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Nachdenklich

Ich weiss nicht mehr wie wir darauf kamen, doch als wir einst mit mehreren Gästen im Garten saßen, erzählte spät abends ein Anwesender am Lagerfeuer: 

"Früher hat meiner Frau an mir alles gefallen. Sie hatte sich ein bisschen Macho gewünscht, doch trotzdem genügend sensibel. Ein Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht, sie auf Händen trägt. Für Dinge einsteht und einen guten Job hat - also Karriere macht. 

Wir guckten ihn an, er saß allein in unserer Runde - also ohne Ehepartnerin. Er erzählt weiter:

"Nach einiger Zeit begann sie dies und das an mir zu bemängeln. Ich würde zu lange arbeiten. Trotzdem sollte ich genügend Geld für alle Wünsche nach Hause bringen. Was einst als im Leben stehen betitelt wurde, tat sie nun mit stur ab und Machos mochte sie schon gar nicht mehr. Egal wie viel oder wenig davon. Soft sollte ich sein und dabei habe ich noch nichts über die optischen Wünsche erwähnt. Angezogen wie Johnny Deep und den Blick von George... " Wir mussten schmunzeln, weil er dazu einen speziellen Blick zu machen versuchte. Mit Betonung – versuchte. Seine Geschichte machte uns alle etwas betroffen. Er sagte: "Irgendwann war nichts mehr richtig. Darum bin ich nun allein unterwegs. Es gibt im Moment in meinem Leben kein Uns mehr. Stattdessen muss ich mich von den anstrengenden Jahren des Anpassens und immer wieder neuen Wünsche und Richtlinien erholen. Ich weiß nicht, warum das so ist? Frauen wünschen sich einen Kerl und wenn er dann Kerl ist versuchen sie ihn umzukrempeln, um dann zu erkennen, dass er nicht mehr der Kerl ist, der ihnen einst gefallen hat." Es hörte sich so lustig an, dass wir alle lachen mussten "Stimmt“ - sagte ein anderer Mann.

"Halt - Halt!" sagte ich "Bitte nicht alle Frauen in denselben Topf werfen oder zumindest Anwesende ausgeschlossen!" Er hielt den Daumen nach oben und grinste. Wir lächelten alle etwas erleichtert und führten den Abend gemütlich mit unzähligen Themen weiter. Wir hatten auch das Gefühl, dass er seinen Mann in dieser jetzigen Situation stehen würde.

Apropos! Dieselbe Aussage habe ich auch schon von Frauen gehört. Dort beginnt der Satz oft mit: "Ich kann ihm nichts recht machen…" und geht weiter mit "früher war das ganz anders..." Es scheint ein generelles Menschliches Problem zu sein. 

 

Heute las ich folgendes und dabei kam mir plötzlich dieser Abend wieder in den Sinn.

Vielleicht findet sich darin die Antwort auf die Erzählung des Gastes?

 

"Versuche nicht, den anderen nach deinem Wunsch zu ändern, 

sondern sei wie ein Spiegel, ohne zu werten.

Sobald du den anderen ändern möchtest,

siehst du sein wahres Wesen nicht mehr.

Am Ende bleiben dann in deinen Augen nur die Unzulänglichkeiten übrig,

die du selbst durch deine Ansprüche heraufbeschworen hast."

 

 

- Haemin Sunim - 

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