer noch genügend, doch ich dachte an Weihnachten, dass der arme Stephan 2 Jobs haben muss, um sein Glück in Paris aufrecht erhalten zu können, ausserdem das Hüttchen auf dem Flohmarkt ohne Heizung und die Präsents Zeit soooo lang... Kurzum - ich schwatzte mir den Preis schön und ging diese Zahlung ein.

Nächster Schritt - wie komme ich zu dem Wunschding?

Stephan erklärte mir, dass auf die Französische Post kein Verlass sei. Es seien schon Dinge verschwunden, die er versandt hatte.

Ausserdem wenn man mir den Zoll auf den Preis draufschlägt, was anzunehmen sei, dann sei ich wieder gleich weit wie vor dem Feilschen. Recht hatte er - doch extra nach Paris reisen, um diesen Artikel abzuholen. liegt nicht drin und ist auch nicht billiger.

Vielleicht dacht er plötzlich auch an Weihnachten, denn sein Schreibton wurde sanfter. Vielleicht lag es auch an dem Sprichwort: "der Spatz in der Hand..." na, du weisst schon. «Weniger Kohle wärmt besser als keine Kohle» Egal - er schlug mir vor, da er am Weihnachtsabend zu seinem Freund in die Schweiz, genaugenommen nach Bern reisen würde. Das sei, die Möglichkeit einen Übergabeort vereinbaren zu könnten. Ich jubelte... was für ein großartiges Angebot.

Ich bedankte mich schon im Voraus und bat um weitere Info.

Die kam auch 2 Tage später. Ich hatte schon wie auf Nadel gesessen, hatte Bedenken, dass er sich nicht mehr melden würde. Doch siehe da, er gab mir seine WhatsApp Nummer und erklärte darüber, dass er am 24.12.17 gegen Mitternacht auf Peron ??? im Hauptbahnhof einen kurzen TGV Halt hätte. Dort könnten wir über das Fenster die Übergabe vollziehen. Ich merkte - er hatte sich alles schon ganz genau überlegt. Aus der Sicht eines Mannes mit Auto und wo möglich einer Begleitperson.

Doch meinen Heiligen Abend hatte ich mir anders vorgestellt. Zumal man eine Frau mitten in der Nacht nicht mehr auf eine über 40-minütige Winterreise per Bus, Bahn und zu Fuss schicken sollte.

Ich glaube er hat es sich auch nochmal überlegt. Denn als ich jemanden organisieren wollte, der mit mir, anstatt unter dem Weihnachtsbaum sitzend, in die Stadt auf den Bahnhof fahren will (gibt es wahrscheinlich nicht) textete er nochmalig: "Hei Angel - ich fahre früher zu meinem Freund und gebe es in Bern bei der Post auf - die Portokosten erlasse ich dir als Weihnachtsgeschenk" 

Also wäre Stephan anwesend gewesen, ich hätte ihn ganz festgedrückt. Auch wenn er vielleicht mittlerweile die Schnauze von der Schweizerin und dem Schild hatte. Lach! 

Am 15. Dezember 2017 um 11:00 klingelte der Postbote und drückte mir mein Paket aus Paris (Sorry) Bern in die Hand.

 

Eine Weihnachtskarte beiliegend entdeckte ich beim Entblättern der vielen Kartonschichten. In dem Moment und als eine total Frankreich Angefressene, wenn ich es mal so salopp sagen darf, war für mich die Welt in Ordnung. Und die Geschichte des Metallschildes mit Holzhintergrund, wo man Fähnchen reinstecken kann (was ich später auch mit unseren Bretonenfähnchen gemacht habe), ist und bleibt unvergesslich. So wie der Auswanderer Stephan - auch wenn wir uns nie im Leben sehen werden. Oder doch? Man weiss nie…

Kommentar schreiben

Kommentare: 0