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Niemals nie

Möchtest du mal Heiraten? 

Hat man mir diese Frage vor meinem 20.igsten Lebensjahr gestellt, kam voller Überzeugung die Antwort: "Sicher nicht - niemals" 

Darüber war ich mir als Kind schon klar, das ist ein Kapitel, welches es in meinem Leben niemals geben würde.

Andere Mädchen in meinem Umfeld träumten vom Prinzen, möglichst auf einem weissen Pferd...und wenn nicht...dann wenigstens mit einem Protzauto oder einer Kutsche. Dem Traummann, der mit grossem Budget alle Wünsche erfüllt, stets mit seiner breiten Schulter und Kämpferisch parat, um alle Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu räumen. 

DAS GIBT ES NICHT! Ich sah es doch im Elternhaus, wie das läuft. Ich wollte meine Freiheit. Mich nicht herumkommandieren lassen, Kinder grossziehen, Haushalt, dazu 100% Arbeiten. Denn zusammen geht das alles ohne Verluste und ohne Hilfe schon grad gar nicht. Überfordert - als Frau immer hintenanstehend und trotzdem den Karren ziehend. Das Geld chronisch zu knapp, weil es schneller zum Fenster rausfliegt als es reinkommt...

Ach - was soll ich erzählen. Es wurde mir all das vorgelebt was ich niemals wollte. Ausserdem war ich der festen Überzeugung es gibt keine Wunschprinzen und schon gar keiner der zu mir passen würde. Der mich aushalten würde. Die Aussage meiner Eltern machte nichts besser. Man könnte sagen: "Der Kessel war geflickt" Damit, meine Einstellung zum Thema unumstösslich.

 

Etwas mehr als einen Monat nach meinem 23. Geburtstag, stand ich in einem weissen Brautkleid in der 7. Schmerzen Kapelle (ja so heisst sie wirklich) blickte auf meine Eltern, die Verwandtschaft, hörte wie durch Watte die Frage des Pater Marcel: "Willst du Angel…" und ich hörte mich sagen "Ja ich will…"

Mein Herz klopfte wie wild. Als ich seine Stimme hörte: "Ja ich will..." Was tat ich da? Meine Hand wurde von einem rothaarigen jungen Mann gehalten, für den ich in den vergangenen 3 Jahren gegen die Ablehnung meiner Eltern gekämpft hatte. Der mir ein gutes geborgenes Gefühl gab.

Es war für mich unerklärlich, dass es jemand geschafft hatte mein Herz zu erobern. Was sag ich - zu stehlen.

Ein Mann, der am ersten Abend unseres Kennenlernens behauptete: "Du bist die Frau, die ich Heiraten werde." Frech wie ich war, lachte ich darüber. Dachte er sei doch nicht so ganz richtig im Oberstübchen und das sei bestimmt seine Anmachmasche. Er lachte es einfach weg.

 

Vorgestern liessen wir unsere gemeinsamen Jahre Revuepassieren. "Das hast du doch jeder gesagt" lachte ich ihm immer noch genauso frech ins Gesicht. Er antwortete: "Nein - nie zuvor und ich würde es wieder tun – dich heiraten"

"Wie konntest du dir denn so sicher sein, dass ich die richtige bin?" fragte ich ihn. Er: "Ich wusste das einfach als ich dich sah - es hat einfach mehr als nur gefunkt." 

Es gibt Dinge die hat man nicht bestellt (oder vielleicht insgeheim doch), die kommen, sind dann da und man kann sie nicht ändern. Werfen Meinungen um, verändern den Lebensverlauf, alte Strukturen und Bilder im Kopf. Zeigen auf, dass es auch anders geht als das was man vorgelebt bekommen hat, natürlich nicht in dem man vieles hinzu gibt an dem man arbeitet - möglichst gemeinsam. Die plötzlich eine Aussage: "Ich will nie heiraten" umstossen, eine strahlende Braut JA sagen und glücklich sein lassen.

 

Doch mal ehrlich - Der Gedanke, dass seit meinem ersten halben Lebensjahr irgendwo ein Junge herangewachsen ist, so gestrickt, dass er als Mann zu mir passt...zu mir hält, mit mir durch dick und dünn, gut und schlecht geht, dem ich vertrauen kann und alles was zu einem miteinander dazu gehört...Du weisst was ich meine - das ist doch unglaublich. Oder nicht?

So macht doch das Leben plötzlich einen wirklich tiefen Sinn. Ich zumindest finde diesen Gedanken wunderschön!

Ich bin unglaublich dankbar, dass irgendwer mein Lebensbuch so geschrieben hat, dass mein Ritter (die mag ich lieber als Prinzen) auf einem Stahlross der Marke Honda, mit rotem Wuschelkopf und einem unbedarften, offenen und kecken Wesen, an einem Tresen eines Tanzlokals sitzend, mich ansprach. Mir etwas erzählte, dass ich nie glaubte und es mit viel Liebe schaffte, das ich seither treu und frei an seiner Seite blieb.

 

Dankbar von Herzen --- jeden Tag, so auch vor ein paar Tagen zu unserem 42 *Kennenlerntag* und heute am 39. Hochzeitstag ganz besonders. Hätte mir jemand die Zukunft vorausgesagt, damals als ich eine vehemente Heiratsverweigerin war - ha ha ha – ich hätte ihm den Vogel gezeigt, es niemals geglaubt.

 

Doch wie kann ich heute sagen -- Man(n) oder Frau, sollten wirklich niemals nie sagen. Nur im richtigen Moment JA! (schmunzel) 

 

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