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Mai-Lin

Ich weiß noch als wäre es erst gestern gewesen, der Tag als Mai-Lin (damals 11 Monate jung) bei uns einzog. Unterernährt (8 Kilo zu wenig) verfilzt und nicht stubenrein. Oh Gott - was hatten wir uns da angetan?

Ich erinnere mich auch noch, dass es ganz schön viel Vertrauens- und andere Arbeit war, um ein Miteinander erträglich zu machen? In Ruhe, Konsequenz und viel Liebe. Denn das Gegenteil hatte sie vor uns, als junger Wanderpokal, wohl schon zur Genüge kennengelernt. Ich entsinne mich, dass es ca. ein Jahr gedauert hat...bis ich sagen konnte - GESCHAFFT!

Davor hätte man sie Miss Stress oder Miss Chaos nennen können. Doch wir tauften sie um, von Dinka zu Mai-Lin (die Honigsüsse). Er sollte einen Neustart sein.

 

Ich weiß noch ganz genau, dass sie nicht geplant war. Doch wie das Leben manchmal so spielt, kann Mann und Frau in manchen Dingen nicht nein sagen. Dann, wenn die Möglichkeiten gegeben etwas Besseres zu bieten.  Aramis, mein damalig 8Jähriger Rüde sah die „Kleine“ als sein Geschenk des Himmels. Er fand sie toll, egal wie sehr sie ihn piesackte. Sie war oft unsagbar frech zu ihm war. Er lächelte sie glückselig an.

 

Genau deswegen, weil sie nicht geplant war, fuhren wir 2 Wochen später in die schon längst gebuchten Bretagne Ferien. Einen roten Bully als Fahrzeug, von einem Freund geliehen, damit der nötige Platz für die lange Reise gewährleistet ist, war Gold wert. Mai-Lin in einer großen Box, Aramis davor. Sie verschlief die Stunden der Fahrt, als hätte sie noch nie was anderes gekannt. Benahm sich bei den Stopps nicht auffällig. Das gab doch Anlass zur Hoffnung.

Doch kaum am Ziel, mussten wir rasch merken, dass ihr die Weite, welche vom Haus auf der Düne zu genießen war, für sie einfach viel zu groß erschien. Sie überdrehte völlig und sprang mit Aramis (damals 8 Jahre alt) den Terrassierten Garten hoch und runter, und runter und hoch. Ihr Spielverhalten wurde immer ruppiger. Wir mussten sie stoppen. Im Haus fand sie kaum Ruhe. Auch die nächsten Tage nicht.

Wir machten ohne Hunde abwechselnd Spaziergänge am Strand. Also entweder Schatz oder ich.

So war es nie gedacht gewesen. Unser wohlverdienter Urlaub, nach einem anstrengenden beruflichen Jahr. Doch entschieden wir uns dazu, da das Nervenkostüm der "kleinen Schnecke" sich im Garten schon so hippelig zeigte und die kleinen Versäuberungsrunden, im Zeitabstand wie bei einem Welpen – weil auch dort nicht stubenrein, für sie genügend Aufregung brachten. So wollten wir ihr vorläufig weiteres ersparen.

Am 4. Tag war es dann soweit...Brustgeschirr beiden Hunden um und los ging es über einen kleinen Pfad durch das Naturschutzgebiet in Richtung Meer. Aramis kannte diesen Weg schon seit 5 Urlaubsjahren, genauso wacker marschierte er voran, so nach dem Motto: "Komm - ich zeige Dir diese Welt."

Doch mit dem Zeigen war es so eine Sache, kaum am Strand angekommen und die erste Welle im Anmarsch, war Mai-Lin völlig aus dem Häuschen. Sie hatte Panik vor dem Geräusch, dem Untergrund, der Weite des Meeres und dem kommenden und gehenden Wasser und dem Wind. Sie war nicht mehr ansprechbar. Wie denn auch? Sie kannte uns nun grade mal 14 Tage und unter anderem ihren neuen Namen kaum. Wie sollte man da vertrauen? Apropos ihren ersten Namen kannte sie auch nicht. (grins)

Nun galt es in dieser Situation zu entscheiden, durchziehen oder Rückzug. 

Wir entschlossen uns für zweiteres. Versuchten jedoch immer mal wieder im Laufe der 14 Tage den Strand aufzusuchen, jedoch veränderte sich ihr Verhalten kaum. Dafür dehnten wir die Hunderunden auf den bewachsenen Dünen aus, machten Ausflüge mit dem Auto und sonst chillten wir einfach so viel wie noch nie. Ich glaube Schatz hat in dieser Zeit 9 Bücher gelesen. Lach! Das alles, hoch oben im Garten beim Haus mit Sicht auf das Meer. Genügend Abstand, dass die Kleine sich mit Aramis nun gesittet austoben konnte, ihr Kopf klar blieb, um ihr einige Dinge beizubringen und Such- & andere Spiele zu machen. Vertrauensarbeit mit überall anfassen, was bis dato nicht ging und sanftes Kämmen was sie auch nicht wirklich gemocht hat waren an der Tagesordnung. Ja, ja, das waren ganz besondere Ferien. Die werden wir wohl nie mehr vergessen.

So wie Mai-Lin (Schneggele). Sie wird egal wie das Leben spielt immer einen großen Platz in unserem Herzen haben. Sie hat sich zu einem besonderen, sehr liebevollen und sanften Hund entwickelt hat. Macht ihrem Namen alle Ehre. Alle Mühen und Wege in jeglicher Richtung haben sich vollends gelohnt. Wir würden es heute wieder so tun.

Unsere "Süße" feiert heute ihren zwölften Geburtstag. Elf Jahre ist sie nun bei uns und ich hoffe noch einige mehr. Obwohl sie vom einen oder anderen Wehwehchen geplagt. Altlasten durch Körperlicher Überlastung im Welpenalter (eben vor unserer Zeit) machten sich bemerkbar. Dazu gesellt sich das Alter. Um es ihr leichter zu machen, gehen wir mit ihr alle 6-8 Wochen zur Osteopathie. Sie bekommt Pflanzliche Unterstützung, die sie gut verträgt und der Alltag wird auf sie abgestimmt. So gehe ich mit ihr mehrfach pro Tag kleine Runden, mache Suchspiel im Garten und massiere sie täglich. (hat mir mal ein Physiotherapeut gezeigt.)

 

Ich kann behaupten für Mai-Lin ist die Welt in Ordnung, Hauptsache wir sind alle zusammen und der Alltag läuft geregelt ab. Wir lieben sie sehr und es war ein guter Schritt sie damals aus ihrem Elend erlöst zu haben. Ihr den Stempel der Herumgereichten wegzuwischen. Denn mit ihrer liebevollen Art und dem Vertrauen zu uns, hat sie es uns tausendfach zurückgezahlt. So wie es bei Verbindungen ist, die einem geschenkt werden. Auch wenn sie manchmal von uns nicht geplant. Mai-Lin unser Geschenk wir lieben Dich!   

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