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Zahnarzt

Nach dem Dentalhygienebesuch und der Zahnkontrolle, verliess ich mit einem guten Gefühl und voller Freude die Arztpraxis.

"Alles Ok" hat die Zahnärztin meines Vertrauens gesagt "es muss nur einer (Zahn vorne) etwas abgeschliffen werden" Ich war erstaunt, rechne ich sonst eher mit einer nicht so guten Nachricht. Zumindest wenn es um einen Kontrollbescheid beim Zahni geht.

Es scheint ihre Lieblingsdisziplin zu sein. Das Schleifen und Polieren. Sie machte es irgendwie noch hingebungsvoller als alles andere was sie sonst so in meinem Mund veranstaltete. Sie erklärte mir beim Abschied, dass wir uns wohl nicht mehr sehen werden, weil sie schon bald in Pension gehen würde.

Eine Woche später - Ich werde morgens wach - Zahnschmerzen. Wo? Genau dort wo poliert wurde. Ich gab und gebe der Ärztin keine Schuld, trotzdem war es halt genau jener, welcher...Autschen!

Im Laufe das Tages ging der Schmerz mal weg, um dann wieder zu kehren. Auch am nächsten Tag. Ich telefonierte mit der Praxis denn schliesslich war es Donnerstag. Ein Wochenende mit Schmerzen...ein no go.

Erklärte am Hörer die Sachlage und fragte nach einem winzigen Plätzchen im Terminkalender der Ärztin.  "Oh nein! Das geht diese Woche nicht mehr, wir sind restlos ausgebucht und ihre Zahnärztin ist in den Ferien." Sie fuhr mit der Erklärung rasch weiter, ohne dass ich etwas sagen konnte. "Am Montag wäre es der früheste Termin 13:15h - sollte es dennoch schlimmer werden melden sie sich einfach noch mal." 

Am Montagmorgen war ich drauf und dran den Termin für jemanden anderes frei zu geben. Denn meine Schmerzen waren seit Sonntag wie weggeblasen. Ist es nicht immer so? Man meldet sich an und dann sind plötzlich alle Probleme weg. Trotzdem rief etwas ganz leise in mir "Du musst diesen Zahn zeigen, etwas ist nicht gut." Da ich immer auf mich höre, war ich pünktlich auf dem Praxisstuhl anzutreffen. "Bitte 30 Sekunden spülen" Ja das kenn ich ja zur Genüge. "Wegen Corona ist es ein anderer Munddesinfekt - er schmeckt nicht so gut." sagte die freundliche Assistentin. Mmmmhhh! ist mir egal, ich möchte einfach so schnell als möglich wieder hier raus. Dachte ich nervös.

Der Zahnärztin war rasch alles erklärt und dem Spruch: «Sind sie auch erstaunt was ich mir alles einfallen lasse, damit ich sie vor der Pension noch mal sehe. Lach» Sie lachte kurz. "Schaaaaauuuuuuen wir maaaal" sie konzentrierte sich schon voll auf das was sie tat, deswegen zog sie beim Sprechen die Buchstaben in die Länge. Mit Häkchen und Spiegelchen in meinem Maul. "Jaaaaa! aaaalsoooo" während sie stocherte. Hier ist ein winzig kleines Stück ab. "Und hiiiier..." Aua! Sie hatte meinen Nerv getroffen "Hiiiier müüüüsssen wir flicken." 

Ich spürte, wie ich mich verkrampfte. "Oh nein" schrie es in mir... ich mag nicht..." Am liebsten hätte ich nun die 3 Wünsche einer guten Fee eingelöst. 3X raus hier biiiiitte! Stattdessen...

"Bitte notieren sie in der Patientenakte die kleine Ecke, die ab ist" sagte sie zu der Assistentin.

"Nun ist es anscheinend Offiziell - ich habe eine Ecke weg" sagte ich, um die Lage etwas unterhaltsamer zu machen. Die anwesenden lachten, Doch kurz darauf war der Ernst (und damit ist nicht unser lieber Nachbar gemeint) wieder im Raum. Ich guckte nach Oben, während die Ärztin 4-mal in mein Zahnfleisch mit der Nadel stach, dort hängt seit vielen Jahren ein riesiges Kinoplakat. Es schauten mich über 50 lachende Fische an. "Ja, ja" dachte ich "ihr habt gut lachen, ihr sitzt nicht hier fest." Wäre ich ein Kind gewesen, ich hätte ihnen die Zunge rausgestreckt. Egal ob Frau Doktor oder nicht zugange war.

Nach einiger Zeit sagte die Frau deren Hände nun gefühlte 3 Stunden in meinem Mund gewerkelt und natürlich geschliffen und poliert, haben: "So nun ist alles in Ordnung. Es erstaunt mich, dass sie das gemerkt haben, dass da was nicht stimmt."

Ich zuckte mit den Schultern, während ich in den Spiegel schaute, den sie mir zur Kontrolle ihrer Arbeit übergeben hat. "Ich sehe gar kein Unterschied, wo haben sie geflickt." Die Damen lachten, dachten ich hätte einen Spass gemacht. Doch mein Mund war auf der rechten Seite immer noch betäubt. Es liess sich echt nicht spüren, wo etwas stattgefunden hat. Ich lachte halt mal mit. Damit macht man nie was falsch. hahaha

Der Spukumhang wurde mir abgenommen und die Handtasche vom Stuhl genommen. Wir gingen gemeinsam in den Vorraum, dort brummte grad der Bär. 4 weitere Patienten standen dort und noch etwa 3 Angestellte. plus wir 3. Es schien alles sehr laut und irgendwie etwas hektisch.

"Also, Frau ... ich hoffe, wir sehen uns hier nie mehr wieder." Sprach ich hinter meiner eben aufgeschnallten Antivirusmaske hervor. Als hätte jemand die Szenerie des Vorzimmers eingefroren. Etwa so, wie wenn wir zuhause beim Fernseher die Pausentaste drücken. Totenstille...alle Augenpaare schauten mich an. Ich musste mir das laute Herauslachen verkneifen. Es war wirklich wie in einem Film.

"Das hoffe ich auch." sagte die Ärztin "Alles gute" wünschte sie mir. "Das wünsche ich ihnen in ihrer Pension von Herzen auch" Und als hätte man die Pausentaste wieder erlöst, gingen die Augenpaare von mir weg und das Gewusel von vorhin nahm seinen Lauf. 

Es war so lustig. Nun sitze ich hier mit einem reparierten Zahn, zwei Zahnreihen bei, der alles in Ordnung ist und der Hoffnung, dass dies bis an mein Lebensende in vielen Jahren so bleiben wird. 

 

Und die Zahnärztin hat mir auf den Weg gegeben, dass wenn wir uns mal per Zufall treffen sollten, wie gemeinsam einen Kaffee trinken gehen. Das ist doch viel besser als alles was ich sonst mit ihr in den letzten 15 Jahren erlebt habe. Eine neue Chance uns anders kennenzulernen. Ohne irgendwas an Werkzeug im Mund und mich auslachende Fische über dem Behandlungsstuhl. Lach!

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