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Farbe

"Du lässt dich gehn, du lässt dich gehn..." trällerte Charles Aznavour im Radio, als würde er mich zu genau dieser Minute sehen. Du lässt dich gehn, du lässt dich gehn".

Ich musste schmunzeln, passte ja wieder mal wie Faust aufs Auge.

Mir lief der Schweiss, meine Haare davon strähnig. Ich trug mein ältestes T-Shirt und Schlabberhosen. Nicht mal die obligaten Ohrringe haben mich etwas rausgerissen, denn die lagen wartend im Badezimmer auf dem kleinen Möbel. Auf was wartend? Na, auf bessere Zeiten - lach!

Unterdessen war Charles mit seinem Depri Song fertig. Abba war nun an der Reihe. "Dancing Queen" ich schwang vorsichtig die Hüften im Takt. Im geistigen Ohr hörte ich Schatz ermahnend: "Halt dich ruhig - das kommt nicht gut." Recht hätte er gehabt, hätte er es tatsächlich gesehen. Doch das was ich im Moment tat sollte eine Überraschung werden. Das war vor über einer Woche.

 

Heute dasselbe Szenario, jedoch mit andern Songs...

"True Colors" Cindy Lauper war mit mir am Start als ich begann. Morgens um 7:00h. Schatz sagte ich sei disziplinierter als die Arbeiter auf der Baustelle. Zwei Stunden habe ich im Rennen mit mir selbst gegeben. Oben auf der Leiter. 

Um 09:00h zu den Nachrichten im Radio kam ich aus der Bück Haltung hoch - FERTIIIIIIIIG! rief es in mir und mit einem dicken Seufzer machte ich mich auf zur Wasserflasche. Legte den Pinsel und den Roller vorher in die Farbschale. Ich schluckte Deziliter um Deziliter – Durst…

Die Wand leuchtete in einem angenehmen weiss. Es war die Anspruchsvollste der 3 Wände, die ich bisher gestrichen habe. 3 tiefe Fenster, ein Heizkörper und ein Vorhangseil, das ich nicht abmontieren konnte, galt es zu um Pinseln. Nichts da von grossen breiten Flächen, die es mir einfacher gemacht hätten. Und beim letzten Stück, zitterte mein Flügellahmer Arm (wie ich den konstant dicken Lymphen Arm nenne) ganz schön und das nicht mal im Takt zur Musik "Live ist Life" von Opus. Mein rechter Arm – Seufz - Deswegen auch die Zeitspanne, um unser Wohnzimmer aufzufrischen. Früher hätte ich das an einem Tag gemacht. Heute aus vernunft- & körperlichen Gründen kann es sich schon mal über Tage hinweg ziehen. Doch das Ziel ist der Weg - wie lange der Weg ist...spielt am Ende keine Rolle. Hauptsache ich werde irgendwann mal fertig und verliere nicht die Geduld. In der Regel halte ich sie – die Geduld meine ich – wie die Katze vor dem Mausloch auf dem Feld. Lach!

 

Nach einigen Schlucken und keinen Blick in den Spiegel, denn bei dem hätte sonst Charles wieder seinen Song zum Besten gegeben, war ich richtig glücklich.

Nun muss es nur noch trocknen. Dann noch den 2. Anstrich - anschliessend die Fensterrahmen - Vorhangbretter & die Sockelleisten im selben Farbton, jedoch in einem Seidenmatt & Lack. Ökologisch, wasserlöslich und nicht schädlich, wie es der Beschreibungsaufkleber verspricht – ich glaub ihm nun mal. 

Schatz wird auch diesmal Augen machen, wenn er von der Arbeit kommt. Ach - übrigens du hast richtig gelesen... ich sprach von 3 Wänden. Kein Raum hat drei...auch unserer nicht. Die 4. Wand ist die kürzeste doch die komplizierteste... da steht nämlich der Ofen mit der dicken Rohr das kurz unter der Decke vorbeizieht und der alte Kachelofen (nicht in Betrieb, trotzdem darf er bleiben) der so viel Platz einnimmt, dass ich keine Leiter stellen kann und dann bin ich eben wirklich ein Bonsai, wie mich Schatz immer nennt. Ich komme einfach nicht mehr an den obersten Streifen zum Streichen. Ein bisschen ärgerlich, doch damit muss ich nicht das erste Mal klarkommen. Der liebe Gott, hat bei mir etwas an Körpergrösse eingespart. Beim nächsten Mal wünsche ich mir 5 cm mehr.

Wie schön, dass Schatz grösser ist als ich, es ihm reicht und er daher diesen Part übernimmt. Das ist so abgemacht. Auch dort ist nur noch der 2. Anstrich nötig. Jepeeehh!

 

 

"We are the Champions" sang Freddie Mercury im Radio und genauso fühlte ich mich *Happy* und das Wohnzimmer leuchtet jetzt erfrischend dazu...

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