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Knitterfrei

Meist verstehe ich es nicht, diesen Hype um eine Faltenfreie Gesichtshaut. Und dies ganz sicher nicht, weil ich mit relativ guten Genen, zumindest im Gesicht gesegnet bin.

Fazit - ich muss nicht alles verstehen, dafür das eine oder andere Mal stehen lassen. Auch wenn es in meinem Umfeld, auf Grund meiner Altersgruppe zum Dauerthema zu werden scheint. Ich höre es beim Einkaufen, sehe es in der Werbung und im TV generell.

Ich mag Gesichter, die etwas erzählen und das tun sie so wie vom Leben gegeben. (meine Vorliebe Lachfalten) Viel mehr als glattgebügelt. Ja genau - das ist der richtige Ausdruck - Glattgebügelt - wie ein Hemd das fertig geglättet vom Bügelbrett gezogen wird.

Oft erschrecken mich den Gesichtern der jungen Frauen, die wie mir scheint einem Einheitsbrei entgegen marschieren. Obwohl jeder Individuell und als etwas besonderen vom Besonderen auftreten möchte. Ohne zu merken, dass sie ein weiteres Opfer der sogenannten Schönheitschirurgie geworden sind und nun in die Schublade 0/8 15 geschoben werden können. Zumindest optisch. Doch Unterfüllungen hier, Hyaluron da und zu guter Letzt noch etwas Botox, scheint das MUSS der neuen Gesellschaft zu sein. So wie verschiedene Körperteile die daran glauben müssen. Auch das muss ich nicht verstehen. 

Und so habe ich aufgehört, jemandem vermitteln zu wollen, dass er für mich auch mit all seinen Falten, auch mit einer schmaleren Lippe und keinen hohen Wangenknochen schön aussieht. Doch ich glaube da befinde ich mich auf verlorenem Posten.

Ich erinnere mich an eine Zeit als ich mich zu schminken begann. erst zart, dann immer heftiger und experimentierfreudiger. Damals, als die Schönheitschirurgie nur den Hollywoodstars vorbehalten war. Doch meine Ausbeute an Farben, Pinsel und sonstigem war riesig. Durch eine Lehre als Coiffeuse und Visagistin, war ich voll in dieser Tretmühle gefangen. Jeder vor allem der Chef verlangte, dass ich "Aufgemotzt" erscheine. Schliesslich machte er und am Ende ich meinen Lohn damit. Später mit einer weiteren Lehre in der Modebranche, tat es genau diesem Thema keinen Abbruch. Es wurde für mich so wichtig, dass ich mich nicht einmal mehr ungeschminkt und ungestylt zum Postkasten bewegte. Unbemalt die Türe öffnen -ne - das kam gar nicht in Frage. Ich fühlte mich mehr als nackt.

Man definierte mich über mein Aussehen, wie das meist geschieht. Hielt mich für eine süsse, dümmliche Modepuppe. Obwohl in mir anderes schlummerte. Am schlimmsten, ich glaubte dem entsprechen zu müssen, fühlte mich jedoch – ich nenn es mal rückblickend – Fremdbestimmt. Damals hätte ich diese Aussage verneint.

Wo war mein Selbstwertgefühl hin? Fragte ich mich eines Tages. Hatte ich überhaupt welches? Wenn ich mich nicht einmal mehr ungeschminkt zeigen wollte?

Und dann... dann holte ich Schrittchen weise mit der Veränderung meines Lebensstils und mit dem Tun was mir entsprach die echte Angel hervor. Mein "Freundeskreis" aus Models, Designern & Frisören verschwanden zusehends. Bodenständiges lösten sie ab. Menschen mit Tiefgang und Verlässlichkeit. Ich fühlte mich gut aufgehoben, ausserhalb der *Schein- Glitzer und hast Du nicht gesehen Welt. * Mein Befreiungsschlag gab mir Halt. Der Kreis aus Oberflächlichkeit, Party, Fun und jedes Klischee, das abzudecken galt, verschwanden auf nimmer wiedersehen. Uff!

 

Heute weiss ich zu 100% - Hey! Leute - Zufriedenheit macht schön, Glücklich sein noch schöner... hahaha - tun was die Seele vorgibt, das bringt jeden Menschen zum Leuchten. Es tut dem Selbstwert soooo gut! Da braucht es alles Obenerwähnte nicht und vor allem keine ausdruckslosen Maskengesichter. Doch - wie schon erwähnt, auch das muss ich nicht verstehen. Wenn nicht da manchmal das Gefühl hervorblitzen würde, den einen oder anderen Wachrütteln zu müssen. Hahahaha! Trotz dem Wissen, dass jeder seinen eigenen Weg gehen und erarbeiten muss. Doch zum Schluss sei gesagt: «Hey! DIE SEELE MUSS FALTENFREI SEIN, nicht das Gesicht!» 

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