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Grossmutter

Ich weiss nicht warum, doch als ich dies heute Morgen las.... da.... da dachte ich plötzlich an meine Grossmutter Väterlicherseits.

 

"Gerade das unscheinbar so untätige Herumsitzen bei der Meditation,

das Dasitzen in Stille und Aufmerksamkeit, ist die Situation, in der wir uns am stärksten mit allen und allem verbinden."

 

- Edel Maex aus dem Buch Mindfulness - gelebte Achtsamkeit. 

 

Ich kannte sie nicht, Meine Grossmutter aus dem Bergkanton. Nicht einmal ihren Vornamen. Sah sie ein einziges Mal auf einem Foto, dass Papa eines Sonntags mit Goldfarbe am Küchentisch kolorierte. Seine Gesichtszüge waren dabei so ungewöhnlich sanft, seine Augen glänzten mit Tränen gefüllt.

Das Bild einer Frau mit einem Antlitz, das von einem nicht ganz einfachen Leben erzählte. Das war meine Oma auf dem Foto. Trotzdem mit etwas liebevollem im Blick. Ihr Haar streng nach hinten zu einem Knoten gekämmt. So wie fast alle Frauen in unserer Verwandtschaft Väterlicherseits. In Graubräunlichem Ton war es - das Foto, an den Ecken schon etwas abgegriffen, in der Mitte einen Knick, den man mittels Bügeleisen versucht hatte, wieder zu glätten. Es gelang leidlich.

Mein Vater trug es lange Zeit bei sich. Sagte, es sei die Beste Mutter und Frau gewesen, die man sich vorstellen konnte. Seine Geschwister spöttelten, er sei halt das Nesthäkchen und sei Mama immer am Rockzipfel gehangen. Ich konnte ihn mir nicht vorstellen, mein meist furchteinflössender Vater als kleiner Bub. Vielleicht begleitete er sie auch dann, wenn sie in die Kirche zum Beten ging. Jeden Tag.

Genau daher kommt vielleicht der Schlüssel zum Vorschein, warum ich die oben erwähnte Meditation mit meiner Grossmutter in Verbindung brachte. Ihr hartes, wahrscheinlich graues Leben, beinahe wie die Farbe des Fotos, wurde in der Kirche bestimmt mit Hoffnung gefüllt. Bitten an Gott für einen liebevolleren Mann, für die 7 überlebenden Kinder, dass aus ihnen was Anständiges wird und für die Kinder, welche zu früh schon zu den Sternen gegangen sind.

Sie sei eine unscheinbare, ruhige Frau, mit einem sanften Wesen gewesen. Ich bin überzeugt, dass das tägliche in der Kirche sitzen, in der Stille und im Gebet, ihre Meditation war? Bestimmt hat sie sich dann ihren Hoffnungen und Gott ganz nah gefühlt, besser als sonst wo und hat wie in einer täglichen Meditation die Kraft und die Stärke geholt, um das Leben so besser zu meistern. Ich hätte sie gerne gekannt - meine Oma aus den Bergen. Die einst in einem Haus neben der Kapelle, dass auf Schweizer Postkarten zu sehen ist, zur Welt kam und dessen Enkelin nun an sie denkt. Auch wenn wir uns nie begegnet sind, uns um 10 Monate verpasst. Doch genau in diesem Moment irgendwie ganz nahe sind. Vielleicht sollten wir alle viel mehr in uns gehen, um Ruhe zu finden. Ob wir es in der Meditation, im Glauben, der Kirche oder sonst wo finden, egal – die Ruhe ist die Kraft!

 

Ich grüsse dich in der Anderswelt liebe Oma aus den Bergen. 

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