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Zugang

Es ist klar, dass es eine gegenseitige Sache wäre, doch sind wir Erwachsenen nicht eher auf dem Standpunkt, dass wir den Kindern Haushoch überlegen sind?

Einmal mehr öffnete die Erzählung meiner Freundin eine Tür der Unbeschwertheit und ich konnte erneut erfahren, dass wir von Kindern lernen oder übernehmen könnten, wenn wir den wollten. Unser Kind wieder einladen hervor zukommen. Folgendes hat sich zugetragen. 

Vor wenigen Tagen starb unerwartet der Grossvater der Nichte meiner Freundin. Im Laufe des Tages konnte sie ein Gespräch ihrer Tochter und der Nichte verfolgen (7 & 8 Jahre jung), bei dem sie sich austauschten, wie sie denn einmal sterben wollten. Die Tochter erklärte: "also ich will in meinem Bett sterben." Die Nichte antwortete erst "Ja ich auch!" Doch plötzlich überlegte es sich eine der Beiden anders: "Nein - Besser! Ich möchte auf dem Sofa vor dem Fernseher sterben." Sie schienen beide begeistert von der Idee mit einem kleinen Einwand "Aber erst, wenn das Programm nicht mehr spannend ist."

Meine Freundin und ich mussten herzhaft lachen, als sie es mir erzählte. Diese Leichtigkeit zu einem Thema, dass bei uns Erwachsenen immer sehr schwer rüberkommt. Wir es zu dem machen. Über etwas das viele nicht sprechen, als würden sie alleine mit dem Wort, schon eine Einladung dazu aussprechen. Dabei ist es das Unumstössliche, etwas was schon bei unserer Geburt geschrieben steht - das Ende. 

Ich erinnere mich, dass ich etwa im selben Alter mit meinem Bruder auch solche Gespräche führte. Was wir uns alles ausdachten. Einige Jahre später war das bei ihm kein Thema mehr, weil er plötzlich Angst davor aufgebaut hatte. Genau dieser Bruder hat eine Tochter. also genaugenommen hat er 3, doch die Erstgeborene öffnete uns auch eine Sicht durch eine Tür. Eine die Erwachsenen oft mit doppeltem Schloss und Kettenbehang für immer verschliessen.

Ihr Grossvater verstarb (mein Vater). Sie war etwas 4 Jahre jung als sie kurz darauf mit Vater und Mutter zu einem nahegelegenen Wallfahrtsort fuhren, um dort eine Kerze für Grosspapa anzuzünden. Mein Bruder erzählte mir, sie seien zu dritt in diesem riesigen Dom gestanden, hätten das getan für was sie angereist seien und verharrten einen Moment in Stille. Plötzlich hätte sich die Kleine umgedreht, schaute nach Oben zu der Empore und winkte. "Was winkst du?" fragte mein Bruder sein Töchterchen. Sie strahlte über das ganze Gesichtchen und erklärte: "Dort oben ist Opi, er hat mir auch gewinkt." Die Kleine blieb entgegen allen Einwänden von Mama und Papa, dass dort oben niemand sei, standhaft und erklärte mir 16 Jahre später, es sei so gewesen. 

Mehr noch - mein Bruder erzählte mir nach dem Dom besuch mehrfach, dass er die Kleine nach dem zu Bett bringen, im Zimmer lachen und reden gehört hätte. Auf die Frage hin, was sie denn zum Lachen gebracht hätte, erzählte sie Opa sei am Bett gestanden und hätte ihr einen Witz erzählt. Witz war ihr Lieblingswort und sie versuchte sich oft darin jedem der es hören wollte oder nicht etwas Lustiges zu erzählen. Mein Bruder erklärte ihr, dass dies nicht möglich sei, Grosspapa sei nun im Himmel (mmmhhh - die übliche Aussage) "Nein Opa kommt immer zu mir" sagte sie mit einem ernsthaften Gesichtchen "er erzählt mir Gutenacht Geschichten." 

Ich weiss - viele werden sagen: "Das Kind hat eine blühende Fantasie" Wissen wir es?

 

Im Laufe meines Lebens und in der Arbeit mit vielen Kindern habe ich hin und wieder solche oder ähnliche Aussagen gehört. Ist es nicht egal ob Fantasie oder etwas anders? Alle Äusserungen zu diesem Thema brachten die besagte Leichtigkeit. Alle Kinder strahlten bei den Erzählungen. Genau geht doch uns Erwachsenen oft ab. Vielleicht würden wir auch weniger Angst vor dem was kommt heraufbeschwören. Mehr noch, den einen oder andern lieben Begleiter neben uns haben. Wie wäre es, wenn wir uns nicht auf ein totales und unwiderrufliches Ende versteifen. So nach dem Motto "Es darf nicht sein, was nicht 100% bewiesen oder greifbar." Denn wissen wir wie es wirklich ist und sein wird? Keiner von uns! Also warum sich das Leben schwer machen, wenn es mit Zuversicht, Einladungen an die Anderswelt und einer coolen Planung (vor dem TV zum Beispiel) viel freundlicher wird. (Schmunzel) 

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