· 

Zugehörigkeit

Ich rührte im Topf mit kochenden Borlotti Bohnen. Ein Lächeln stand mir bestimmt im Gesicht und ich dachte: "Wie viele meiner Gene sind wohl noch Französisch? - oh! Pardon - Elsässisch " Denn vor wenigen Minuten hatte ich endlich den Geburtsort meiner Oma (mütterlicherseits) durch meine Tante erfahren. Auch sie musste nach meiner Nachfrage vor ein paar Wochen, erst in den alten Unterlagen danach suchen. 

Nun musste ich tatsächlich ü50 werden (okey ü60 stimmt eher - lach) um dies zu erfahren. Das Leben spielt manchmal schon komisch mit.

 

"Ja dein Urgrossvater der Elsässer, war während des Krieges in Russischer Gefangenschaft. Als gelernter Schneider hatte er das Glück, dort Uniformen nähen zu dürfen." So erzählte mir meine Tante am Telefon. 

Das ist etwas, dass ich nie erfahren hätte, wenn ich nicht so interessiert an meinen Ahnen wäre. Diese Erzählungen verschwinden einfach irgendwann in der Versenkung und tauchen meist auch nicht mehr auf.

"Er hat dann seinem Schwiegersohn, deinem Italienischen Opa ein paar Russische Stiefel geschenkt" Erklärte sie weiter. 

Als wir uns am Telefon verabschiedeten wusste ich schon, dass ich mit meinen Fragen nach Uropa und Co. evt. eine Geschichten Lawine losgetreten habe. Bestimmt höre ich das nächste Mal noch mehr Interessantes. Es braucht alles nur seine Zeit.

Ja, ja - Uropa, den habe ich als kleines Mädchen als einen sehr stolzen Mann, immer in Anzug mit Weste und Krawatte sowie gezwirbeltem grauem Schnäuzer in Erinnerung. Dazu roch er immer gut. Doch er war für mich mehr als nur Respekt einflössend.

Als er gestorben war, wurde er im Wohnzimmer aufgebahrt und meine weiblichen Verwandten lösten sich mit der Totenwache in dem abgedunkelten Raum im Kerzenschein ab. Für mich war das sehr mystisch und interessant. Und vor allem blieb die Frage, wo waren alle Männer? Diese blieb bis heute unbeantwortet. (grins) 

 

Ich rührte weiter gedankenverloren in meinem Borlotti Bohnen. Die, wie ich weiss in Italien nach dem 12stündigen einweichen mit Tomaten gekocht werden. Ich vertrage keine Tomaten - liegt es wohl daran, dass ich nur eine Viertel Italienerin bin und eine Viertel Französin? Lach!

Deswegen, weil Tomaten Unverträglichkeit, kochte ich sie mit Gemüse, Kokosmilch und einem mittelscharfen Curry, sowie vielen anderen Gewürzen, die man auch in der spanischen Küche verwendet.

 

Nun haben wir den Salat. Was für ein Mischmasch - Ich bin bunt wie ein Mischlingshund, doch genau so fröhlich --- lach. Meine Ur, Ur, Ur, Vorfahren Väterlicherseits waren nämlich laut Überlieferung aus Spanien. Doch leider liegt das alles so weit zurück, dass ich dort mit der Recherche nicht weiterkam. Egal - mein Menu für heute war nun fertig. Ich legte mein Besteck zum Essen bereit, einen Löffel für die Bohnen, Gabel & Messer für den Speck im Gericht, den man in der Schweiz in manch Urigem Gericht serviert bekommt. Und der sich mit dem Curry, Kokos, Borlottis sicher gut verträgt. Ich sag ja, ein Menu - ein Nationalitäten Mischmasch - so bunt und vielseitig! Wie interessant und wie lecker!  Mir gefällts! Wie die ganzen Geschichten meiner Ahnen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0