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Wolf

"Nun ist es offiziell" erklärte Schatz von seinen online Nachrichten gefesselt "es war ein junger Wolf" 

Ich wusste sofort um was es sich handelt.

So hatten wir vor etwa 14 Tagen einen Bekannten getroffen, der grad dabei war, seinen Schafzaun zu stecken. Ein Gespräch führte zu der Neuigkeit, dass in der Gegend, etwa 10 Minuten mit dem Auto von uns, 6 oder 7 Geissen gerissen worden wären. Kurz zuvor hatte ich einen Film von einer Luchs Sichtung nah von unserem Zuhause erhalten. Es war zu schön die Mutter mit einem Jungen zu sehen. Ich finde Luchse faszinierend - so wie alle Katzenartigen Tiere.

"War es der Luchs" fragte ich den Bekannten. Er verneinte und erklärte, das Täterbild sei nicht korrekt für einen Luchs. der würde nämlich *nur* ein Tier töten, um dann davon einige Tage davon zu leben. Ein Reh zum Beispiel reicht eine Woche.

Wölfe seien da ganz anders. Sie kämen in eine Art Rausch und würden mehrere Tiere reissen, dann auch liegen lassen. Ganz anders als der Luchs, er bringt seine Beute, wenn immer möglich, in Sicherheit. 

"und was heisst das nun" fragte ich Schatz "wird er geschossen" Ich merkte schon wie sich mir der Hals zusammenzog. "Nein" meinte Schatz "die Bauern müssen nun ihre Tiere besser sichern. Der Wolf steht unter Schutz."

Ich machte vor Erleichterung einen tiefen Atemzug und hoffte inständig das dies auch so bleiben würde.

 

Ich erinnere mich gut. Als ich als Kleinkind, vielleicht 4 / 5 Jahre jung, oft bei meiner Patentante in der Ostschweiz wohnte. Ihr Haus, auf einer Anhöhe stehend mit einer gewundenen Auffahrt an grüner Wiese und Obstbäumen entlang, sowie der hübsche Garten neben dem Haus, erinnern mich bis heute an Frau Holles zu Hause. So muss es im Märchenland der Gebrüder Grimm ausgesehen haben.

Mehr noch, als Tante mir mahnend erklärte, dass ich überall im Garten spielen dürfe, jedoch nicht ausserhalb, denn dort würde der Wolf im nahegelegenen Wald wohnen. Der sei nicht generell böse, doch man wisse nicht so genau was er mit kleinen Mädchen anstellen würde.

Von da an glaubte ich, dass hinter dem Haus, nicht nur der Wolf umhertrieb, sondern auch die sieben Geisslein oder die kleinen Schweinchen wohnen würden. 

Ich gebe zu, meinen Aufenthalt, der oft mehrere Wochen dauerte, war für mich generell märchenhaft. Von ihm habe ich schon mal erzählt.

Doch nun beim Schreiben verstehe ich auch, warum ich zu dieser *Erkenntnis des Märchen* gelangt bin. Nicht nur der Wolf ist schuld daran - Ich sollte eher sagen *Der Märchen* oder dem Frau Holleanwesen...nein - Tante gab mir auf jede Frage eine Antwort, wusste alte Rezepte bei Bauchschmerzen und Tees für schöne Träume. Weise wie eine Zauberin war sie für mich, wusste für alles einen Rat. Hatte ihren Hund Ador einen Rottweiler bestens ausgebildet. Wie ein Schatten war er nicht nur mein Beschützer. Doch da, wo ich war, war auch Ador. Manchmal kam er mir wie ein verzauberter Junge vor und ich sprach genauso mit ihm. Ich glaubte auch, dass er alles verstanden hatte.

 

Morgens brachte Onkel, bevor er zur Arbeit ging einen Kaffee für Tante und für mich eine heisse Schokolade ans Bett. Wie märchenhaft ist das denn bitte?

Mehr noch besass Onkel riesige Kaninchen wie bei Alice im Wunderland. Im geräumigen lichtdurchflutenden Flur lebte Oben an der Treppe ein Papagei und unten ein Äffchen wie der kleine Onkel von Pipi Langstrumpf.

Im Garten wuchsen riesige Tomaten. Ich habe seither keine solchen mehr zu Gesicht bekommen. Bestimmt hatte Tante sie verzaubert.

Auf dem Fenstersims eines unteren Zimmers im Haus, lagen immer wie von Zauberhand leckere Fruchtgummis. Wer sie dorthin gelegt hatte fand ich erst viel später, nach gefühlten 100 stibitzten Süssigkeiten heraus.

Und zu guter Letzt waren ihre 4 Töchter alle schon im heiratsfähigen Alter, jede von ihnen auf Bräutigam Schau. Und so erinnerte das Ganze damals ein bisschen nach der Suche nach dem richtigen Prinzen, dies x4. 

 

Ach, ich könnte viel erzählen über diese Wochen bei Tante, Onkel und ihren 4 Töchtern...von Hund, Kaninchen, Affe und Papagei. Doch hier endet die Geschichte für heute und vielleicht kehrt sie eines Tages wieder, in Zeilen Form in diesem Blog. Vielleicht sogar mit dem gängigen Satz, der jedes Kind kennt – ES WAR EINMAL - schmunzel

 

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