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Busfahrt

Es gibt wahre Geschichten, die hören sich wie aus dem heile Welt Bereich an. Es gibt wahre Geschichten, die sind symbolträchtig, ohne es vielleicht sein zu wollen. Und dann gibt es jene, welche wie für die Vorweihnachtszeit gemacht. Wer hat die geschrieben?

Das Schicksal, der Liebe Gott oder das Universum? Und die Menschen in diesen Geschichten sind die Statisten, welche mit dem Gongschlag ihrer Geburt dafür vorgesehen wurden? Man weiss es nicht...

 

Meine heutige Geschichte hat sich tatsächlich so vor ein paar Tagen zugetragen und ich finde alle drei Beschreibungen können darin gesehen werden. Vertreten sind die HEILE WELT, sie SYMBOLTRÄCHTIGKEIT und das Gefühl von VORWEIHNACHTLICHEM FRIEDEN. Deswegen möchte ich sie Dir nicht vorenthalten. 

 

Es schneite seit Stunden und nicht nur die Wiesen und Dächer der Häuser und der Autos waren weiss, sondern auch alles andere was der Schnee so in den Griff bekommen konnte. Die Strasse glatt und für den Verkehr nicht ungefährlich.

Der Linienbuschauffeur aus dieser Geschichte ist noch nicht allzu lange im Betrieb tätig. Seine Kollegen meist viel älter und erfahrener als er. Wie sollte er auch, war er zum Teil halb so alt oder jung wie sie. Bestimmt wird er hin und wieder auf Grund dessen etwas beschmunzelt. "Ja ja - der Junge Hüpfer, was weiss der schon". Wird es wohl mehr als einmal hinter seinem Rücken heissen. An diesem Montag war er wieder mit seinem Schwergewicht und den Passagieren, auf seiner Tour unterwegs. 

"Mmmmmhhhhh! Genau auf meiner Strecke muss das passieren" hat er wohl gedacht, als er in der Ferne bei Schneegestöber mehrere Lichter sah und die Polizei im Einsatz erkannte. Er sah, dass ein anderer Bus verunfallt war. Anhalten? Helfen? Nein, es wurde schon geholfen. Also konzentrierte er sich auf seine Aufgabe. Auf jeden Fall die Geschwindigkeit noch mehr reduzieren. Die Fahrbahn war ganz schön winterlich, um es mal etwas nett auszudrücken. Und nun kam genau dieser Abschnitt, wo die Strassenführung Bergwärts ging.  Er musste etwas unternehmen, dass er auch wirklich das nächste Ziel erreichen würde. Es war so rutschig, schlechte Sicht und dann das schwere Gefährt. Er hatte doch die Verantwortung für die Menschen in seinem Bus und für das Gefährt selbst. Es gilt immer, die Passagiere, SEINE Passagiere heil von A nach B zu bringen, so auch heute. Egal was das Wetter für eine Ansage macht.

Er hielt kurz vor dem Unfall Ereignis an, obwohl ihn der Polizist vorbei winkte. Doch er merkte, dass dies, mit diesem weissen Strassenbelag nicht so einfach werden würde. Der Bus bekam nicht genügend Haftung und würde ins Rutschen geraten. Er wollte nicht der nächste Unfall sein.

So stand von seinem Sitz auf, stellte sich in den Mittelgang und sprach "Liebe Leute, ich weiss wie die Bestimmungen während dieser Viren Zeit sind - Maskenpflicht und genügend Abstand zueinander, doch ich muss sie nun Bitten, dass sie sich alle in den hinteren Teil des Busses begeben." Viele Augenpaare guckten ihn an. Er glaubte unzählige Fragezeichen in ihnen zu sehen. "Wer das nicht möchte, weil er Bedenken hat, den lasse ich gerne raus. Doch ich wäre ihnen wirklich dankbar, wenn sie helfen würden, dass wir die Fahrt fortsetzen können. Es ist nur für einen kurzen Moment" Er öffnete eine Türe und einige wenige Menschen stiegen aus. Er hegte keinen Groll gegen sie. Jeder muss für sich selbst entscheiden.

Alle anderen bewegten sich in den hinteren Teil des Gefährts. Er nahm in seinem Führerstand wieder Platz, löste die Bremse und gab langsam Gas. Er merkte - SO WAR ES ZU SCHAFFEN! Und siehe da, tatsächlich - der Bus fuhr langsam an den etwas komisch guckenden Polizisten vorbei und weiter und weiter und weiter, bis er auf der Anhöhe ankam. Die Mitfahrenden wieder Platz nehmen und er seine nächsten Haltestellen ohne Probleme anfahren konnte.

An diesem Spätnachmittag kamen alle SEINE Fahrgäste, trotz der Umstände, wohlbehalten an diesen an. Und so wie ich ihn kennenlernen durfte, hat er sich auch ganz herzlich bei allen bedankt.

 

Und nun sag selbst - ist es nicht eine *heile Welt-, Symbolträchtige- und Vorweihnachtliche* Geschichte? Ich finde, sie hätte nicht schöner geschrieben werden können. Ist es nicht so, dass man miteinander so vieles erreichen kann, auch in diesen Zeiten und mit Abstand, doch mit Anstand. Man dabei jedem die Wahl lassen sollte, ob er aussteigen oder mitfahren möchte. UND, dass man viele Hindernisse überwinden kann, mit Bitten, Freundlich sein und einem Danke.

 

Es freut mich sehr, dass ich diesen jungen Mann kenne, der nie mit dieser Geschichte hausieren gegangen wäre. Genau deswegen habe ich sie auch nicht von ihm erfahren. Doch wünsche ich ihm auf seinem weiteren Weg, ob im Bus oder anderswo, alles erdenklich Gute! Möge er nie diese Empathie für seine Mitmenschen, die Lösungsorientiertheit und das Pflichtgefühl verlieren. 

 

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