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Getrieben

Vom nahenden Datum des 31. getrieben, dem letzten Tag des Jahres, begab ich mich heute in den Keller. Es gibt Dinge, manchmal beinahe schon selbst gesetzte Gesetze, die nur für mich gelten. Jedem anderen würde ich sagen: "Ach - hetz Dich doch nicht noch ab, im nächsten Jahr hast Du genügend Zeit. Das muss doch nicht unbedingt jetzt sein." Und diese Aussage meine ich ehrlich.

Doch genau diese gilt nicht für mich, wenn es darum geht, kurz vor dem besagten Letzten noch Dinge in Ordnung zu bringen, die ich so, ja genau so, nicht ins neue Jahr mitnehmen möchte. Es ist eine Art Ritual seit vielen Jahren geworden.

Also wurden heute im Keller noch Regale geordnet und Ware zusammengestellt, welche meiner Meinung zueinander gehören. Wie praktisch sich die neuen selbstgemachten Möbel von Schatz in seinem Werkstattrefugium als Ablagefläche anboten. Doch alles was in letzter Zeit daraufgestellt oder gelegt worden war, musste heute verstaut werden. Eine wieder freie Zone sollte wiederhergestellt werden.

ORDNUNG MUSS HER! Sagte mein Kopf.

Ganz vertieft in meine Arbeit, vernahm ich aus dem Radio einen Bericht über das nun Bald der Vergangenheit angehörende Jahr. Zuerst fand ich es Schade, dass keine Musik mehr lief, doch mein eigener Rückblick wurde mit der etwas monotonen Stimmer der Moderatorin alsbald angeknipst. 

Ich glaube es gibt niemand der dieses Jahr nicht als ein aussergewöhnliches betitelt. Vieles wurde aus den Fugen gehoben. Kam anders als gedacht. Lustiger weise entdeckte ich gerade nun eine Plastikbox auf der Naya stand. Hier stand noch bis Anfang August ebenfalls eine mit dem Namen Mai-Lin. Ihre Artikel wurden alle ausnahmslos verschenkt oder entsorgt. Frotteetücher, Leinen, Bürsten, Spielzeuge und vieles mehr. Wir wollten eigentlich eine Hundefreie Zeit für Monate oder gar Jahre. Vielleicht gar keinen Vierbeiner mehr.

Lach - Bis knappe 4 Wochen später die Anzeige von Naya mittels Mail bei uns ankam. Die viel zu lange Liste, der Dinge, die wir alle ohne Hund erleben wollten, wurde kurz nach dem ersten Eintreten von Naya in unser Zuhause, zerknüllt in den Papierkorb geworfen. Dies ohne Wehmut, denn schliesslich hatten wir uns mit ganzem Herzen für sie entschieden.

Mit ihr kam jedoch alles anders als nach Mai-Lins Weggang und Trauer erdacht.

 

Der geplante Urlaub ging ebenfalls wie bei den meisten, über den Jordan, Sorry! über den Atlantik. Denn dort hätten wir 14 Tage im alten Haus bei den Dünen verbracht. Stattdessen arbeiteten wir wie die Wilden im Garten. Gestalteten Neues und entsorgten Altes. Merkten einmal mehr, wie gut wir uns verstehen, auch wenn wir Stunden, Tage, Wochen zu Hause verbringen. Selbst wenn zwischendurch mal eine Donnerwolke am Horizont erschien, man das Verhältnis nicht schlecht reden kann. Diese Zeit nahmen wir als Probelauf zu Schatzes Pensionierung in wenigen Jahren. Bestanden!!! Ja genau – mit drei Ausrufezeichen.

 

Meine Gedanken während der einen Stunde im Keller, oder waren es gar 2? und der Werkstatt, drehten sich um ein Jahr voller Ungewohntes, Unerwartetes und Ungeplantes. Ziehe ich einen Strich, steht darunter mit fetter Schrift - Ein gutes Jahr - Wir wurden nicht ernsthaft krank, hatten immer genug zu essen, ein Dach über dem Kopf, eine warme Stube, ein kuscheliges Bett, einen Garten, eine schöne Umgebung, die zum Spazieren einlädt. Internet und Telefon, um Freunde zu erreichen. Eine Vierbeinerin, die uns manches Lächeln aufs Gesicht zaubert. Und nun - nun sogar einen aufgeräumten Keller. Apropos, der Schopf musste auch grad noch dran glauben. lach! Was will man mehr. Ein Gejammer über das Vergangene wäre wirklich unangepasst und undankbar. Wir haben es wie so viele, trotz der ganzen Pandemiegeschichte gut.  

 

Als Schatz mit einigen Kartons, Flaschen und Altmetall zur Entsorgungsstelle fuhr, spürte ich, nun bin ich bereit in wenigen Tagen das Neue zu beginnen. Mit Schatz und Hund und bereit für das was kommt...  

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