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Pause

Nach einer übertriebenen Geschäftigkeit im Haushalt, setze ich mich im Garten unter den Sonnenschirm. PAUSE!

Doch weit gefehlt. Es ist nicht an PAUSE zu denken, zumindest nicht in meinem Kopf. Denn kaum auf dem Gartenstuhl Platz genommen, knipst in meinem Hirn jemand einen Dia- & Filmprojektor an. Ich weiss, ich bin es selbst die diese Bilder in Gang setzt. Doch empfinde ich es wie ferngesteuert und kann es kaum stoppen. Die Bilder rattern und rattern, lösen sich in Windeseile ab und machen mir fast schwindelig. Wie stelle ich das ab? Sie machen mich traurig. Soll ich die PAUSE abbrechen und mich wieder ans Werk mit sinnigen und unsinnigen Dingen machen?

Doch mein Körper sagt: "Ruh dich jetzt aus" und mein Schatz würde sagen: "überfordere dich nicht wieder" und ich weiß aus Erfahrung, dass diese Art von Verdrängung nicht gesund ist.

So schlage ich den Vernunftsweg ein und werde später, am Abend, meinem Schatz erzählen, dass ich glaubte das es mir besser ginge, wenn ich mich beschäftige. Doch das sei doch ein Trugschluss. "Mir ging es auch so" ist dann seine Antwort.

 

"Es gibt einfach Dinge, die bräuchte kein Mensch im Leben." Denke ich kurz - wirklich nur kurz... denn die Bilder in meinem Kopf zeigten mir erneut unsere Hündin Mai-Lin wie sie sich lustvoll im kühlen Gras wälzt. Dann sehe ich sie fröhlich durch den Garten laufen und im Schatten bei den Hortensien liegen. Einer ihrer / meiner Lieblingsplätze in der Hitze des Sommernachmittags. 

Mai-Lin - Mai-Lin - Mai-Lin....es rattert und rattert.

 

Die Honigsüsse (Mai-Lin) haben wir sie umgetauft. Einige Tage, nachdem wir sie im Alter von bald 11 Monaten abgeholt hatten. Untergewichtig, krank und verfilztes Haar. So arg, wie ich das noch nie vorher gesehen habe.

Auf die Fläche des Auto Kofferraums ist sie damals gehüpft, sich schnell hingelegt und ihr Blick sagte: "Hier geh ich nicht mehr raus und wenn ihr Euch auf den Kopf stellt." Die Hündin, welche bis dahin schon so viel negatives Erlebt hatte, Dinge, die man niemandem wünscht. So auch keinem Hund. Wir seien ihr 3. oder 4. Platz hat man uns viel später erklärt. Deshalb ein Wanderpokal.

 

Etwa ein Jahr harte Arbeit, vom Augen öffnen am Morgen - bis Augen schließen am Abend, standen uns bevor, denn unsere Honigsüsse war nicht nur auf dem Stand eines Welpen (unter anderem nicht Stubenrein) sondern auch mit unzähligen nicht zulässigen Macken und einem erlebten Hintergrund von Misshandlungen und Hunger. Wir gaben nicht auf, sie mit viel Liebe, Lob und Einfallsreichtum zu einem unauffälligen Hund umzupolen. Und auch wenn ich während dieser Zeit manchmal den Tränen nah war, weil mich der Zweifel überkam, ob ich es wohl schaffe, so hat sich jeder einzelne Tag, ach, was sag ich jede einzelne Minute dieser anstrengenden Zeit mit ihr gelohnt. 

Hervor kam ein liebevolles Wesen. Als hätte man ein Rohdiamant zu einem Prachtsstein geschliffen. Im Alltag ein unauffälliges Wesen, dass sogar Menschen mit Hunde Abneigung begeisterte. Sie machte alles mit so viel Freude und voller Liebe zu uns. Es glaubte uns Bald niemand mehr, dass Mai-Lin mal so drauf war und man guckte mich hin und wieder etwas ungläubig an, wenn ich erklärte: "Sie war so schlimm, dass ich das meinem ärgsten Feind nicht gewünscht hätte. (wenn ich denn einen hätte - Gottlob!) Geblieben sind wenige Eigenheiten mit denen man / wir umgehen konnten. Wer ist schon Fehlerfrei (der werfe den ersten Stein - kicher)

