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Weite Reise

Ein Blick durch das Dachflächenfenster verhiess, dass er angekommen war. ER - ist der vor Tagen angekündigte Saharastaub. Ich muss sagen, im ersten Moment etwas ungewohnt.  Ein Rosa Belag mit sichtbaren Wassertropfen Zeichen, welche schon eingetrocknet waren, lagen auf der Scheibe. Das Gegenüberliegende Gebäude und der Hügel wo ab Frühling die Kühe wieder grasen, hatten beim Durchblick eine ganz eigene Struktur erhalten. Natürlich nur so lange das Fenster geschlossen. "Schatz- es ist alles voller Saharastaub" rief ich ins Schlafzimmer, wo er sich gerade fertig machte. "Du brauchst es nicht zu putzen, es regnet laut Meteo schon bald...dann…" Den Rest des Satzes konnte ich mir denken. Doch sprach ich ihn aus, als wir eine halbe Stunde später die Haustüre öffneten, um auf den Hundespaziergang zu gehen. Als Schatz sein geliebtes Auto ebenfalls gepudert von Sahara erblickte, schien er nicht gerade begeistert. "Es regnet schon Bald und dann ist alles weg." gab ich seine Worte von eben wieder. Er brummelte "Gut so!" und machte sich mit Hund an der Leine los, ich hinterher. Lach!

Der Weg durchs Quartier war interessant. Manchen Autofarben stand das Rosa richtig gut. Auf Schwarzen zum Beispiel, dafür sah man es auf dem goldenen eines Nachbarn kaum. Naya interessierte das Ganze nicht. Ihre Welt scheint immer rosa zu sein, Hauptsache alle sind beisammen im Dreierpack, sozusagen. Lach!

Später nach dem Frühstück versuchte ich herauszufinden wie viele Kilometer der ganze Staub bis zu uns wohl geflogen sein mag. Wir kamen auf eine Zahl von knappen 3`900 Kilometern, die man mit dem Auto und der Fähre zurücklegen müsste, um bei der benannten Wüste anzukommen. Ist das nicht ein Wahnsinn? Da sind Abertausende - ach! Quatsch - Abermillionen von Staubkörnchen gemeinsam auf grosse Flugreise gegangen. Ob sie wollten oder nicht, der Wind hat das bestimmt. Genau - und eben jener Südwestwind scheint sehr kreativ zu sein. Pustete die Masse von Nordafrika über das Mittelmeer, über Italien, mit Schwenker nach Österreich und weiter nach Deutschland, nicht ohne über die kleine Schweiz zu sausen. Was die wohl alles gesehen haben müssen... diese Reisestaubkörnchen. Unglaublich!

 

Um dann als sogenannter Blutregen, das ist dann, wenn sich der Staub mittels Regen niederlässt, auf meinem Badezimmerfenster, unserem und anderen Autos, das Quartier, das Dorf, die Städte, Strassen, Pflanzen, Wiesen, Wälder, Berge und Höhen, herabzukommen. In einer österreichischen Tageszeitung las ich: "Nun ist es vorbei mit dem weissen Winterbild! Der Saharastaub färbt die weisse Pracht in ein unansehnliches Gelb." Es scheint generell für viele ein Problem zu sein, wenn Dinge eine andere Farbe erhalten als gewohnt. Auch wenn es nur für einen halben Tag ist, denn unterdessen regnet es seit dem Mittagessen und damit ist der ganze Spuk vorbei. In Österreich wird der pipifarbene Schnee mit neuem zugedeckt und Schatzes und andere Autos sind in der Farbe wieder so, wie vor dem Intermezzo. Also gönnen wir doch den Staubkörnen die Reise und sehen es als einen Gruss aus einem fernen Land. Eines, dass wir im Moment eh nicht bereisen können. 

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