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Harun

Gestern habe ich bei Facebook dieses Foto hochgeladen. Es lief mir förmlich über den Weg, als ich aktuellere Fotos sortierte. Schliesslich knipse ich so viel, dass ich echt Ordnung halten muss, sonst verliere ich gänzlich den Überblick.

Viele Ordner mit Beschriftung, Daten, Namen sind auf meiner Festplatte zu finden. Loslassen wenn es um Bilder geht, ist halt nicht gerade meine Stärke. Warum auch - tut ja niemandem weh. (Schmunzel)

Doch dieses besagte Foto erschien an ganz falsche Stelle. Wie ein Kobold hat es sich bei Naya eingeschlichen. Auf diesem Bild ist unser aller erster Hund zu sehen. Auch ein Kobold – lach.

Er wurde im Mai 1992 geboren und zog bei uns 12 Wochen später ein. Alle - aber wirklich ausnahmslos alle, rieten uns von einem Briard als Erst Hund ab - "Mein Gott- und dann auch noch ein Rüde. Nehmt doch wenigstens eine Hündin." Doch wo die Liebe hinfällt, da spielt so vieles keine Rolle mehr. Schatz und er hatten sich tatsächlich gefunden und etwas anderes gab es nicht. Anders bei mir...

Harun versuchte mich jeden Tag zu übertrumpfen. Das begann schon im Welpenalter. ER packte mich. Kläffte mich an. Später rempelte er, wenn er schneller als ich die Treppe runter wollte, versperrte mir den Weg und sagen wann er nach einem 1,5 Std Spaziergang (als er so lange gehen durfte) nachhause wollte. Auf jeden Fall und immer nicht jetzt. Dies tat er Kund in dem in eine andere Richtung zog, in die Leine biss und zerrte, mich am Ärmel, Bauchtasche oder Jackenzipfel packte. Reagierte ich nicht, begann er zu heulen, bellen und anspringen. JEDEN TAG, an dem ich mit ihm zu tun hatte und das waren viele. Nicht das er mich nicht gemocht hätte...

Wenn er raus musste, gestreichelt werden wollte, er sich nicht gut fühlte oder spielen wollte kam er zu mir. Doch kurz darauf nahm er das Zepter wieder in die Pfote und wollte sagen wie was zu laufen hatte. 

Manchmal - oder eher öfters war ich echt am Anschlag. Sämtliche Tipps von Schatz, der solche Probleme mit ihm selten bis nicht hatte oder Vorschläge von anderen Hundehaltern, schlugen bei mir und Hund nicht an. 

Und auch wenn hin und wieder mal eine Träne kullerte oder ich ihn in der Verzweiflung und um Kraft zu tanken, an einen Baum band und mich ins Gras setzte (kam eher selten vor) wollte ich das Handtuch nicht schmeissen.

Wir arbeiteten gemeinsam daran, dass dieser grosse Rüde mir mehr Respekt entgegenbringen sollte. (nie Handgreiflich oder anderen nicht Tiergerechten Anwendungen) Schatz machte in seiner Freizeit mit ihm im Laufe der Jahre verschiedene Ausbildungen. Hund und Herrchen liebten es.

Suche im Wald nach Figuranten, (Sanitätshundeausbildung) springen über Hürden, bringen von Gegenständen, umsetzen vieler Kommandos (Obedience Prüfungen bis ins 3 absolviert) sie waren für jeden Spass zu haben und brachten mich und andere zum Staunen und noch mehr zum Lachen. Denn waren Zuschauer zugegen wurde Harun zu einem echten Showman. Doch ohne Fleiss kein Preis, eines Tages erklärte mir Schatz: "Wenn ich Prüfungsreife erlangen will, reicht es nicht, wenn ich nur 3 mal die Woche mit ihm trainiere. Die Basis muss in kleinen Einheiten jeden Tag gemacht werden und dazu brauche ich dich." Ohje - Harun und ich???

Es lief besser als gedacht, Harun machte mit. Okey, das eine oder andere Mal wälzte er sich lieber auf dem Boden und jodelte in den höchsten Tönen. Guckte mich frech und herausfordernd an. Doch im Großen und Ganzen lief es recht gut. Schatz war begeistert. Ich auch, konnte ich einiges nutzen, um ihn in Schach zu halten.

Auch wenn der kräftige Rüde mir immer wieder zu verstehen gab, dass er neben Herrchen die Nummer 1 sein will. Gehörte er nicht nur zu Schatz, sondern auch zu mir.

Es gab natürlich immer wieder Rückschritte zu verzeichnen. (heute lache ich darüber)

 

Ich erinnere mich als wir auf einem Spaziergang durch den Wald folgender Vorschlag von Schatz kam: "Wir gehen wie gewohnt, du lenkst ihn ab, ich verschwinde und dann schickst du ihn, um mich suchen zu lassen." Erklärte Schatz. "Ok!" Kaum war Schatz verschwunden, war Harun nicht mehr abzulenken. Er düste quer Wald ein und schon Bald vernahm ich die Worte: "guter Junge" Beide kamen wie Gewinner zwischen den Bäumen auf den Weg.

"Also und nun Du" Schatz spazierte weiter, lenkte den Hund ab und ich verschwand hinter einen Baum.  Was soll ich sagen, ich sah die Beiden davon gehen (ohne Ablenkung) und immer weiter weg und ich würde wahrscheinlich noch beim selben Baum stehen, wäre ich nicht völlig demotiviert hervorgekommen. Ok - abgebucht.

Es wurde besser - in kleine Schritten. Sozusagen im Zeitlupentempo

Einmal bei einem Plausch Turnier konnte ich sogar eine Prüfung mit unglaublichem Erfolg (Platz 4) absolvieren. Als er über 10 Jahre alt und Aramis (sein Sohn und mein Seelenhund) auch schon 2 Jahre an meiner Seit ging und Schatz oft beruflich unterwegs war, wurde Harun sehr anhänglich. Auch wenn er mich am Morgen immer noch konsequent nicht begrüsste. 

Seit vielen Jahren weiss ich, dass Harun meine beste Hundepsychologische Schulung gewesen ist. Und schon oft habe ich gesagt: "Wenn ich ihn heute an meiner Seite hätte, wüsste ich wie ich ihn nehmen müsste. Es würde zwischen uns ganz anders aussehen.

 

Als hätte das Schicksal riesige Ohren und ein Elefantengedächtnis...

Als wir Naya auf einem Parkplatz aus dem Auto hüpfend und anschliessend vor uns her trabend das erst mal sahen, ein Spielzeug beim Besitzer unmissverständlich fordernd, an seiner Jeans zupfte, um es aus der Tasche zu klauen... sagte ich zu Schatz (Wortwörtlich): "Willkommen Harun" Schatz schüttelte den Kopf..."Nein- sicher nicht" Doch mein Eindruck blieb. In den folgenden Wochen testete ich Naya aus, so wie sie mich. Es war so viel Altbekanntes dabei und ich wusste nun wie damit umzugehen ist.

Eines Abends - sie war etwa eine Woche bei uns...nahm ich zum ersten Mal Ihre Stammbaumdokumente zur Hand. Daraus resultiert, unser Harun ist mit ihr Verwandt – er ist ihr UrUrOnkel - Als hätte mir das Leben meine gewünschte 2. Chance gegeben mit einem Stück Harun in Naya. Und was soll ich sagen... Wir zwei die Hündin und ich, wir sind ganz eng... manchmal zum Leidwesen von Schatz. Doch das ist eine andere Geschichte für ein andermal.  

 

 

Harun wurde 14 Jahre 3 Monate alt. 

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