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Sternenhimmel

Ich erinnere mich als ich klein war, schauten wir, mein Bruder und ich im Advent besonders oft in den Nachthimmel.

Mama hatte erklärt, dass die 3 auffallende Sterne die Weihnachtszeit ankündigen, und irgendwann würde einer erscheinen, der wäre noch grösser, heller und blinkender als alle andern. Das sei der Weihnachtsstern von Betlehem. Die Geschichte über Maria und Josef, über ihre Flucht vor dem herrschenden Kindermörder und die Geburt des Jesuskind im Stall, wo es von den 3 Königen mittels Sterne aufgefunden wurde, kurbelte meine Fantasie ganz schön an.

Was wäre, wenn ich mich den Sternen folgend ebenfalls auf den Weg machen würde. Um auch solch ein Kindlein zu finden, weit weg vom Elternhaus. Ein Kind, dass die Welt...meine Welt besser machen würde. So wie es die Erwachsenen und die Nonne in der Schule erzählten. Doch ich so ganz allein? Schliesslich waren die Könige zu Dritt. Ausserdem mit Pferd und Geschenk. Ich traute mich dann doch nicht.

Doch glaubte ich daran, dass wenn ein Lichtkörper besonders intensiv blinkte, würde es eine Art zuzwinkern, so nach dem Motto "Alles wird gut" bedeuten. Das musste als Trost reichen. Solche und andere Gedanken schwirrten in meinem Kopf, während mein Bruder und ich, auf dem Bett stehend die Nase an der Scheibe plattdrückten. Wir schauten gebannt ins Dunkel, gegenüber die 2 Schlösser welche nicht nur in den Winterabenden beleuchtet auf ihren Hügel thronten. Jene die bei Schneefall weitere Geschichten lieferten, weil sie so märchenhaft aussahen.

Anders als im Sommer. Dann wirkten sie, wenn nachts aus der Ferne über Lautsprecher vom Umfeld derselben Historischen Gebäude "Jedermaaaaaannn" und Pferdegetrampel zu vernehmen war, irgendwie gruslig. 

 

Der Nachthimmel hielt seine Faszination. Auch als wir umzogen in eine ganz andere Ecke der Schweiz. Dorthin, wo man am Horizont nachts das Leuchten der nahen Stadt sehen konnte. Er sich nicht mehr ganz so dunkel präsentieren, weil viel mehr Lichter die Strassen beleuchtete. 

Egal - es reichte, um die 3 Sterne und den speziellen zu Weihnachten zu entdecken. 

Später als ich meine kleine alten Dachwohnung mein Zuhause nennen konnte, wurde der Nachthimmel zusätzlich mit fliegenden Lichtpunkten ergänzt. Hätten sie nicht so ein Lärm veranstaltet, wären sie vielleicht mit etwas Fantasie als Meteoriten durchgegangen. Doch der nahe Flugplatz leistete ganze Arbeit, das Geschirr im alten Küchenschrank klapperte jedes Mal zu arg. Das konnte auch mit viel Interpretation kein Stern zustanden bringen. Ausser die in den Weltuntergangs Filmen, die ich Händchenhaltend im Kino zu sehen bekam. Natürlich nur weil ein aktueller Freund diese gut fand. Ich gestehe auf den anschliessenden Nachhausewegen schien mir der Himmel nach so viel Horror eher bedrohlich.

 

Ganz anders als auf dem Heimweg nach dem Tanzen. Dort mit dem Klackern meiner Stöckelschuhe auf dem Asphalt, noch die Discomusik im Ohr und den Blick nach oben zu den Sternen, kaum jemand anderer unterwegs… da war meine Welt sowas von in Ordnung.  Nachts einen Spaziergang zu machen ich liebe das noch heute.

Auch wenn mit den Jahren immer weniger bei Dunkelheit unterwegs. Doch unser Dachfenster im Badezimmer ist ein guter Ersatz. Wenn ich Mitten in der Nacht aufwache (weiss der Kuckuck warum?) und nicht mehr einschlafen kann, dann stehe ich schon des Öfteren im besagten Raum und betrachte das was sich mir am Himmel bietet.

Und eines Tages - es ist nun ein paar Jahre her, kam ich irgendwie darauf, dass es die Möglichkeit gibt sich eine App (Kostenlose Version) herunterzuladen und damit im Sessel sitzend (respektive auf dem Badewannenrand) den Sternenhimmel genau über unserem Haus auf dem Display des Handy sehen zu können.

Stell dir das vor…Jeder Stern, genau über mir, (insofern ich meinen Standort preisgebe) ist dort mit Namen verzeichnet. Die Sternzeichen, die Milchstrasse bei Regen, Nebel, Schnee oder auch bei Tageslicht erkennbar. Es ist schlichtweg genial.

Auch meine 3 Adventssterne, die mich seit der Kindheit begleiten und der besondere Weihnachtstern kann ich nun endlich mit Namen ansprechen. hahaha

Und zu Guter Letzt jeden Satelliten, den ich oft fälschlicherweise für einen galaktischen Körper gehalten habe, enttarnen. Und so trage ich, bei genauem Überlegen...irgendwie... den ganzen Himmel mit all seinen leuchtenden Bewohnern jeden Tag mit mir rum.

Und sie blinken mir heimlich zu und sagen...Alles wird gut!  

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Kommentare: 3
  • #1

    Isa (Mittwoch, 01 Dezember 2021 06:02)

    Äs wird alles besser;)

  • #2

    hei-angel (Mittwoch, 01 Dezember 2021 08:50)

    liebe Isa,
    wenn man den glauben daran verlieren würde…
    ich glaube, dann hat man verloren. ich danke dir für deine Worte und wünsche dir von Herzen gute Besseringen.
    Es wird alles gut!

  • #3

    hei-angel (Mittwoch, 01 Dezember 2021 08:53)

    Auch Fehler werden keine mehr sein, wenn mann sie korrigiert. lach!
    Natürlich sollte das *gute Besserung* heissen. So nun habe ich dem Fehlerteufel eins ausgewischt. ���