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Schlossgarten

Siehst du auf dem Bild den Hintergrund? Ich meine den nach der Holzwand?

Ich nenne es meinen Schlossgarten.

Vielleicht für dich schwer vorstellbar...

Das Bild ist etwas älter. Denn heute, nach dem genau diese Wand, mit Brombeeren, einer Lila blühenden Rambler Rose und einem wilden Wein berankt, scheint alles viel einheitlicher. Nicht mehr wie eine Barriere. Und wäre nicht immer wieder die dahinter liegende Hauptstrasse zu hören, könnte es wirklich eine Einheit sein. Diese Strasse welche mitten durch, also sozusagen die Trennung von Garten, Bach und Hügel darstellt.

Was für ein Glück, das es Zeiten gibt, in denen kaum ein Auto fährt und der Bus vorbei gleitet und keinen Stopp macht, weil niemand aus- oder einsteigen möchte.

Ganz im Gegenteil zu den Stosszeiten, die manchmal auch heftig sein können. Ja - auch auf dem Land wohnend kann es laut sein.

In den vergangenen 20 Jahren hat der Verkehr ganz schön zugenommen. Doch der begrünte Hügel im Hintergrund hat seit meinem eingerichteten Sitzplatz, gleich beim Ausgang bei der Küche, dort unter dem gespannten Regensicheren Tuch, an Qualität gewonnen.

Vor ein paar Tagen schleppte ich mich, immer noch angeschlagen von der Wundrose im Arm, mit Medikamenten intus und im Schlafanzug zu benanntem Sitzplatz. Aaaahhhh! ...tat das gut! Die Frische des frühen Morgens, die Stimmung im Garten, wenn sich die Sonne so ganz langsam einen Teil nach dem anderen zu ihrem eigen macht. Ich atmete tief durch, war froh in meinem Oma Stuhl (wie ihn Schatz nennt) wenn auch ohne Polsterauflage sitzen zu können.

Was so ein paar Tage Bettruhe ausmachen, meine Knie waren wie Pudding und meine Sitzhaltung eher Modell *nasser Sack* egal - ich fühle mich in dem Moment um einiges besser. Der Garten hatte mir echt gefehlt.

Mein Blick schweifte wie immer an Nachbars Hügel, du weisst schon über die berankte Holzwand. Dort - was war das? Ich sah etwas hüpfen, dann springen, sich setzen und am Ende sich wälzen...

Ein Fuchs? Ja genau ein Fuchs! Er muss es gewesen sein, den ich in den vergangenen Nächten immer wieder mal bellen gehört hatte. Das typische, der sich etwas komisch Anhörende Laut, die Füchse von sich geben. Es störte ihn nun anscheinend keineswegs, dass der Morgenverkehr immer heftiger wurde. Er fühlte sich sicher und in seinem Element. Seine Farbe wunderschön, bot er mir einige Kapriolen...wahrscheinlich im Spiel mit einer Maus. Sein Frühstück mit vorgängigem Frühsport. Lach!

 

Kurze Zeit später, wieder in meinem Bett und dem Gefühl ich hätte eine Bergwanderung hinter mir, schlief ich dann auch bald ein. Ich wusste, dass nun meine *Ausflüge* auf meinen Oma Stuhl immer öfters gemacht werden würden. 

Tagsüber stand ich dann auf, schloss und öffnete die Holzläden, je nach Sonnenstand und damit sich der Raum nicht allzu sehr aufheizen sollte. Gelang mir nicht wirklich. 27 Grad drinnen und mehr, waren die Tage angesagt. Dagegen hatte Schatz ein ganzes Tiefkühlfach mit Wassereis aus dem Supermarkt aufgefüllt und auf Wunsch brachte er mir eines hoch. Wie lieb!

Bei meiner Fenster Aktion hielt ich immer wieder Ausschau nach dem Fuchs. Doch auch er hatte sich anscheinend von der Hitze zurückgezogen. Wohl in den kühlenden Schatten der kleinen Busch Ansammlung verzogen.

Abends - Schatz sagte er ginge nun mit dem Hund. Es war nun nicht mehr so heiss. Ich nutzte die Gelegenheit und setzte mich wieder draussen an besagten Platz. Warten wollte ich auf die Beiden, wie eine kleine Überraschung so nach dem Motto *Hei - es geht mir besser* 

Du kannst dir denken, wo hin mein Blick sich wendete. Genau – DA! Ich traute meine Augen nicht. Oben bei den Büschen, die in den letzten Jahren wie ein üppiges Toupet in der sonst von Rindern niedergemähten Wiese entstanden ist, sah ich einen Kopf mit grossen Ohren hervorschauen.

Nach und nach kam es weiter aus dem Grün hervor. Ein grosses Reh, stand dort in voller Schönheit. Reckte seinen Hals und zupfte Blätter von den Bäumen und Sträuchern. Da - es bewegte sich etwas ganz nah bei ihr. Ein Rehkitz. Wie süss…

ich beobachtete, mein Herz erfüllt mit Freude über diese Bilder. Plötzlich wurde ich von einer kühlen Nase an gestupst wurde. *Ich hab dich gefunden* hechelte es und guckte mich mit schönen braunen Augen keck an. Naya!

Schatz erklärte lachend: "Sie hat dich verraten, schon lange bevor ich dich gesehen habe. Ihre Nase ist halt besser als die meine." er lachte, gab mir einen Kuss und streichelte meine Schulter. Er war sichtlich froh mich hier sitzend zu sehen.

"Du glaubst es nicht... " erklärte ich freudig "nach dem Fuchs heute Morgen, sah ich nun ein Reh mit Kitz, dort..." ich zeigte mit dem Finger dorthin. Doch dort war ausser Grün in verschiedenen Schattierungen nichts mehr zu sehen. "Och - Schade, doch vielleicht siehst du es in den nächsten Tagen auch mal. Sie wirkten so friedlich." Schatz lächelte mich an. 

 

 

Gestern beim gemeinsamen Frühstück - "Was ist das?" ich guckte genauer hin "Schau, der Fuchs ist wieder da" Auf dem Flecken Grün, den ich *meinen Schlossgarten* nenne - auf der anderen Seite der Hauptstrasse, über dem Bach und unserer begrünten Holzwand.     

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