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Umgestalten

Seit Tagen wird in unseren Wohnräumen das Blatt zum Spätherbst und Winter umgeschlagen. Gedanken über Advendsdeko und Weihnachtskarten gemacht. Seit unendlich vielen Jahren passe ich unsere Umgebung mit Deko jeder Jahreszeit an. Selbst als ich noch ausser Haus Berufstätig war. Mehr noch, in meiner Anfangszeit der gemeinsamen Wohnung mit Schatz war das Ausmass noch heftiger.

Er, der es lieber mal etwas stetiger pflegt und mit der einen oder anderen Umstellung seine Mühe hat. Ausgerechnet er, geriet an eine Frau, die alle paar Wochen eine neue Idee hatte, wie man die Möbel vielleicht auch noch ein bisschen besser ins Szene setzen könnte. Ich war diesbezüglich so ein unruhiger Geist. Diesen *Drang* kann ich mir nur so erklären, dass ich von Kind an, bis zu unserem Kennenlernen an elf verschiedenen Orten, Wohnungen, Familien gewohnt habe. Allein als ich mit 17 zuhause auszog bis 20, 3 Umzüge hinter mir hatte. 

Ich erinnere mich gut an eine Episode, da hatte ich wieder mal montags frei, die Hausarbeit war erledigt, die Wäsche wusch und da kam mir die Idee, das Kopfteil unseres Betts könnte demontiert werden. Denn würde ich dieses Polsterding entfernen, wäre das Schlafzimmer ein bisschen grösser und es würde optisch viel besser aussehen. Na, auf was warten, bis Schatz von der Arbeit kommt? Er würde eh damit nicht einverstanden sein. Also! Selbst ist die Frau - lach. Ichmachte mich an die Arbeit und war erstaunt, wie einfach das Demontieren ging. Anschliessend zog ich es über den Spannteppich (ja das hatte man damals noch) bis zur Schlafzimmertüre. Stellte es dann in den Rahmen und holte den kleinen Teppich von neben dem Bett. Darunter gelegt konnte ich das Teil von 1,80m mit einem mittleren Umweg über einen kleinen Teil des Badezimmers, durch den langen schmalen Flur und dessen Travertin Boden ziehen. Wieder an die Wand gelehnt, öffnete ich die Wohnungstüre. Hob das Ding über die Schwelle etwas an und an den Rand der Treppe. Es war so Schweine schwer - ich erinnere mich gut! Lach!

Und genau deswegen liess ich es nun Stufe für Stufe runterrutschen. Klar! es machte Lärm - doch nur so konnte ich diesen Krieg mit dem Ding und mein Vorhaben, in diesem Haus wo alle Tagsüber arbeiten, gewinnen. Hilfe! ne Hilfe gab es dort Tagsüber nicht. So glaubte ich zumindest. Als ich das sperrige Ding an der Wand des Flurs zu meinem Keller abstellte, stand plötzlich der Nachbar mit einem baumelnden kleinen Teppich in der Hand im Gang. Uch! 

"Alles Ok?" fragte er und ich nickte mit hochrotem Kopf von der Anstrengung. "ah! Du bist zu Hause - wenn ich das gewusst hätte" grinste ich ihn an. Er grinste zurück "das ist wohl deiner" und streckte mir den Teppich entgegen. "Brauchst Du noch Hilfe" Er war zu freundlich, doch leider zu spät. "Nein - ist alles gut - Ausser - meine Wohnungstür ist noch offen, könntest Du?" Er nickte. "und dann schmeiss doch bitte vor dem Schliessen, den Teppich hinein - Danke!" 

Als er verschwunden war schloss ich die Türe des Kellers auf. Es war kein Bretterverschlag wie ich ihn von anderen Kellerräumen kannte. Es war ein langer schmaler in sich geschlossener Raum, nur mit Lüftung und ohne Fenster. Die Wände aus Beton und die Türe so massiv wie eine Wohnungstüre. So zog ich das Teil um die Ecke in den Raum. Ich hatte das Gefühl es hätte zwischenzeitlich an Gewicht gewonnen. Nun war es schon 2 Schweine schwer. lach!

"Uff drinnen!" ich schloss die Tür von innen, denn es sollte genau hinter diese, in eine wirklich Ideale Ecke, deponiert werden. Nur der Boden aus hubbeligem Beton liess kaum eine kurze Bewegung zu, dann steckte das Ding irgendwie fest. Ich konnte rütteln und schieben, wie ich wollte es bewegte sich nicht so, dass ich wenigsten zur Türe hinausgekonnt hätte. 

Oh nein! Verzweifelt setzte ich mich auf den Boden, die Wand im Rücken, die Beine angewinkelt. Gegenüber stand ein Regal mit Eingemachtem. Wenigsten verhungere ich hier nicht. Dachte ich. Doch das Ganze gäbe eine super Schlagzeile, "NICHT EINMAL MEHR DIE FEUERWEHR KAM IN DEN RAUM», weil das DING, das doofe DING, den Eingang versperrte. Ich war kurz davor ein Tränchen zu verdrücken.

"Nein! Geht’s noch!" das bin ich nicht. Ich bin eine Frau der Taten und nicht der Verzweiflung. Ich öffnete eine Büchse mit Dörrobst, mampfte ein paar Apfelringe und versuchte mir vorzustellen, dass ich es schaffen würde das Ding vom Eingang zu bewegen. Ich wollte mein Vorhaben meinem Schatz so präsentieren, wie geplant. Und sicher nicht mit verheultem Gesicht aus dem Keller rufend entdeckt werden. Was wäre das für eine Schande.

Wie Du vermutest, es gelang. Mittels eins Brettchens, einem Werkzeug, das ich unter dieses legte, konnte ich das DING anheben und kinderleicht in die Ecke schwenken. Nein - ich habe nie MacGyver geschaut, doch in der Not steckt wohl in jedem von uns ein kleiner. hahahaha. Ja und Schatz - er sagte, das Schlafzimmer sehe ja TOTAL verändert aus und er könne so bestimmt nicht schlafen. (Ich kriegte mich vor Lachen kaum mehr ein)

Also ich kann Dir verraten, wir hatten beide einen guten Schlaf. Ich sowieso... bei diesem Auspower Programm und glücklich wieder etwas verändert zu haben. Mit den Jahren verschwand das Gefühl, immer umziehen zu wollen, die Räume zu verändern und geblieben ist davon nur noch eine sesshafte Dekoqueen! grins!   

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