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Ich stieg aus dem Lift der Tiefgarage, blickte rechts in einen Park und links auf einen grossen Platz, atmete tief ein und war zu Hause. 

Das Geschenk von Schatz zu meinem Geburtstag, eine Reise in meine Vergangenheit. Meine Lieblingsstadt in der ich 4 Jahre meiner Kindheit verbracht hatte. Prägende Jahre.

Vor etwa 30 Jahren war ich das letzte Mal hier. Da war dieser besagte Platz und Park noch nicht geboren, sondern es war ein grosser Parkplatz mit vielen Platanenbäumen. Ich liebte ihre Blätter. Im Herbst sammelte ich sie, hielt sie wie eine Bund von Fächern in meinen Händen. Im Sommer fühlte ich mich wohl im Schatten der Bäume, dann wenn wir uns zu einer Prozession (sehr Katholisch) bei der nahe liegenden Kirche versammeln mussten. Im Winter sahen sie aus wie Kraken mit ihren knorrigen Ästen. Zumindest bis sie so kurz zurückgeschnitten wurden, dass ich manchmal dachte die seien nun für immer Tot. Doch im Frühjahr sprossen wieder Äste und Blätter. Was für ein Glück - auf sie war Verlass.

So wie ich mich auf so vieles in dieser Zeit verlassen konnte.

Mama arbeitete nicht mehr, war zu Hause, wenn wir von der Schule kamen. Stand am Morgen auf, um uns Frühstück zu machen. Vorher und nach diesen Jahren war das nicht so, da sie in der Gastronomie angestellt war und meist erst nach Mitternacht nach Hause kam, schlief sie am Morgen. 

Papa arbeitete dafür im Ausland auf Montage, kam selten nach Hause. Deswegen war das Familienleben wenig Stressbelastet.

Einzig die neuen Schulkameraden machten uns zu Beginn mit Steinattacken auf dem Nachhauseweg das Leben schwer. Bis wir Oskar (heute umstrittener Politiker in diesem Kanton) uns Schleichwege, die uns durch die Brauerei seines Vaters führten, zeigte oder sich ihnen in den Weg stellte. Er war grösser, kräftiger als wir und war ein echtes Geschenk. Ausserdem da seinem Vater dieser angesehene Betrieb gehörte, wurde die Gewaltbremse gegen den Sohn gehörig angezogen.

Wie das Leben so spielt, wir fanden Freunde und liebe Bekannte. Wir spielten in den Rebbergen, beobachteten Echsen und Schlangen, fanden einmal sogar eine Gottesanbeterin und gingen brav jeden Donnerstag und Sonntag zur Kirche. Samstags zum Beichten. 

Genau diese alten, wunderschönen und auf Hochglanzpolierten Beichtstühle traf ich nun beim Besuch in der Kirche, in der ich so viele Stunden zubringen musste, wieder.

 

Ich muss schmunzeln, wenn ich an das Beichten denke. Wer hat das nur erfunden... Gott bestimmt nicht. Und ich hoffte jedes Mal, das er meinen Deal annimmt. Denn ich hatte nichts zu beichten. Doch die Nonnen in der Schule waren der Überzeugung, dass jedes Kind...jede Woche irgendwelche Taten zu beichten hätte. So begann ich im dunklen Abteil mit dem Wissen, das gegenüber das Sprachrohr Gottes, oder sollte ich sagen das Ohr... sass und mit den Worten: "Was hast du zu beichten - liebe Tochter" das Prozedere einleitete.

"Ich habe meinem Bruder einen Kaugummi gestohlen… ich habe meine Eltern nicht geachtet..." längere Pause... Die Stille und die gefühlte Erwartung das doch da noch was kommen musste (so dachte ich) war mir unangenehm.

Egal - zu guter Letzt erklärte ich immer: "Ich habe gelogen." Denn das war das Einzige was wirklich stimmte. Ich habe mir Woche für Woche zur Beichte irgendwelche Dinge ausgedacht, die nicht stimmten. Also hatte ich gelogen. 

Meist entliess mich der Priester, den ich sehr mochte, mit *4 Avemaria* und ein *Vater unser*. Rasch im Eiltempo im Kirchenbank zur Tilgung der Sünden das geforderte heruntergebetet, um mich dann auf den Nachhauseweg zu beigegeben. Zuerst bei der langen Klostermauer vorbei und dann beim geheimnisvollen Hexenturm.

Auch jetzt sah ich ihn wieder, ein Bauwerk wie aus einem Märchen. Vor einigen Jahren frisch saniert hat er trotzdem seinen Reiz nicht verloren. Schlimme Dinge gingen einst dort drin vor. Damals, vor vielen Jahren, war er mit Sperrband und einer Hinweistafel *Nicht betreten* geschützt. Das kurbelte die Fantasie noch mehr an. Im Herbst huschte ich etwas schneller vorbei. Ich dachte, bei leichtem Eindunkeln es käme tatsächlich noch eine Hexe raus und würde mich holen. Doch sonst - hüpfte ich manchmal dann von einem Bein zum andern, noch einen Umweg beim Haus meiner Freundin in der Altstadt vorbei. Nicht zu Hause – ok vielleicht ist nun sie im Beichtstuhl. (kicher)

Wieder auf dem richtigen Weg an dem reissenden Wildbach vorbei. Dort wo ich immer wieder mal einen Kiesel von der Brücke schnippte. 

Ich liebte es dort unterwegs zu sein, meist im Blick… die auf je zwei Hügeln thronenden alten Bauwerke. Das Schloss Valeria und die Ruine Tourbillon. Nachts beleuchtet. Ooooohhhhh! Schööööön!

In der Historische Altstadt, spürt man den französischen Flair mit den Stühlen und Tischen vor jedem Bistro, Menschen, die sich einen kleinen Rotwein oder ein Stück Kuchen mit Kaffee gönnen. Restaurant mit Bestuhlung und roten Sonnenschirmen.

Ausserdem ist das Klima sehr angenehm, es lässt oft die Milde vom dem nahe gelegenen Italien vermuten und die ringsum angelegten Rebberge gedeihen. Mildes Klima hin oder her, im Winter gibt es zünftige Schneetage und mit dem Bus ist man Rasch in den Bergen zum Skifahren.

Alles das und noch viel mehr (ausser dem Schnee) konnte ich nun wieder sehen und spüren. Vertraut - ZUHAUSE!

Hätte es nicht neue Häuser am Rande der Altstadt gegeben, so hätte ich glauben können, jemand hätte die Zeit angehalten und ich sei einfach aus meine Kinderschuhen gewachsen. 

 

Schön war es, mit Schatz und Naya, die natürlich mit von der Partie waren. Ich bin sicher, es wird ein baldiges Wiedersehen geben. Au revoir, je reviens...

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