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Hausbesitzer

"Also wenn man es genau betrachtet, so bist Du ein mehrfacher Hausbesitzer." Ich lachte hörbar... Schatz stand auf der Metallleiter und grinste auf mich herab. In seiner Hand eine Bohrmaschine und verschiedene Aufsätze. "Der sollte passen." brummelte er vor sich her. Damit war der Kreuzschraubenaufsatz gemeint. Dann ging alles relativ rasch. Einige Bohrmaschinen Geräusche waren zu hören und Schatz konnte den Deckel entfernen.

Die Rede ist von einem von 5 Vogelhäusern. An diesem steht unten gut sichtbar geschrieben - Sperling - Ok, der Beweis, dass Spatzen nicht lesen können, ist seit einigen Wochen gegeben. Denn an Stelle eines Spatzen Ehepaars machte sich ein Meisen Männchen am Eingang mit heftigem Klopfen bemerkbar. Grosses Rätselraten machte sich bei uns breit: "ist das Einflugloch zu klein oder handelt es sich dabei um ein Ritual?" Wir wissen es bis heute nicht, doch Sicherheitshalber bohrte Schatz den besagten Eingang um wenige Millimeter grösser und genau das muss das Startzeichen für Herr und Frau Meise gewesen sein den Schlüssel zum Einzug zu nutzen.

Einige Zeit später und nach ganz viel geschäftigem Treiben, waren Laute aus der Vogel Box zu vernehmen. Mit jedem Tag schleppte das Meisen Ehepaar mehr Insekten, Würmer und anderes an. Auch die Töne aus dem Inneren wurden immer lauter und wandelten sich von einem scheuen Piep in ein kräftiges Fordern. 

Bis wir Draußen am Mittagstisch saßen. Schräg links oben das Vogelhaus hängend. Das Meisen Paar hatte sich mittlerweile daran gewöhnt, dass wir dort immer wieder mal saßen, schwatzen, aßen oder Schatz seine Zigarre rauchte. Sie blieben oft längere Zeit (abwechselnd) auf dem Stängelchen sitzen und guckten uns aus ihren schwarzen Knopfaugen an. So nah – man hätte sie greifen können.

Nun flog ein Elternteil an besagten Mittag grad wieder davon, als ein kleines schwarzes Köpfchen aus dem Loch guckte. "Schau" flüsterte ich zu Schatz "ein Junges" und in dem Moment, gerade als Schatz auch dorthin sah, fiel für eine Minisekunde ein Federbällchen nach unten und fing sich dann mit Flügelschlägen auf, um anschließend auf dem Rosenbogen zu laden. Wir strahlten uns an: "Wie süß" quickte ich. Schatz nickte und in dem Moment kullerte in derselben Art Nummer 2 in seine Freiheit. Rasch war Mama Meise ..... oder war es Papa - egal - zur Stelle und begann die Kleinen in Schach zu halten. "Nicht so einfach, plötzlich auf zwei so Racker aufpassen zu müssen." meinte ich. Unterdessen saß das eine in Nachbars Kirschbaum und das andere in des anderen Nachbarn Platane. "So süß" wiederholte ich, als Nummer 3 aus der Box entflog. "Wau - 3 Stück plus Eltern in der kleinen Vogelhütte" lachte Schatz. Was 3? Ich höre es immer noch aus deren Inneren Piepsen." erwiderte ich. "Nein - das kann nicht sein, Du irrst Dich“ sagte Schatz. Von wegen Irren - Nummer 4, das Kleinste flog soeben auch in die große weite Welt. Oder besser gesagt in die Meisen Eltern Fürsorge außer Haus. 

Gestern als nun Schatz seine Hausbesitzer Pflichten wahrnahm und nach den ausgezogenen Mietern eine Inventur machte, waren wir immer noch der Meinung, so was Großartiges erlebt zu haben. Wir hatten bis Dato nämlich dieses Ereignis noch nie so hautnah miterleben können.

 

Das Nestmaterial aus Moos, Gräsern und Hundehaaren wurde von Schatz dann entfernt, anschließend alles gereinigt, Deckel wieder drauf und zugeschraubt. Fertig - für den Einzug der nächsten Familie! Wir sind gespannt auf die Nachmieter. Lach!

 

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