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Zaungespräche

"Hast Du mein Corona Beet gesehen?" rief unser Nachbar lachend über den Zaun. Ich verneinte, während Schatz bejahend nickte. Unser Nachbar wiederholte seine Frage abermals und kam näher. Wir - Schatz, Hund und ich sassen am Sonntagnachmittag draußen und genossen das Nichtstun. Unser Nachbar erscheint immer wieder mal zu einem Tratsch, wenn er uns sieht. Die Themen ähneln sich meist - die Weltlage / Politisches, der Flugverkehr und... na, eben - der Garten.

Doch das wir ihn so lachend sehen ist eher eine Ausnahme, sonst steht er meist mit einer, sagen wir mal, versteinerten Miene am Zaun. Und es folgen seinerseits viele Themen mit seinem dazu gehörenden Kopfschütteln. Manchmal ist er so negativ eingestellt, dass es mir schon fast leid tut und manchmal mag ich es gar nicht. Einmal ließ er ohne Punkt und Komma eine Tirade über verschiedene Themen los, dass als er damit fertig war, ich fragte:“ und? Gibt es noch was Schönes heute?“ Er guckte mich, ohne eine Miene zu verziehen an und es folgte ein eisiges „Nein!“ Da entgegnete ich „Ok – dann geht ich jetzt rein – ich wünsche Dir einen besseren Tag.“

 

"Ach - Du hast mein Corona Beet gesehen?" rief er an diesem Sonntag erneut und blickte zu Schatz. "Du meinst das kahle Beet?" erwiderte Schatz. "Ja genau - ich bin nicht schuld, dass es so aussieht" Da war sein Lächeln dem sonst üblichen Ausdruck gewichen "Es gab ja nichts als Corona ausgerufen wurde, keine Pflanzen und so…" er doppelte sofort nach "und nun ist es zu spät - ja nu!" Er stand nun so da, irgendwie entschuldigend. "Man konnte halt einfach keine Pflanzen mehr kaufen." erklärte er mehrere Male, so als erwarte er von irgendwo her eine Absolution. 

"Das ist doch nicht schlimm." erklärte ich. "Es ging allen gleich. Die Blumenkästen und Gärten sehen auch bei anderen anders als sonst aus. "Ich ziehe sonst meine Tagetes immer selbst, aber ich konnte keine nichts mehr kaufen."

Das stimmt, unser Nachbar zog seit wir hier wohnen, (heuer 20 Jahre) seine Strassenseitige Bepflanzung Jahr für Jahr selbst. Immer dieselbe Farbe und Sorte. Nach dem Austrieb in Aufzugserde, angeordnet im benannten Beet. In Reihen oder Kolonnen wie kleine Gelb / Orange Soldaten. "Es wäre nicht meins" habe ich schon oft gedacht "bei mir darf es etwas ---" wie nennt man das? "Freier?" "Abwechslungsreicher?" oder? ---- na egal! sein....

Das Beste Beispiel - "Schau" sagte ich zum Nachbarn an diesem Sonntag "Das sind meine Corona Kisten" ich zeigte auf 3 große Blumenkübel. "Ich habe meinen Gartenschrank durchforstet und alle Samen, die ich gefunden habe in einen Yoghurtbecher geschüttet, einmal geschüttelt und ausgesät." Der Nachbar lachte erneut, er schien heute echt gute Laune zu haben und wiederholte. "Corona Kisten". Ich nickte "Ich weiß nun gar nicht was da alles wächst, In dem einen habe ich nebst Flockenblumen und Dingen deren Namen ich nicht weiß, auch Fenchel gesehen." Ok - das konnte er nun gar nicht verstehen und vielleicht war das nun auch des Guten zu viel. Ich meine das mit der Gemüsepflanze im Blumenbeet. "Das macht man doch nicht." oder anders gesagt "das hat man noch nie gemacht" Diesen Satz, den ich oft von ihm zu hören bekomme, konnte ich nun Buchstäblich in seinem Gesicht lesen. Ich musste mir das Schmunzeln verkneifen.

 

Im Herbst pflanze ich dann wieder Stiefmütterchen" erklärte er. "Sehen auch wirklich hübsch aus und gehören eindeutig in dein Beet, wie in jedem Herbst." Sagte ich. Er lächelte und verabschiedete sich. "Ich geh nun etwas Kleines zu Abendessen kochen. Und weg war er. " Ich hatte das wirklich ernst gemeint. Seine Art den Garten zu bepflanzen ist sein persönliches Markenzeichen und gehört zum täglichen Bild in unserem Leben. Dann wenn wir mit dem Hund vorbeispazieren und entdecken, dass er in diesem Jahr wegen Corona keine kleinen orangen Soldaten im Beet stehen hat. Und das sonst übliche Bild plötzlich einem für uns ungewohnten gewichen ist. 

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