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Nadine

Als ich gestern von meiner Nichte erzählte kam mir folgende Geschichte in den Sinn.

Es war vor unendlich vielen Jahren, Nadine war noch ganz klein. Sie hatte gerade Papas Musiksammlung entdeckt und bei jeder Gelegenheit wirbelte sie zu ihrem Lieblingssong von Scooter wie eine Besessene durch das grosse Wohnzimmer. "Hyper - Hyper" schrie sie dabei so laut sie konnte. War die noch lautere Musik zu ende, verlangte sie nach Wiederholung. Wahrscheinlich hätte sie bis zum Umfallen zu den Klängen getobt, hätte man ihr nicht Einhalt geboten. Was manchmal mit Tränen quittiert wurde, weil sie kein Ende wollte.

Eines Tages ich war wieder einmal zu Besuch, bereiteten wir den Tisch zum gemeinsamen Essen vor. Die Männer - also mein Bruder und Schatz - sollten von einem Ausflug mit den Motorrädern dazu stossen. Es duftete schon in der ganzen Wohnung nach leckerem Essen als sie dann auch eintrafen. Nadine freute sich unglaublich, klatsche mit den Händen und sprang von einem Beinchen auf das andere. Es war unglaublich wie viel Energie das kleine Mädchen mit den Strohblonden Haaren zeigte und wie sie es sichtlich genoss, wenn wir alle zusammenkamen.

Wenige Minuten später sass sie still in ihrem Stühlchen, sie schien ganz vertieft mit der Aufgabe das Essen auf ihre kleine Gabel zu bekommen. "Und - fragte meine Schwägerin, wie war eure Motorrad Tour?" Die Männer erzählten abwechslungsweise, wo sie lang gefahren sind und dass sie eine Pause in einem Restaurant gemacht hätten. "Dort war es ganz interessant" erzählte mein Bruder grinsend "ein Geheimnis wurde dort zu Tage gefördert." lachte er und ein Blick zu Schatz liess ihn noch heftiger lachen. «Dein Schatz führt anscheinend ein Parallelleben.» erklärte er an meine Adresse. Schatz rollte mit den Augen. "Nein nun nicht noch einmal diese Geschichte" Doch genau diese Geschichte wollten wir Frauen auch erfahren.

Folgendes hatte sich zugetragen. In diesem Pausenlokal, kam die Bedienung mit den bestellten Getränken an den Tisch und behauptete von da an, das Schatz *Heinz* sei. "Ich kenne dich - du bist doch Heinz" So soll alles begonnen haben. Jeder Einwand oder möglicher Beweis, das Schatz nicht Heinz sei, tat die Dame ab und glaubte er würde sie hochnehmen. Ein Spässchen machen. Das tat sie so laut und auffällig, dass am Ende anwesende Gäste riefen: "Gib doch nun endlich zu, dass du Heinz bist." hahaha

Die Erzählung liess uns alle lachen. "ich werde in meinem Leben nie mehr in dieser Beiz einkehren." erklärte Schatz. "Also, du bist echt Kleinlich, du hättest ihr doch eine Freude machen können und es endlich zugeben." lachte meine Schwägerin. Es war eine ausgelassene Stimmung am Tisch und nach der *Heinz Geschichte* folgten noch viele andere und es wurden gemeinsame Pläne für dies und das geschmiedet. Zudem ein Treffen für ein baldiges Picknick im nahegelegenen Wald. 

Einige gemütliche Stunden lagen hinter uns, als wir bei der Verabschiedung Klein Nadine drückten. Da schaute sie Schatz an, streckte ihm ihr kleines Händchen entgegen und sagte: "Tschüss Heinz." und dann lachte sie mit einer Schadenfreude und sprang in der Stube umher. Wiederholte diese zwei Worte wie in einer endlosen Schleife "Tschüss Heinz." hahaha

Natürlich blieb das Gelächter nicht aus. Und du kannst dir denken, was die folgende Zeit brachte? Nadine nannte von da an ihren Onkel immer wieder mal *Heinz* Das verpackte sie oft unerwartet in die Frage: "Soll ich dir einen Witz erzählen - Heinz?" dann lachte sie laut heraus und hüpfte umher, erklärte dann "Das war der Witz - Heinz!" hahaha 

Mit zunehmenden älter werden, verschwand dann Heinz mehr und mehr in der Versenkung. Nadine blieb jedoch dem Witze erzählen treu. Zu Beginn waren es selbst ausgedachte Geschichten, ohne Pointe und Sinn. Doch sie lachte sich fast an ihren eigenen Worten kaputt. Und wir wiederum wegen ihrem Verhalten.

Mit der Zeit bekamen sie einen guten Inhalt und auch ein wirklich Witziges Ende. Wir staunten oft wie klug und geistreich sie für ihr Alter ausfielen. Denn es handelt sich dabei nicht um gehörte Witze, sondern immer um selbst ausgedachte.

 

Ja, ja Hyper, Hyper Nadine und Heinz... das waren noch Zeiten...schmunzel

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