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Codewort

Rund um unseren Hochzeitstag (38) und die derzeitig erreichte Zahl von 41 Jahren zusammenleben, vernehmen wir immer wieder anerkennende Worte aus unserem Bekanntenkreis. Doch es wäre ein Irrglaube zu denken, dass es in so einer langen Beziehung nur immer harmonisch zu und hergeht. Schon gar nicht, wenn, jeder sich selbst bleiben kann und dementsprechend manchmal auch Lösungen gefunden werden müssen die für Beide passend. Oder - Verschiedene Ansichten aufeinandertreffen, bei denen es wichtig ist, das Gegenüber zu hören und zu verstehen.

Es ist interessant zu sehen, wie sich im Laufe der Zeit die Lösungsfindung genau solcher Begebenheiten sich verändert hat.

Während früher, in jungen Jahren... nennen wir es... heftig diskutiert wurde und jeder darauf pochte recht zu haben, gingen die Jahre zu mehr Vernunft über.

Eines Tages nach einem Konflikt, fragte einer von uns Beiden, ich glaube es war Schatz: "Und wie wollen wir das nächste Mal dieses Thema angehen, wenn es wiederauftauchen sollte?" Etwas neues war geboren. Etwas das klar danach rief "Ich will was Positives aus einem Streit ziehen und daraus lernen."

So gesellte sich irgendwann dazu, dass Abmachungen getroffen wurden. Manchmal griffen sie, manchmal nicht. Doch man konnte deutlich merken, es ging nicht mehr darum recht zu bekommen oder den anderen zu übertrumpfen. So hat sich dies bis heute gehalten. Eine der Abmachungen in jüngster Zeit war, dass wenn wir merken würden, dass eine Aussprache zu heftig wird, wir dem Hund zuliebe, diese in eine weniger emotionale Richtung lenken.

Du lachst? Hast Du schon einmal gesehen wie Hunde sich benehmen, sich unwohl fühlen, wenn Gewitterwolken im Hause aufkommen. Sie können damit nicht umgehen. Krach im Rudel - Oh no! kein gutes Zeichen, die Sicherheit ist in Gefahr. (Das wäre ein Thema für sich, dass man in keiner Hundelektüre findet)

Also zurück zu unserer Abmachung. Wir einigten uns auf ein Codewort, dass einer von uns bereit war zu nennen, wenn die Emotionen hochkochen.

 

Ok - Tag X kam wie er kommen musste. Ich weiss noch genau wir standen in der Küche und die Worte wurde immer lauter. Schatz rollte plötzlich mit den Augen. Hin und her. Nickte mit dem Kopf in Richtung Hund, der auf seiner Decke lag und uns beobachtete. Während ich meinen Standpunkt klar machen wollte, formte Schatz ein Wort mit den Lippen. Ich stockte. Hä? Was ist mit Dir los. Er machte erneut mit den Augen so komisch und flüsterte ein Wort, dass partout nicht in die Unterhaltung passte. Hääää? Was ist mit Dir los? Fragte ich und zweifelte nun langsam daran, dass Schatz mich nicht ernst nimmt. CODEWORT sage er etwas lauter. Ich runzelte meine Stirn: «Was Codewort?» Er wiederholte CODEWORT und liess dabei etwas resigniert die Schultern fallen. Seine Augen rollten nun nach oben. Hääää?

Ich lachte. Oh mein Gott! Ich hatte diese Abmachung und vor allem das Codewort völlig vergessen. Da brach es nicht nur aus mir heraus - Wir lachten als hätte man ein paar Schleusen geöffnet. Noch besser, so viel Fröhlichkeit liess auch den Hund nicht mehr auf seiner Decke. Sie kam zwischen uns und wedelte was das Zeug hielt. Guckte abwechselnd zu uns hoch und lachte uns förmlich an. Lach! Du kannst Dir vorstellen, dass nun das Wort - Codewort - seither jeden Konflikt crasht. Es ist doch erstaunlich, dass so einfache Buchstaben und etwas Vergesslichkeit, Gewitterwolken in Sonnenschein wandeln können. Das ist so gut, dass wir natürlich und selbstverständlich diese Buchstaben beibehalten. Und es ist durch diese Episode viel einfacher auch in meinem Kopf zu behalten als alle anderen und richtigen Codewörter der Welt.

 

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