 

Nun in meiner PAUSE im Garten unter dem Sonnenschutz und kurz bevor die Tränen zu fließen begannen, musste ich mir klar machen, dass Mai-Lin ein Geschenk des Himmels war und wir sie elf Jahre und beinahe 3 Monate genießen durften. Nichts ist ewig, auch wenn ich mir ein Leben mit Mai-Lin bis zu einem gemeinsamen Ableben in vielen Jahren gewünscht hätte. So war uns auch immer klar, dass wir bei jeder Adoption eines Wesens verpflichtet sind, sie eines Tages gehen zu lassen. Man niemals egoistisch dagegenhandeln darf. Ein ungeschriebenes Gesetz und unsere Einstellung.

Wir ebenfalls in der Verantwortung stehen, dass man alles in die Wege leitet, dass es ein Best Möglicher Abgang sein wird. Ich kann sagen, das haben wir mit Hilfe unserer Freundin und Tierärztin Gabi auch geschafft. Mai-Lin verließ die Lebensbühne so, wie man es sich nicht hätte besser wünschen können. (wenn es durch Menschenhand durchgeführt werden muss)

 

"Weisst du - wichtig ist, dass ich die Dankbarkeit nicht verliere" das sagte ich einige Tag vor ihrem letzten Stündlein zu Schatz und er nickte. Ich möchte, diese auch jetzt wo ich mich amputiert von meinem vierbeinigen Schatten fühle, nicht in Tränen ersäufen. Auch Mai-Lin mochte keine Tränen, Trauer und Schwere. (schmunzel) Dankbarkeit ist hell und bringt Erlösung.

Mal ehrlich, wäre es nicht unfair dem Himmel / dem Schicksal / dem Universum oder Gott gegenüber? Egal wer auch immer für das Schreiben dieser, unserer gemeinsamen Geschichte zuständig war. Die Geschichte von "Schneggele" und uns 2Beinern. Von ganzem Herzen bin ich Dankbar und ich weiß, da kann ich auch für Schatz sprechen.

Mit dieser Einsicht oder ist es eine Ansicht, eine Einstellung, ein Gefühl oder Eingebung??? wurde mein Filmprojektor im Kopf langsamer, surrte nicht mehr im Zeitraffer nervös von Bild zu Bild, Das Gefühl in mir wurde angenehm, ruhig und gemittet. Weg der Drang nach Übersprung Aktionen und Ablenkung durch Putzen, werkeln und weiß der Geier was...

 

Ich kam wieder bei mir an... und plötzlich war der Gedanke in mir  "es ist nur eine PAUSE", denn eines Tages werden wir unsere Mai-Lin, unser Goldstück mit viel Herz, wiedersehen. Ich bin so DANKBAR! 

 

Liebe Isa, (Antwort auf die Meldung vom 09. August 2020)

Danke für deine lieben und wohlgesonnenen Worte.

Manchmal braucht es, nach so einem Ereignis seine Zeit bis man wieder bei sich ist. Waren doch seit Mai-Lin`s Weggang erst knappe 4 Tage bis zu meinem Eintrag vergangen. Das eine ist der Kopf "Nüt isch für immer - Nichts ist für immer" welcher logisch und sachlich argumentiert, das andere ist das Herz und die Seele welches leiden kann und auch muss. Es wäre komisch wenn die von Dir und mir erwähnte Positive Zeit mit Mai-Lin keine Spuren der Trauer hinterlassen hätte. Beides Kopf und Herz wieder auf den selben Nenner zu bringen ist nicht immer so leicht und braucht seine Zeit. Gottlob kam mir da die Dankbarkeit zu Hilfe und das Mitgefühl meines Umfelds. Wie Dein Zeichen der Solidarität in Form der von Dir an mich geschenkte Rose, welche von deiner Tochter überbracht worden ist. Merci villmool nomoll! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Isa (Sonntag, 09 August 2020 15:54)

    Guät das das Gfühl vo Stress wägg gangä isch ,denn das Puzzleteil im Läbä wo d Mai-Lin mit euch beschrittä hett,isch ä wahnsinns positivä gsi und sötti au positiv in euch blibä!!! Alli si ei Teil vom Ganzä und nütt isch für immer