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Anders geplant

Es war alles ganz anders geplant.

Nach Mai-Lin`s Weggang über die Regenbogenbrücke wollten wir eine Woche unseres Urlaubes in einem kleinen Bergdorf verbringen. Es liegt unweit des Ortes, wo ich als Kind einige Jahre aufgewachsen bin und ich so viel Erinnerungen habe, von denen ich heute nachts noch Träume.

Ich weiss - wir hätten schon viel früher mal, in dem Teil der Schweiz, einen Besuch abstatten können. Doch nun sind seit unserem letzten über 20 Jahre vergangen. Die Zeit fliegt einfach viel zu schnell.

Und nun freute ich mich wie eine Schneekönigin, denn die Sehnsucht war riesig.

Doch dann - Du erinnerst Dich vielleicht...?

Wir sassen im Garten und redeten über unsere einstigen Hunde und Katzen, sinnierten über die Zukunft, ob mit oder ohne Haustier und dann sprach ich den Satz den irgendwer hoch oben mitgehört hat: "Ach Schatz - Der Himmel wird uns das schicken was uns gut tut." 

Und dann schneite Naya in unser Leben, eine ganz besondere Schneeflocke mit langem Haar. (hahahaha - wenn ich schon von Schneien spreche - hahaha) Ihre Ankunft bei uns konnte unter verschiedenen Umständen nicht verschoben werden. Sie brauchte ein neues Zuhause.

"Und nun" Schatz sah mich fragen an, als wir mit dem *neuen* Maiti (wie ich sie nun oft nenne) in ihr Adoptionsheim, zu uns fuhren. "Wir fragen ob es auch mit Hund klappt" gab ich zur Antwort. Schatz schrieb dann 2 Tage später ein E-Mail an die Hausbesitzerin des Chalets im Bergdorf unserer Wahl, ob es vielleicht auch mit Hund möglich wäre. Erklärte die aktuelle ungeplante Situation. Ok - wir verstanden, dass es eine Absage sein konnte. Da ausdrücklich in den Unterlagen stand *Haus ohne Hund*. Doch vielleicht liesse sich doch was machen. Das Herz der Dame erweichen. Es war wohl die Liebenswürdigste Absage, die wir je erhalten haben und auch jemals bekommen werden.

"Ja nun" sagte ich "Dann ist es halt so" Naya schaute uns keck an, als würde sie alles verstehen. So nach dem Motto "Hallo - ich bin jetzt da" lach

Lange Rede kurzer Sinn - Absage - gleich, auch kein Geld zurück, weil die Frist dazu zu kurz und abgelaufen. Also verschenkten wir diesen /unseren nichtmehr Urlaub jemandem.

(Sie erhalten nun 5 Jahre kein Geburtstags- und Weihnachtsgeschenk mehr.) lach

Und dann rückte mein Geburtstag in die Nähe. Kurz davor sagte Schatz: "Am Montag packst Du Kleider und was Du sonst noch so brauchst für 2 Tage" Ich staunte "Wo geht es denn hin?" 

War klar, dass er es mir nicht verraten wollte. Dienstagmorgen kurz nach neun ging es los. Mit Mann, Hund und Gepäck.

Bern - Fribourg - Richtung Vevey (Juhuuuu! Dachte ich - er fährt mit mir in`s Chaplin Museum) Doch dann bogen wir ab, um an der Promenade von Montreux spazieren zu gehen. Wie erholsam und schön. Es machte sich irgendwie ein Gefühl von Abenteuer und Urlaub in meiner Seele breit. Nach einem kleinen Imbiss und Naya`s Fütterung ging es weiter. 

Der Name meiner Stadt aus der Kindheit war plötzlich auf den Strassenschildern zu lesen. Mein Herz hüpfte. Auch wenn viele Orte nicht mehr so aussahen, wie Anno dazumal, kamen Erinnerungen hoch, die ich natürlich meinem *Entführer* erzählte.

Dann bog er nach rechts ab über den breiten Fluss, auf dem ich einst in einem strengen, kalten Winter Schlittschuhlaufen gelernt hatte. Wir fuhren dann 1 Stunde in ein Tal auf einer Serpentinen Strasse immer höher und höher. Also er am Ende dieser Strasse vor einem Hotel anhielt (genau 2000 müM.) strahlte er mich an "ich geh mal schauen ob das Zimmer noch frei ist".

Ich war so glücklich. Was für eine schöne Überraschung so mitten in den Bergen. Von da, wo ich beim Auto stand und Naya kraulte, fiel mein Blick auf einen nahen Gletscher. Das Lichtspiel von Sonne und Schatten war atemberaubend.

Kurzum - wir verbrachten die Nacht dort in einer Suite, mit riesigem Balkon. Auf diesem assen wir Bergkäse und Würstchen mit Brot, das ich in einem kleinen Tante Emma laden gleich über die Strasse geholte hatte. "Es ist so viel schöner als geschniegelt im Hotelraum zum Essen zu sitzen" das sah auch Schatz so. 

Am nächsten Tag nach einer ruhigen Nacht, ging die Reise nach dem Frühstück weiter. Erneut eine Stunde Serpentinen Strasse. Erneut einen Blick auf meinen Ort der Kindheit. "Möchtest Du ihn noch anschauen gehen?" fragte Schatz "Nein - ist lieb von Dir - will ich nicht" War meine Antwort und ich erklärte ihm, dass ich gesehen hätte, dass dort wo unser Wohnblock einst allein in den Rebbergen stand, nun eine ganze Siedlung neuer Häuser stehen würde. "Es tat gut zu sehen, dass die Vergangenheit nicht mehr ist. Ich nun abschliessen kann - die Gegenwart zählt." Er nickte und verstand. "Und wo geht es nun hin?" Meine Frage wurde von meinem *Entführer* einfach weggelächelt. Und so fügten wir uns (ich und Naya) dem was da kommen möge.   

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