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Gewinner...

Vor etwa drei Jahren wuchs an einer Stelle, dort wo der Gartenweg lang geht, plötzlich etwas aus dem Boden, dass ich nicht gepflanzt hatte.

Es schoss innert kurzer Zeit in die Höhe, suchte seinen Flucht über den Gartenweg, um sich dann an Nachbars Flieder festzuhalten. Was ist das? Fragte ich im Internet mittels Fotos eine Expertengruppe. Es dauerte nicht lange, da erhielt ich die Antwort: "heimische Waldrebe". Ich war ratlos. "Wie konnte sie nur hier ihren Standort finden, ich habe sie nicht gepflanzt?" So meine 2. Frage an das Expertenteam. Eine nette Frau schrieb mir zurück: "Meist werden die Samen durch Hilfe von Tieren in den Garten gebracht. Keine Vögel - eher Katze oder Hund...in dessen Fell haften sich die Samen an und dann nimmt das Ganze seinen Lauf. Sozusagen agieren die Katzen oder Hunde als Samentaxi." 

Ich sendete ihr ein Foto von Mai-Lin. Mit dem Text *Das süsseste Taxi ever*

 

Kurz darauf sah ich durch Küchenfenster wie der Nachbar seine Büsche zurückschnitt. Seine Worte waren nicht gerade freundlich, das musste ich zumindest seinem Gesichtsausdruck entnehmen, als er Meterlange Arme dieser besagten Pflanze aus seinen Sträuchern zog.

Gut Wetter machen war nun angesagt. "Sorry! für den fremden Fötzel" (ein nicht ganz so schöner Ausdruck für ein Fremdling) Seine Miene erheiterte sich. "Ich weiss auch nicht, wie das hierherkommt" erklärte er. Erst da sah ich, dass nicht nur *meine* Pflanze zu ihm rübergewachsen ist, sondern auch er Ableger zu verzeichnen hatte. Uff! Noch mal gut gegangen. Nicht alleine Schuld. Er zog und zerrte fluchend an den langen Armen der Pflanze, grub dann den Pflanzenstrunk aus und sagte «so – fertig da mit dem Mist» ich verstand den Rest nicht… egal.

 

Herbst - ich schnitt das lange Ding ganz kurz zurück. Der Winter wird es schon richten. Denkste! Frühling - ein bisschen wie ganz dünner Spargel wuchs das *Ding* wieder in die Höhe. Stangen und Stecken verhinderten, dass es quer über den Weg wuchs. Nein - Bitte nicht wieder in Nachbars Garten. Ich zog die Rebe mittels Schnur den Weg entlang über den Rosenbogen wieder an der Schnur zurück. Oh mein Gott! ich glaube der Rückschnitt im Herbst hat mehr gefördert als verhindert. Nun wollte sie es aber wissen, diese Rebe...diese elende Rebe. Ich hatte den Satz noch nicht fertig gedacht, da entdeckte ich an ihr winzig kleine Blütenknospen. Im Sommer war sie über und über mit schier unsichtbaren kleinen Blumen geschmückt. Ganz dezent und man hätte sie kaum wahrgenommen, wären sie nicht von Bienen besucht worden.

Ok! Das ist das was mein Erstreben ist. Ein Garten voller Blumen und Bienen. Warum sollte ich also den einstigen Eindringling von nicht zum Freund machen? Ich erzählte Schatz mein Vorhaben, der von der Pflanze bei der Ausfahrt aus dem Schopf mit dem Motorrad eingeschränkt wurde. Mehr noch, meine Konstruktion von Schnur und festbinden, einem einfachen Stützgerüst, den Herbststürmen nicht standhielt. Die Pflanze mit ihren nun 4 Meter langen Armen überall hing, nur nicht gesittet, wie sie sollte.

Vor ein paar Tagen entdeckte ich an den vermeintlich verdorrten Medusa Armen der Waldrebe, kleine grüne Blätter... "Sie lebt noch" sagte ich zu Schatz beim Frühstück. "Es muss eine gute Lösung her" 

Schatz verschwand gestern im Schopf, wirkte den ganzen Tag mit Säge, Schleifmaschine, Fräse, Bohrer und Schrauben an einem Bogen, welcher zu unseren Rosenbögen und dem Laubengang mit Pergola passt. Zuletzt wurden die 6 Meterlangen Arme der Waldrebe daran festgebunden. Ich kann sagen, es sieht einfach Hammermässig aus und ich freue mich schon, wenn sie dick und üppig sich daran weiter ausbreiten kann. Danke Schatz!

 

 

Und der Gewinner ist...? Nicht nur die Waldrebe mit ihrem langen Atem, auch wir... welche nun eine treue Bienenfreundliche Pflanze, leicht gezähmt als Bogen über dem Gartenweg, verzeichnen können. Etwas das nicht gekauft, sondern von der Natur geschenkt. Das ist doch genial… oder nicht?

 

Im Foto siehst du den Herbstsamen der Waldrebe. Wie kleine Beatles Frisuren...

 

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