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Rosengrüsse

Ohne Voranmeldung überraschte uns meine Schwester im letzten Herbst. So wie sie das schon oft getan hatte. Doch diesmal war es doch noch etwas spezieller. Denn wir waren gerade wenige Minuten zuvor vom Hundespaziergang zurückgekehrt. Wechselten die Schuhe in Hausschlappen und die Leine wurde an den Haken hinter der Tür gehängt. Beim nächsten Griff zum Handy vernahm ich von draußen Stimmen. "Wird wohl jemand an der Bushaltestelle etwas lauter sprechen" dachte ich, während ich einen Blick auf den Nachrichten Anzeiger warf. "Seid Ihr Zuhause" so die lesbare Frage meiner Schwester "Warum? wo bist Du?" entgegnete ich per Tastatur. "Komisch" sagte ich zu Schatz und bevor er darauf reagierte, fasste ich zum Griff der Haustüre. Beinahe ferngesteuert, so als würde ich Sie, meine Schwester durch die geschlossene Türe spüren. Bingo! Da stand sie neben ihrem Auto und strahlte wie eine Sonnenkönigin. Meine kleine Schwester, die eine Stück grösser ist als ich, schlank und blond – eben das Gegenteil von mir. (lach) 

Ihr breites Lachen konnten nur durch ihre Ohren gestoppt werden, so schien es zumindest. Ach! Wie schön, wir konnten uns ausgiebig drücken, denn Corona war noch fern.

Wenig später holte sie aus dem Auto das obligate und geschätzte Zigarrengeschenk für Schatz und einen Blumentopf für mich. Sie strahlte erneut: "Ich musste es einfach haben." Damit war die weiße, zerbrechlich wirkende Rose, mit kleinen Blüten, die beinahe wie aus Porzellan schienen, gemeint. In ihr stand eine kleine Elfe im Federnkleidchen. Wie eine kleine Ballerina mit Flügeln. "So süss" Es freute mich echt, auch wenn ein Besuch ohne Mitbringsel vollkommen ok gewesen wäre. Doch ich kenne das von mir, ich schenke auch unheimlich gerne, vor allem wenn ich das Gefühl hatte, dass dies so hundertprozentig auf den/ die Empfänger/in passt. Der Nachmittag und Besuch verflog viel zu schnell. Man hatte sich so einiges zu erzählen und versprach sich: "Wir sehen uns Bald wieder"

Einige Monate waren vergangen. Unterdessen war der Herbst mit Stürmen vorbeigezogen, der Winter mit wenig Schnee, der Beginn des Neue Jahres mit vielen Wünschen vorbeigerauscht. Dafür hatte uns nun die Pandemie erreicht und einigen erkrankte im Umfeld zeigten uns, dass es dabei nicht nur um eine Meldung aus der Tagesschau im TV handelte, sondern sie überall möglich war Fuss zu fassen.

Unsere gebuchten Ferien mussten storniert werden und dafür verbrachten wir sie im eigenen Garten. Auch schön!

Genau an so einem Tag holte ich den Topf mit der verblühten und eingekürzten Rose von der Fensterbank. Irgendwie drängte mich mein Gefühl, dass auch sie nach Draußen in die Freiheit musste. "Da war doch noch ein Efeu, dass auch einen neuen Topf braucht" Es - der Efeustängel - war einst klein und mit einigen Blättchen in einem Gesteck, dass ich von einer Freundin erhalten hatte. Unterdessen hatte es Wurzeln gemacht und ist um ca. einen Meter und vielen Blättern und 2 Seitenarmen herangewachsen. Es wirkte im Vergleich zum Erhalt, als sei es mutiert.  

Beides, Rose und Efeu (Letzteres mit Rank Hilfe) wurde in einen schmalen hohen Topf gesetzt und an die Holzwand des Schopfes gestellt. Windgeschütz und Halbsonnig. Das erzählte ich meiner Schwester per Text über Handy. Sie schien etwas skeptisch, schliesslich war es einst als Topf für drinnen gedacht. "Weisst Du - ich denke, sie hat es verdient die Füsse strecken zu dürfen." erklärte ich. 

Und nun viele Wochen später schoss erst das Kraut der Rose in die Höhe und dann entdeckte ich 3 Knospen. Als würde es sich um Nachwuchs handeln schrieb ich auch das freudig meiner Schwester. "Du hast halt wirklich einen grünen Daumen" erklärte sie mit einem lachenden Icon zurück. 

Und nun - ja, nun - konnte ich ihr sogar ein Bild von weißen, mmmhhh! eher Cremefarbenen Blüten mit einem leicht angehauchten Rosa Rand senden. "Das ist deine Rose" war der Titel dazu. Ich muss nun grade Schmunzeln, weil ich in meinem Garten auch noch IHRE Rebe, die jedes Jahr viele Früchte trägt am ranken habe. Sie – meine Schwester entgegnet mir seit Jahren: «Das ist deine Rebe – nicht meine» lach! Und genau das war auch ihre Reaktion auf die Rosen Meldung. «es ist deine Rose»

Ich muss ehrlichkeitshalber sagen, ich hatte noch nie Rosenköpfe, die über so eine lange Zeit unverändert und ohne die Blütenblätter zu verlieren, ihre Pracht zeigten. Es freut mich extrem sie in die Freiheit entlassen zu haben und das Gefühl, das richtige gemacht zu haben.

Und so ist schon in weiterer Planung-

-          den Topf im Herbst einzupacken

-          die Pflanze mit Tannenreisig vor Schnee und Kälte zu schützen.

 

In der Hoffnung mich auch da auf mein Gefühl verlassen zu können, dass sie im nächsten Jahr in voller Pracht wieder erblühen kann. So strahlend wie das Lachen meiner Schwester, wenn wir uns sehen. 

 

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