· 

Bunt & Liebevoll

Bunt & Liebevoll

 

"Wie schön" flüsterte ich in den Kochtopf. Ja, ich glaube ich bin nun auch in das Alter gekommen, in dem Selbstgespräche beginnen. Naya blickte von ihrer Decke auf. Wahrscheinlich hat sie meine Worte als Bestätigung aufgenommen, weil sie so ruhig und brav auf ihrem Plätzchen liegt. Mich beobachtet beim Werkeln. Ich schmunzelte sie liebevoll an. Zumindest hoffte ich, dass es so bei ihr angekommen ist. Ja, das mit den im Alter hängenden Mundwinkel ist so eine Sache für sich. Lach! Frau muss nun mehr Muskulatur einsetzen, dass es am Ende auch nach einem Lächeln aussieht. Ich muss über diese Erkenntnis lachen. So auch über die neu entdeckten Falten um meinen Mund herum. "Wie kamen die Zustande" fragte ich Schatz eines Morgens aus dem Badezimmer kommend "Kannst Du Dir das erklären?" Nein - ich war nicht empört und Schatz hatte auch keine Antwort. Lieb wie er meistens ist, äusserte er sich mit dem Satz: "Das ist bestimmt vom Schlafen, vom Kissen... die glätten sich wieder."

Ne! taten sie nicht. Sie sind nun definitiv in mein Gesicht eingezogen. Das wir uns richtig verstehen, mich stören Falten nicht im Geringsten, denn sie sind für mich ein Zeichen des Lebens und das war bei mir bewegt genug. Also - warum soll ich dann keine in meinem Gesicht oder anderswo tragen. Ich kann es Dir eher so erklären als dass ich Neugierig bin. Möchte wissen, von welcher Mimik sie entstanden sein könnten. Doch auf diese Antwort musste ich einige Tage warten. Stattdessen sah ich im Laufe des Tages beim Durchsehen eines Albums eine alte Aufnahme von mir. Damals - als meine Augenlieder noch etwas frischer und dementsprechend höher standen. Damals als ich Komplimente für meine Augen erhielt. Heute ist es nur noch die Farbe, die hin und wieder... eher selten angesprochen wird. Ein gewöhnliches Rehbraun, das ich schön finde! Lach!

Damals, die Haare mal braun, mal schwarz oder in verschiedenen Rottönen leuchteten. Damals, als Schatz die Farbe schwarzviolette am besten an mir gefiel. Ja ja – das waren noch Zeiten – grins!

Gestern fragte ich ihn: "Fällt Dir etwas auf?" Er nickte und meinte: "Grau bist Du geworden." Hahahaha Er hat damit nicht unrecht. Doch ich erwartete eher er würde die 3 Kilo sehen, welche ich an Körperumfang verloren habe. Lach! 

Das macht mir alles nichts aus, es fällt halt einfach auf, wenn man sich pflegt und im Spiegel anschaut. Was ist zu tun - in meinem Fall nichts, ich sehe mich nicht in einer Notsituation oder genötigt etwas tun zu müssen. Ausser auf den Rest des noch da gebliebenen und den ich bestimmt nicht verstecken muss, Sorge zu tragen. 

Ich rührte im Kochtopf, sah wie die Farben der Gemüse, welche mir so gefallen in eine Richtung schwammen. Machte mit dem Kochlöffel eine Kehrtwendung, "so nun kommt ihr mal aus eurer Komfortzone - lach" Sie schwammen nach einem kleinen Durcheinander in die entgegengesetzte Richtung. Deckel drauf und köcheln lassen. Kartoffeln, Karotten, Sellerie, Lauch, Kürbis und Federkohl, erst kurz angedünstet, dann mit einem Schuss Weisswein, Wasser, Brühe und Gewürze, wie Koriander, Fenchelsamen, Pfeffer, Thymian, Rosmarin, Paprika und Lorbeer und etwas Zitrone hinzu, um zu verfeinern. Ja, bunte leckere Vitamine das brauche ich. Farbe - Möglichst jeden Tag, hier in Form einer Gemüsesuppe zum Mittagessen. Zudem, gute Laune, ein liebevolles Umfeld und Harmonie. Gesund bleiben will ich, nach Draussen gehen können, zufrieden und glücklich sein. Das will ich! Mit Schatz und Hund!

Und zum Schluss, löste sich das Rätsel um meine neuen Falten um den Mund. Es hat sich am selben Tag, dem Suppentag und der Erkenntnis was mir alles nichts ausmacht, geklärt...

Als ich die Hausarbeit erledigte und beim Spiegelputzen erneut mein Gesicht sah. Mit gespitzten Lippen beim Pfeifen eines Songs aus dem Radio - Ich glaube es war Tragedy (Tragödie) *hahaha* von den Bee Gees und da sah ich, woher diese Fältchen herrührten. *hahaha* Wie bin ich gesegnet, wenn ich von der Zufriedenheit Spuren erhalte. *schmunzel*

Kommentar schreiben

Kommentare: 0