· 

Verstanden

Sie (Naya) presst den Ball fest an mein Bein, dreht dann ganz leicht den Kopf und lässt ihn anschliessend in die kleine Tonne fallen, die ganz nah bei uns stand.

Das war die übliche Szenerie bei unserem *Versorgen* Spiel im Garten.

 

Ich schaute dann regelmässig an mir runter, blickte auf eine braun-graue, hin und wieder mit Grasschnitt garnierten Erdspur an meinem Hosenbein. Sie zog sich vom Oberschenkel bis zum Knie und liess sich mit etwas drüber wischen nicht entfernen. Trotzdem - Das Lob mit dem Wort "Fein" kassierte Naya nun nach Monaten von unzählig verschmutzten Hosen trotzdem noch. Schliesslich hatte sie den Job erledigt. Zumindest einen Teil davon. Doch glaube ich, dass auch sie den Unterschied zwischen einem Euphorischen *Fein* und einem mittlerweile nicht mehr ganz so erfreutem wahrnahm.

 

Kein Wunder, waren es nun schon Monate, an denen ich ihr versuchte beizubringen, den geworfenen Gegenstand, nach dem zurückbringen auf ein *Aus - Iine* (Aus - rein) ohne den Zwischenakt des Verschmutzens meiner Kleidung und vor allem auf Distanz, in den bereit gestellten Behälter zu spucken.

Sie war doch sonst so intelligent und verstand meine Signale erstaunlicherweise rasch und gut. Warum bekamen wir es nicht hin, dass sie... mmmmhhhhh! Ich ärgerte mich nicht darüber, eher machte ich mir einen Kopf, wie ich es ihr noch vermitteln könnte, dass es funktionieren kann. Sie den leidigen Zwischenteil weg lässt und einfach nur ausspuckt?

Es war keine Lebensnotwendige Übung. Alle meine Spiele, Trainings- & sonstige Tätigkeiten dienen, um sie auszulasten. Im Kopf. Also ehrlicherweise kann ich sagen es fordert oft auch meinen, da ich mir immer wieder neues ausdenken muss. Sie lernt zu schnell. Ausser eben...bei dem Tonnenspiel. Doch einfach resignierend das Ganze Ad Acta zu legen, dass bin nicht ich. Ich will Lösungen finden.

 

Gestern machte ich wie gewohnt alles wieder parat. Sie stand hinter dem grossen Fenster und schaute mir dabei zu. Ich gebe zu, dass Tonnenspiel wurde für längere Zeit von anderen Dingen abgelöst. Ich musste mal etwas Luft davon haben und meine Waschmaschine auch.

Als ich das Fenster öffnete, um sie rauszulassen, platzierte sie sich hoch motiviert an meine linke Seite. So gelernt, damit sie nicht schon bevor ich etwas angeordnet habe, drauf los prescht und sich selbst beschäftigt. Sie guckte mich mit ihren schönen braunen Augen voller Freude an. Ich wusste, sie hatte erkannt um was es ging. Sie hatte die Kombination aus bereit gelegten Bällen und einer Tonne, diesmal eine schwerere, weil sie die leichtere manchmal im Eifer des Gefechts umstiess und anschliessend den Inhalt unkontrolliert hin und her schmiss. War sie in diesem Rambazamba Modus, war es schwierig ihre Emotionen wieder herunter zu temperieren. 

Uff! Alles Erfahrungswerte die es zu beachten galt. Schliesslich kennt man seine Pappenheimer. Lach!

 

Gestern kam jedoch alles irgendwie anders. 

Sie sass also neben mir wartete auf das *Ok* um den ersten ausgelegten Ball zu holen. Preschte auf besagtes Wort wie immer los, packte den grössten der Bälle (grün) ... ich sah schon, dass er durch das Auswerfen ins nasse Gras wieder schmutzig geworden war, der Gedanke nicht zu Ende gedacht, stand sie bei mir guckte mich ungewohnter Weise mit dem Ball im Maul an, wartete (das war ganz neu) auf eine Ansage und spukte ihn dann in die Tonne.

*Feeeeeeiiiiiiiin* Meine Stimme überschlug sich fast vor lauter Freude, ausserdem war die Tonhöhe so hoch, dass Naya anscheinend das Gefühl bekam sie hätte einer Obermeisterleistung errungen. Etwa einen Flug zum Mond und zurück. hahaha

*Ok* (Das Go Wort) Naya rannte erneut los. Ich wollte keine Zeit verstreichen lassen, wenn wir nun endlich nach langer Zeit einen *nicht Bein voll schmier* erfolgt erzielt hatten. Achtung! Sie kommt...dachte ich und sie... sie spukte den Ball sofort in die Tonne. Juhuuuuu! Sie hat es kapiert. *FEeeeeeiiiiiin* 

Aufgepasst! Ich merkte das sie kurz davor stand das hineingeworfene wieder herauszuholen. Das war nicht der Plan. Sie sollte verstehen, es drin zu lassen. "Ich muss meine Motivation an sie, etwas reduzieren, sonst überbordet sie" sagte es in meinem Hirn.

Ja, Naya ist tatsächlich wie ein Ferrari. Kannte eine Gasstellung als sie von uns adoptiert wurde. Gaspedal ganz durchgetreten. 

Unterdessen kann ich diesen Ferrari mit Fell fahren lassen. Wir haben die Bremse und die Zwischenstufen des Geschwindigkeitsregler gefunden. Können auch den Aus Knopf drücken und Ruhe ist. Ich als nicht mehr Autofahrende...hahaha

 

Trotzdem kam ich gestern nicht mehr aus dem Staunen raus. Naya sprang wie am Schnürchen hin und her und versorgte das Ausgelegte. Mehr noch, konnte ich mich bei jedem Erfolg einen Schritt weiter vom Behälter entfernen. "Ich glaub es nicht" jubelte es in mir "Sie kann endlich ihre *Arbeit* auf Distanz verrichten." Ich merkte, dass ich vor Erstaunen beinahe das Atmen vergass. Ein und Aus, ein und aus… denn was ein Hund von Frauchen nicht brauchen kann ist eine schlechte Atmung. Heisst – Achtung! Etwas ist nicht ok.

Doch es war doch alles Ok – sowas von Ok – ich glaub es nicht!

 

Als sie alles eingesammelt hatte stand sie lächelnd vor mir, atmete hörbar und ihre Zungenfarbe zeigte, dass sie wirklich gearbeitet hatte. Doch ihr Blick fragte, "Machen wir noch mal"

Ich lächelte sie sanft an, strich ihr kurz über den Rücken. Sie wich leicht "Ich bin nun im Arbeitsmodus, anfassen ist später angesagt" und so wurde eine kurze 2. Runde Einsammeln der Bälle eingeläutet.

 

Anschliessen räumte ich alles wieder in den Schopf, während sie Wasser trank als hätte sie eine Bergbesteigung hinter sich und trottete dann zu ihren Bett, wo die Ruhephase eingeläutet wurde. Mit dieser Massnahme weiss ich, dass sich das eben getätigte festigt, und ich bin mir gewiss, dass meine schmutzigen Hosen mit Schmierstreifen vom Grünen, Lila, Blauen und roten Ball, sowie andern Gegenständen mit Erde, der Vergangenheit angehören. Naya ist der Hammer! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0