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Uralt

Vor einiger Zeit erhielt ich eine interessante Anfrage meiner Nichte, welche ihrem Taufpaten zum bevorstehenden Umzug half. In dessen alter Wohnung würde ein noch älterer Schreibtisch stehen, den er entsorgen wolle. "Doch als ich ihn gesehen habe, schrie er förmlich nach Dir und deinem Haus." erklärte sie mir am Telefon.

Okey - unser Platz ist auch sehr begrenzt, doch anschauen kann man sich das Ding ja mal. lach! Das ist genau der berühmte Satz, der Dinge kommen lässt und nicht mehr gehen. Hahaha - Wir sollten es besser wissen. Was angeschaut wird, ist meist adoptiert. Hahaha

 

Nachdem ich sie noch fragte: "Wo würde es denn bei uns hinpassen" denn sie kennt ja unser Haus recht gut und sie darauf antwortete: "Das weiss ich gar nicht so genau, doch es würde so zu euch passen." war das Ganze nicht wirklich einfacher.

Doch einfach war die Kontaktaufnahme, das Anschauen (Schatz alleine - ich war nicht dabei) und der Transport. 

Da stand es nun --- vorerst bei uns im Wohnzimmer...ohne Plan wo es später stehen sollte. «Egal» hörte ich mich sagen «Wir können es zurecht machen und dann will es vielleicht jemand» Genau dieser Satz lässt meine Haltung alter Gegenstände erahnen. Ich kann mir nicht vorstellen so was einfach zu entsorgen. Denn irgendwer hat es mal mit den eigenen Händen geschaffen. Stunden damit zugebracht und auch wenn das Holz meist nicht allzu hochwertig, weil das Geld nicht vorhanden, war doch dafür ein Baum gefällt worden.

Ich musste sagen, wenn wir unsere Fantasie etwas spielen liessen, passte es, wenn dann zurecht gemacht, wirklich gut zu unserem Einrichtungsstil. Erst sprach ich von einer Deckplatte wieder in schwarz, wie ursprünglich, dann in Tafellack, um einen Text darauf zu schreiben, später sah ich ihn vor dem Geistigen Auge in Grün und noch etwas später das ganze Möbel in Schwarz. Lach – Meine Ideen ratterten. Für was wir uns entschieden habe, erzähle ich später

 

Apropos Uralt - Ich muss erneut schmunzeln... 1920 ist sein Entstehungsdatum. Für mich nicht uralt 2021 minus 1920: 2 + 11 Jahre dann hast du Alter. Das ist aus der Sicht der Jugend Uralt - hahaha für ein Möbelstück. hahaha

Doch komme ich auf das gute Stück zurück. Es hätte bestimmt so einiges zu erzählen. Zumindest wenn man seinen Zustand ansah. Nicht schlimm, doch schon einiges zu tun. Der Schreibdeckel wurde abmontiert, der von einem dicken Riss nicht mehr richtig gut zusammenhielt. (siehe Bild) die alten Scharniere entfernt, etwas vom Rost gereinigt und das Schlossschild ebenfalls abmontiert. Es war anscheinend schon einige Male Behelfsmässig mit Schrauben traktiert worden, um den Schein der Vollständigkeit zu wahren. Denn in Wirklichkeit war es total kaputt. Tintenflecken, alte schwarze Farbe, Leisten die sich lösten und eine Lasur die nach "entferne mich" rief, waren zudem vorhanden.

 

Okey - das Möbel wanderte an einem schönen Tag in den Garten, vor den Schopf und wurde dort mit doppeltem Einsatz von Schleifpapier, Maschine und Ziehklinge bearbeitet. Schatz und ich standen bald in einem Hauch von altem Lasurstaub, so war er auch auf den Rosenblättern zu sehen. Bei uns die Dusche und bei den Rosensträucher und Lavendel kam der Regen zu Hilfe, um den Staub der Vergessenheit zu übergeben. 

Schatz reparierte den Deckel meisterlich. Ich bin so stolz auf ihn. Einmal mehr. Es ist schon super was er so kann. 

Und nun - nun steht das Schreibmöbel, ohne Lack..., sondern mit einmassiertem Leinöl, glatt wie ein Baby Popo und mit seiner ursprünglichen Farbe des Holzes, die an Honig erinnert, fein duftend im Wohnzimmer.

Dort wird es auch bleiben. Ein Besuch in einer Brockenstube an einem der nächsten Frei Tage von Schatz, lässt uns hoffentlich ein hübsches altes und passendes Schlossschild finden. Und ein in Schwarz gehaltene graviertes Medaillon aus Messing mit der Jahreszahl 1920 wird an der rechten Frontseite irgendwann noch angeschraubt.

Und auch wenn der Schlüssel zum guten Stück fehlt ... uns gefällt es sehr gut, einzuschliessen haben wir eh nichts und es ist so wie meine Nichte erklärte...es passt 100% zu uns!  

 

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