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Anders geplant II

Wir sassen zu dritt im Auto. Eine von uns verpasste so einiges - unsere Hündin Naya. Eine grossartige Landschaft kam uns auf der Fahrt entgegen. Nach einer kurvigen Strassenführung erreichten wir nun eine Art Plateau. Die Berge links und rechts schienen nicht mehr so hoch, weil das Tal sonnig und ebenfalls höher gelegen als so manch anderes. «Hier gefällt es mir jedes Mal richtig gut» sagte ich zu Schatz. Auch hier war ich lange Jahre nicht mehr durchgefahren, geschweige denn angehalten. Dies obwohl nun mein Heimatort, ein kleines altes Bergdorf mit schwarzverbrannten Holzhäusern ganz in der Nähe lag. «Da schau!» rief ich «dort bei der Kapelle steht ein Robidog»

Schatz stellte den Blinker auf links und bog in die nächste Siedlung mit ebensolch erwähnten Chalets. Durch enge Gassen führte uns der Weg zu einer Kirche, mit einem Friedhof auf dem vielleicht 15 Kreuze zu sehen waren und einem angrenzenden Parkplatz.

«Was für ein süsser kleiner Friedhof» lächelte ich. Ich fühle mich an solchen Orten immer wohl und geborgen. Schon immer. Deswegen war ich als Kind schon an diesen Plätzen zu finden, wenn zu Hause mal wieder Vater herumtobte. Mich beschuldigte Dinge getan, oder eben nicht, zu haben, die meines Erachtens keine solche Aggression rechtfertigte.

 

An diesem wunderschönen Tag, ein paar Stunden nach meinem Geburtstag, marschierten wir wacker aus diesem kleinen Ort, auf einem Weg, welcher zu dieser Kapelle mit Robidog führte. Naya konnte ohne Leine gehen und zog sich intensiv die Hundedüfte der Gegend durch die Nase. Ich entdeckte am Wegrand Disteln, Glockenblumen und andere Zeugen, die verrieten, dass wir uns in den Bergen befanden.

Die Kapelle schien nun doch grösser als erwartet. Vor her ein Holzbrunnen und eine Bank. Dort wartete Schatz mit Naya nun an der Leine, da sie überall mit hinwill, wo sich das eine von uns grade hinbewegt.

Ich liebe Kirchen. Der Geruch, die Stille und der Frieden. Ich könnte stundenlang dort sitzen und mich (vor allem in den Katholischen) umschauen. Denn da gibt es wirklich viel zu gucken.  In dieser brannten auf einem Gestell einige Kerzen, die andere Besucher angezündet hatten. Auch ich bezahlte 3 und gab ihnen beim Anzünden ein *Danke* mit, sowie die *Bitte* um eine gute Zukunft, auch für Schatz und Naya.

 

An der Wand entdeckte ich eine Art Buch, das aus Holzfächern bestand. Auf ihnen waren Fotos von Verstorbenen mit Jahreszahlen zu sehen. Ich blätterte und freute mich darüber, dass den Gegangenen und den Hinterbliebenen hier noch länger als sonst üblich, optisch Unterstützung gegeben wird. Die meisten lächelten auf den Bildern und so hatte es sogar etwas Fröhliches. Welche die Schwere des Themas irgendwie beiseiteschob.

Von draussen war deutlich Nayas Gefiepe zu vernehmen. Anscheinend hatte sie das Schnäuzchen voll noch länger nicht zu wissen was ich dort drinnen tue.  Also beendete ich meinen Besuch in dem wunderschönen Gotteshause.

 

Naya begrüsste mich stürmisch, so als sei ich Monate auf einer Weltreise gewesen. Lach! Auf dem Weg zum Auto zurück hörten wir von weitem Kuhgeläut. Und wie Du nun erahnen kannst, kamen wir dann tatsächlich noch in den Genuss eines Almabtriebs.

Die Kühe, eher kleine wendige Bergmodelle, waren wunderschön mit Blumen geschmückt. Jede von ihnen trug ausserdem ein Schweizer- & Kantonsfähnchen an den Hörnern. Ja stell Dir vor, dort durften sie noch Hörner tragen. Auf einem breiten Lederhalsband, an der eine grosse Glocke bimmelte, stand geschrieben: «Lieber Gott, schütze unsere Alpen»

Das war eindeutig des Guten zu viel.

Nach 2 wundervollen Tagen an meinen Herzensorten, dort wo die Natur meine Seele mit beiden Händen greift. In meinem Gefühl und Hirn wie vor Uralter Zeit Tätowiert «Heimat – hier gehöre ich hin» geschrieben steht, Kam, so ein Spruch und das Gesehene direkt an die Schleusen meines Tränenkanals und der floss sogleich über.

Schluchzend stieg ich wieder ins Auto. Glücklich Fotos für die Tage danach gemacht zu haben.

 

Diese Reise war das schönste Geburtstagsgeschenk, dass mir Schatz machen konnte. Das sagte ich ihm zum wiederholten Male bei Käse, Rauchwürstchen und Roggenbrot mit Nüssen auf dem Pass, der uns hinunter wieder in Richtung nach Hause führte. DANKE – Schatz, mein Entführer, das werde ich nie vergessen.

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