Feiernacht

"Ou nein!" flüsterte ich nur für mich hörbar "die kommen hoffentlich nicht hier durch" Es war um 01:00 Uhr nachts und ich stand am offenen Fenster im Flur. Eigentlich sollte uns der Durchzug durch die geöffneten Fenster etwas Abkühlung bringen, doch die Temperaturen schienen im Haus nicht sinken zu wollen. 

Ich stand nun hier, während Schatz und Hund schliefen. Ich - die nach dem ich nach etwa 1 1/2 Stunden Schlaf durch Geschrei und weiteren Feuerwerksknallern wieder aufgewacht bin verfolgte das Geschehen in der Ferne. Die Knallerei ging schon am Abend vor dem offiziellen Nationalfeiertag los. Es ist das Datum, dass sich viele Menschen zu früh zu Nutze machen mit dem Feiern zu beginnen. So auch einige Jugendliche, welche am Hügel einige Gehminuten von unserem Haus entfernt seit ca. 19:00h ihr Taschen- oder anderes Geld im grossen Stil in die Luft puffen liessen.

Ich stand nun da und sah wie unzählige Handylichter umherschwirrten. Hörte wie jemand rief, "Hey - nimmst Du die Tasche?" sich erneut ein Kracher loslöste und polderte als hätte man einen Kirschbaum dort oben, am Hügel, mit Dynamit entwurzeln wollen. Einige Lichter bewegten sich dann unter Geschrei, Gejubel und Gekreische den Weg hinunter. Bei den ersten Reiheneinfamilienhäusern angekommen, welche jedes von ihnen über einen angebauten Carport verfügt, stellte es das ideale Objekt für weitere Knaller Attacken dar. Diese wurden in die Tiefe eines Carports geschmissen. Der darauffolgende Knall, wäre bestimmt zuständig gewesen dem einen oder anderen einen Gehörschaden zuzufügen. Doch die Lichter bewegten sich noch vor dem finalen Gepolter so rasch davon, dass wohl alle heil davongekommen sind. Stattdessen rannten nun auch die verbleibenden Handylampen vom Hügel zu den schon etwas weiter entfernten und grölenden Personen, deren Silhouetten nun gut im Strassenlaternenschein zu erkennen waren. 

"Oh nein - die kommen tatsächlich hier durch" Diesmal war meine Lautstärke des Ausrufs nicht so kontrolliert leise. Schatz wurde aus seinem Schlaf geweckt. (Hund schlief weiter - lach - schließlich hat Frauchen alles im Griff) "Was ist los" brummelte er und marschierte ins Bad. "die kommen hier durch - bestimmt an die Bushaltestelle" erklärte ich durch die geschlossene Tür. "Du hättest das erleben sollen, wie sich das angehört hat, als sie die Knaller in die Hauseingänge und in die Briefkästen geschmissen hatten." Schatz war wie ferngesteuert wieder zurück ins Bett marschiert, als gerade ein Riesen Palaver und Geschrei losging und weitere Kracher vor unserem Haus an der Bushaltestelle in die Dohlen Öffnungen gelassen wurden. Dort mit einem dumpfen Knall den Eindruck vermittelten, dass sich der Asphalt heben würde.

Ich linste durch den angestellten Fensterladen. Ich zählte dabei 12 oder waren es 13 / 14 Jugendliche, die meisten davon männlich. Sie schrien Worte die nicht verständlich, obwohl grade unter unserem Fenster, denn das Stimmengewirr war zu groß. Die wenigen Mädchen lachten, es hörte sich irgendwie überdreht und hysterisch an.

Es wurden Bierdosen und Energiedrinks getrunken und die leeren Behälter einfach über die Strasse gekickt. Oder an unseren Gartenzaun geschmettert. Es roch nebst Schwarzpulver von den Krachern nun auch plötzlich nach Haschisch. Mein Innerstes sagte: "Hopp - zeig dich und Bitte um Ruhe" meine Bange Seite erklärte mir: "Es bringt nichts - Du weisst es doch." 

Tatsächlich hatten wir schon vor einigen Jahren Erfahrungen mit Jugendlichen gemacht, welche sich des Öfteren nachts an der Bushaltestelle mit Aggression und anderem auslebten. Mag an das damalige Ausmass nicht mehr denken und trotzdem war es plötzlich wieder da - kann nur sagen es war nicht schön - auch die Nachfolgenden Wochen in denen sie nach einem Gespräch und einer Mahnung, begannen uns zu Leide zu leben. Bis sie eines Tages von hier wegzogen. "uff" Doch nun in dieser Vor Nacht des diesjährigen Nationalfeiertages war alles, wie schon erwähnt, wieder da.

"So jetzt reichts" sagte Schatz und marschierte zum Fenster, schubste mich mit den Worten "Komm zeig mal" sanft beiseite. Dann öffnete er den Fensterladen ganz und rief: "Hallo - jetzt hattet ihr genug."

Die Menge wurde etwas leiser und eine Stimme entgegnete eher aufmüpfig als fragend: "Was" - Schatz: "Es reicht jetzt" Später erzählte er mir, dass gerade in dem Augenblick sie untereinander weitere Kracher verteilten und die Feuerzeugflammen angingen. "Keine Kracher mehr - ihr hattet jetzt genug Spass" Keine Reaktion "Hey" - rief Schatz erneut "Keine Kracher mehr - ich habe einen alten Hund hier oben." Einer rief nun: "Komm lass uns jetzt machen, als plötzlich einer schrie: "Hey Leute! Keine Kracher mehr - isch habe selber 3 Hunde zu Hause, die haben auch Schtress wenn es knallt" Ein anderer entgegnete "ach ist doch egal" Der 1.: "Nein Leute keine Knaller mehr, es reischt - Reschpekt!" 

Dies wiederholte er nochmalig. Seine Stimme war stark und bestimmt, so als dulde er keine Wiederworte.

Schatz bedankte sich und wünschte eine gute Nacht. Wie in einem Chor entgegneten ihm einige "Gute Nacht" Schatz ging zurück ins Bett und ich stand dann noch kurz am wieder halb geschlossenen Fensterladen und konnte nicht glauben, dass es tatsächlich funktionieren kann. Die Jugendlichen diskutierten noch eine Weile. Der "Anführer" Namens Timon erklärte in einem Jugendslang, dass man Respektvoll miteinander umgehen müsse. "Dann darfst Du aber auch nicht mehr sagen, dass ich nicht mehr mit euch Chillen darf" reklamierte einer an Timon`s Adresse. "Das hat mich nämlich sehr getroffen" erklärte der Ausgeschlossene. Ein anderer kam näher und sagte: "Also ich bin nun Euer Friedensstifter - kommt hierher" wie ein Bär öffnete er die Arme und zu dritt umarmten sie sich. "So nun ist wieder Frieden - denn das ist auch Respekt." sagte er wichtig.

 

Der Bus rollte heran, hielt, die Bande stieg ein und wie durch einen Zauber kehrte eine friedliche Stille ein. So als wäre nie etwas gewesen. In mir machte sich eine Zufriedenheit breit... die beim Einschlafen mit dem Wort Respekt einher klang. Mehr noch - mir den Glauben und die Zuversicht gab, im Miteinander ist doch noch nicht «Hopfen und Malz» verloren. 

 

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