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Beerenmeditation

"Juhuuuu! Trotz vielem Regen...die ersten sind schon reif!" sagte ich freudig zu Schatz.

Zu ihm, der auf seinem Stuhl am Gartentisch sass und genüsslich an seiner Feierabend Zigarre zog. Den Rauch in die Luft blies und mit seinen Gedanken irgendwo festhing. Mit meiner freudigen Bemerkung holte ich ihn grad ins jetzt. 

"Schau, wie gross sie zum Teil sind." Streckte ihm das Sieb entgegen. "Es sind noch nicht viele, doch hier siehst du 4 verschiedene Sorten." 

Er streckte seinen Arm aus und pickte sich eine heraus. 

Wie das wohl schmeckt? Zigarren mit Himbeere? Dachte ich.

"Mmmmhhhhh - lecker!" sagte er. Lach!

 

Ich liebe es, das Pflücken jeglicher Art. Doch wenn ich eine Rangliste erstellen müsste, so wäre das Beerenpflücken ganz Oben. Und Himbeeren der Spitzenreiter. Schmunzel. 

Diese Tätigkeit hat was Meditatives. Man sucht nach Beeren unter den grünen Blättern, muss sie sanft und bewusst nach Reifegrad aussuchen und am Ende vorsichtig eins nach dem anderen zupfen. Dabei achtgeben, dass man sich nicht die Hände und Arme verkratzt.

Jedes Jahr ist es wie eine Wundertüte, man weiss nicht wie viele man erhalten wird. Der Spitzenreiter in diesem Jahr ist eine spezielle Sorte. Nicht weil sie schwer zu bekommen wäre. Ich habe sie auch ganz einfach bestellt. *Die Stachellose* stand da geschrieben *für den Topf* konnte ich weiterlesen.

Gekauft habe ich 2 Stück und sie waren für meine Schwester als Geschenk gedacht. Doch dann standen sie da - bei mir in je einen Topf gepflanzt. Ich erklärte Schatz damals (vor etwa 4 Jahren) "Wir müssen meine Schwester in der Ostschweiz wieder mal besuchen, oder wenn sie wieder zu uns kommt ihr diese mitgeben. Für ihren kleinen Gartensitzplatz sind sie ideal" 

Dann kam es ganz anders als gedacht...

Es klappte nicht, dass wir reisten und als Schwester zu Besuch kam, vergass ich ihr diese mitzugeben. Also wuchsen sie mehr kümmerlich als freudig in ihren Töpfen. Auf jeden Fall niemals wie das Bild im Katalog damals vor dem Kauf ausgesehen hatte. 

"So kann ich sie ihr nicht mehr mitgeben, das ist ein trauriger Anblick. Sie würde sie bestimmt grad entsorgen." erklärte ich Schatz eines Tages "Ich pflanze sie in mein Beerenbeet, mal schauen was draus wird."

Und nun - 2 Sommer später --- "die Stachellosen" produzieren plötzlich an den neuen Trieben Stacheln. Bringen sich selbst wieder in die Urform. Etwas das mir wirklich entgegen kommt, denn im letzten Jahr wurden viele Früchte Opfer der Schnecken. Keine Stacheln, viele Schnecken…

Die einstigen kümmerlichen Pflanzen wurden zu niedrigen, doch üppigen Büschchen und tragen richtig grosse, leckere Früchte. 

"Ist das nicht toll" sagte ich erneut zu Schatz und zog ihm dabei das Sieb weg, in das er nochmalig hineingreifen wollte. Lachte und streckte es ihm wieder hin. "Wir könnten morgen eine Jalousie (Blätterteiggebäck) mit diesen Himbeeren backen." Er stimmte mir zu "Ja - das ist eine gute und leckere Idee"

 

Ich pickte mir nochmals 1...ne 2...3 Beeren aus dem Sieb und steckte sie mir lachen in den Mund "Wenn denn noch was übrig ist." hahaha

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